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Serverless Computing im Fokus Wer braucht schon Hardware?

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Daten Event-getrieben auf der hochverfügbaren Infrastruktur von AWS zu verarbeiten, diese nach Ausführungsdauer zu bezahlen und dafür keine eigenen Server zu betreiben, darum geht es im Prinzip beim Thema „Serverless Computing“.

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Beim Serverless Computing wird Code im Rechenzentrum eines Hyperscalers ausgeführt.
Beim Serverless Computing wird Code im Rechenzentrum eines Hyperscalers ausgeführt.
(Bild: profit_image - stock.adobe.com)

Die Cloud gilt als serverlos, wenngleich Hyperscaler wie AWS durchaus Hardware in ihren Rechenzentren stehen haben. Ist jedoch konkret von „Serverless Computing“ die Rede, steht ein anderer Ansatz im Vordergrund als die klassische Infrastruktur. „Serverless“ heißt hier, dass Anwendungen und Services erstellt und ausgeführt werden, ohne sich selbst um Server, Betriebssystemwartung und Kapazitäten Gedanken machen zu müssen. Praktisch jeder Anwendungstyp oder Backend-Service kann damit umgesetzt werden. Eine Kombination aus AWS Lambda, Amazon API Gateway, Amazon Simple Storage Service (Amazon S3), und Amazon DynamoDB ermöglicht es, serverlose Webanwendungen und Backends zu erstellen und ohne eigene Hardware Web-, Mobil- sowie Internet-of-Things-Anwendungen (IoT-) zu betreiben.

Referenzarchitekturen

AWS stellt unter anderem Referenzarchitekturen und Beispiel-Codes für eine Wetter-App, eine Analysefunktion für das Streamen von Social-Media-Daten oder ein mobiles Backend für eine Social-Media-App zur Verfügung. Serverless ist inzwischen vielerorts an der Tagesordnung in der IT, oftmals dergestalt, dass die Nutzer gar nicht realisieren, dass die Applikation auf Serverless-Basis betrieben wird.

Beispiele

  • BSH Hausgeräte mit den Marken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff nutzt beispielsweise ein prämienbasiertes Lohn- und Abrechnungssystem auf Basis einer Serverless-Architektur von Amazon Web Services. Es besteht aus zwei Teilen: Dem Batch-Prozessing, das die Bonusberechung durchführt sowie einer webbasierten App, mit der Korrekturen vorgenommen werden.
  • Bei Kone wurde ein serverloses Tool auf AWS-Basis eingeführt, das Unternehmensprozesse optimiert. Informationen von Kunden und Vertragspartnern zu Anlagen, Verträgen oder Stammdaten wurden ursprünglich von einem Team entgegengenommen und manuell eingepflegt. Das neue System setzt auf Automatisierung, wenn bei den in SAP und Salesforce gespeichertenDaten etwas geändert wird. Das serverlose „Process Interface Tool“ liefert zudem ein Dashboard, das den Status der Änderungen aufzeigt.
  • Die „Grohe Cloud“ ist die Umsetzung einer IoT-Plattform für den Hersteller von Sanitärprodukten, bei dem auf serverloser Basis Smart-Home-Funktionen bei den Kunden umgesetzt werden. Zum Beispiel geht es darum, Überflutungen von Bädern per Sensorik zu registrieren und dann Aktionen anzutriggern, wie Alarme, die auf das Smartphone der Nutzer geschickt werden.
  • Videospielehersteller Square Enix verwendet AWS Lambda für die Bildverarbeitung eines MMO-Spiels (Massively Multiplayer Online). Mit Hilfe von Lambda konnten Lastspitzen, die bis zu 30 Mal höher als der normale Datenverkehr waren, zuverlässig verarbeitet werden. Die Bildverarbeitung wurde optimiert, Infrastruktur- und Betriebskosten für die Plattform wurden gesenkt.
  • Der Serverless-Gedanke ändert die Art und Weise sowie den Fokus von IT-Projekten. Durch das Eliminieren von zeitfressenden operativen Tätigkeiten, wie dem Patchen von Servern, erhöht sich die Produktivität der IT-Mitarbeiter. Sie können sich, statt Wartungstätigkeiten zu übernehmen, auf wichtige Geschäftsprojekte konzentrieren und deren Time to Market beschleunigen. Kurzum: Im Fokus steht nun, Innovationen voranzutreiben, und nicht, die Server am Laufen zu halten.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

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Leitender Redakteur