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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 38

Wide Area Networking mit DSL – unkomplizierte Power für Anwender

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ADSL – Asymmetric Digital Subscriber Line

Wie der Name schon sagt, überträgt ADSL einen asymmetrischen Datenstrom, bei dem viel mehr in Richtung Teilnehmer geht, als von diesem Teilnehmer kommt. Die Technologie wurde speziell für die Anbindung von Endteilnehmern entworfen und nicht wie die anderen genannten Technologien auch für die Verbindung von Nebenstellenanlagen und Multiplexern untereinander.

Der Grund für die Asymmetrie liegt weniger in der Übertragungstechnologie als in der Gebäudeverkabelung. Twisted Pair Telefondrähte werden in großen Kabeln zusammengefasst. 50 Paare in einem Kabel sind die Norm, wenn es in Richtung Betreiber geht, aber in Gebäuden kann es sogar Kabelbündel von mehr als 100 oder 1.000 Kabelpaaren geben.

Eine individuelle Verbindung zum Endteilnehmer wird aus diesen Kabelbündeln herausgespleißt. Das Twisted Pair Kabel wurde von Alexander Graham Bell zwar erfunden, um die elektromagnetischen Wechselwirkungen mit der Umwelt gering zu halten, aber das Ergebnis ist nicht perfekt. Signale auf nebeneinander liegenden, verbündelten Kabeln koppeln sich gegenseitig ein, und zwar umso mehr, je länger die Strecke oder je höher die Frequenz ist.

Sendet man nun symmetrische Signale, wird alles besonders schlimm, weil von beiden Enden hohe Belastungen auf das Kabel zukommen. Sendet man aber nur von einer Seite mit hoher Datenrate und auf dem Rückweg mit einer wesentlich geringeren, so halten sich die störenden Effekte in Grenzen. Glücklicherweise haben gerade die interessanten Anwendungen eine hohe Asymmetrie: ein Internet-Anwender gibt eine kurze Adresse ein und bekommt daraufhin eine ganze HTTP/HTML-Seite geliefert, ein Video-Abonnent wünscht sich einen Film und bekommt diesen dann übers Netz, ein Musikhörer stellt sich seine Wunschtitel zusammen und kann diese dann übers Netz herunterladen. Die allermeisten modernen Anwendungen dieser Art kommen mit einem Donstream/Upstream-Verhältnis von 10:1 (zum Teilnehmer = downstream; vom Teilnehmer = upstream) aus.

ADSL wird nun für einen Bereich von Downstream-Geschwindigkeiten definiert, die von der notwendigen ohne Zwischenverstärker zu überbrückenden Distanz abhängen:

  • bis zu 6.000 m: 1,544 Mbps (T1)
  • bis zu 5.300 m: 2,048 Mbps (E1)
  • bis zu 4.000 m: 6,312 Mbps (DS2)
  • bis zu 3.000 m: 8,448 Mbps

Upstream-Geschwindigkeiten rangieren zwischen 16 und 640 kbps. Es gibt für alle Kombinationen passende Geräte, meistens solche, die auf verschiedene Geschwindigkeiten eingestellt werden können.

Alle ADSL-Modempaare arbeiten in einem Frequenzbereich oberhalb des alten Sprachbandes, es ist also möglich, ADSL-Vebindungen aufzubauen, ohne die gute alte analoge Telefonie zu stören.

Die ADSL-Technologie umfasst Möglichkeiten zur Fehlerkorrektur im Falle von Leitungsstörungen, allerdings mit einer Reaktionszeit von ca. 20 ms, was für IP und LAN-basierte Dienste viel zu viel ist. Daher muss ADSL wissen, welche Signalart übertragen werden soll, um die passende Fehlerkorrektur zu wählen. ADSL kann für leitungsorientierte (circuit switched, z.B. heutiges Telefonieren), paketorientierte (packet switched, z.B. IP-Dienste, Internet) oder zellenorientierte (cell switched, z.B. ATM) Übertragung benutzt werden.

ADSL ist nicht nur für die Anbindung von PCs, sondern auch für die Versorgung von TV Set Top Boxen und ähnlicher Geräte geeignet. Durch diese verschiedenen Möglichkeiten ergibt sich allerdings ein relativ komplexes zusätzliches Protokollgebilde, welches weit über die eigentliche Übertragung hinausgeht.

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