Die Zersplitterung der LTE-Landschaft wird zum Problem

Warum LTE-Roaming nicht möglich ist

| Autor / Redakteur: Leslie Ferry / Andreas Donner

Unterschiedliche Frequenzspektren behindern die weltweite Nutzung von LTE
Unterschiedliche Frequenzspektren behindern die weltweite Nutzung von LTE (Bild: Sergey Nivens - Fotolia.com)

Einigen Startschwierigkeiten zum Trotz rollt die LTE-Welle nun schnell über die mobile Landschaft. Doch der neue Star stößt bereits an seine Grenzen: das weltweite LTE-Netz ist zersplittert, Roaming so gut wie unmöglich. In unserer globalisierten Welt ist der LTE-Nutzer an sein Heimatland gefesselt. Kein guter Start für die Mobilfunktechnik der Zukunft.

Was sind nun die Ursachen? Zunächst ist das Problem darin zu finden, dass LTE nicht aus dem nichts entstanden ist, sondern eine große Anzahl an Vorgängern vorweisen kann. Funkfrequenzbänder sind begrenzt, und die nationalen Spektren bereits von allerlei anderen Diensten besetzt. Fernsehsender blockieren etwa im Vereinigten Königreich das 2,1-GHz-Spektrum, das in den USA für LTE zur Verfügung steht. LTE-Netzbetreiber müssen mit den wenigen freien und zufällig verstreuten Frequenzanteilen vorlieb nehmen. Der jeweilige Markt bestimmt dabei, welche das sind. Einige nordamerikanische Netzbetreiber nutzen beispielsweise das 700-MHz-Band, während die Europäer 2,6 GHz und viele asiatische Staaten 1,8 GHz für LTE nutzen.

LTE: teures Netzwerk und starker Helfer

LTE und LTE-A sind bereits Teil der modernen Mobilfunkwelt. Die Kunden freuen sich an der neuen Geschwindigkeit und nutzen bereits die datenintensivsten Dienste mit größter Selbstverständlichkeit. Netzbetreiber setzen darum auf LTE und entlasten ihre Mobilfunknetze, die von den neuen Datenbergen an den Rand der Kapazität gedrängt werden.

LTE transportiert Datenladungen mit Downloadraten von 150 Mbps bis zu zehn Mal so schnell wie sein Vorgänger 3G. Damit entlastet der neue Standard nicht nur die Netze, sondern fördert zugleich neue VoIP-Dienste wie HD-Voice oder Videokonferenzen und erschließt so den Netzbetreibern neue Erlösquellen. Die Vodafone Deutschland GmbH etwa, die mit der Bereitstellung von LTE-Diensten frühzeitig begonnen hat, führt bereits jetzt 75 Prozent ihres Netzwerk-Traffics auf Video-Inhalte zurück.

LTE ist ein starker Helfer für die mobile Zukunft, aber er hat seinen Preis. Neben den Kosten für die Aufrüstung des alten Netzes müssen Betreiber für die Frequenzanteile tief in die Tasche greifen. Die wenigen freien Spektren werden zu knappen und begehrten Rohstoffen. Der Zuschlag bei einer Spektrumsauktion in den Niederlanden hat die erfolgreichen Bieter 3,8 Milliarden Euro gekostet, in Großbritannien wurden im Februar dieses Jahres für ähnliche Lizenzen 2,3 Milliarden Pfund (etwa 2,7 Milliarden Euro) gezahlt.

LTE-Roaming quasi unmöglich

Neben den Kosten führt die Willkür der Frequenzbandverteilung zu einer totalen Zersplitterung der LTE-Weltkarte in nationale und subnationale Netze: Nicht einmal die unterschiedlichen Netzbetreiber desselben Landes nutzen das gleiche Spektrum. In den USA etwa sind die LTE-Netze von Verizon und AT&T nicht miteinander kompatibel. Zwischen den Anbietern herrscht aggressive Stimmung, eine internationale Vereinbarung fehlt.

Der Verband der Netzbetreiber GSMA schätzt, dass mindestens 38 unterschiedliche Kombinationen an Funkfrequenzen genutzt werden. Der unbedingte Wille der Netzbetreiber zur Kundenbindung kombiniert mit der schieren Masse an inkompatiblen Netzen führt am Ende dazu, dass Roaming in LTE quasi unmöglich wird.

Bei den Vorgängern, 2G und 3G, war Roaming bereits fest verankert – jedoch nicht von Anfang an. Zu Beginn hatten beide Standards ähnliche Probleme wie LTE heute. Drei Faktoren lösten damals dieses Problem: Multiband-Geräte ermöglichten erstens die Nutzung von mehr als einem Frequenzbereich; zweitens fand man zu einer besseren internationalen Koordination; und drittens unterschieden sich die Frequenzbänder schlichtweg weniger voneinander, sodass Roaming auch ohne zusätzliche Empfänger möglich war.

Heute leidet LTE sowohl unter geringerer Kooperation der Betreiber, als auch unter mehr und unterschiedlichen Frequenzen. Die wahrscheinlichste Lösung für dieses Dilemma ist dreiteilig: Erstens sollten sich die Netzbetreiber auf die sechs bis acht meistgenutzten LTE-Hauptbänder einigen. Zweitens unterstützen Geräte mit modernen Chipsätzen bald bis zu zehn Frequenzbänder und entsprechen damit der Multiband-Lösung aus 3G-Tagen. Drittens schaffen Kooperationen mehr Übergänge zwischen den Netzen, wie es heute schon der US-amerikanische Anbieter Verizon mit ausländischen Carrier-Partnerschaften vormacht.

Frustrierte Kunden fordern Harmonisierung

Noch ist die Fragmentierung der LTE-Netze nicht spürbar geworden, die kritische Masse an Nutzern noch nicht erreicht. Während sich LTE weiter verbreitet, gewöhnen sich die Kunden an hohe Geschwindigkeiten und die neuen, datenintensiven Dienste. Die alten Netze können diese wachsenden Lasten nicht mehr tragen während die neuen Netze Nutzer an ihr Heimatnetz fesseln.

Leslie Ferry
Leslie Ferry (Bild: Broadsoft)

Auf lange Sicht müssen sich alle Beteiligten am LTE-Markt daher um eine Harmonisierung bemühen. Im mobilen Umfeld würde davon jeder profitieren: von OEMs, die nur noch ein Gerät für die unterschiedlichen Regionen herstellen müssten, über Konsumenten, die in den Genuss von LTE-Roaming-Diensten kämen, bis hin zu den Netzbetreibern, die auf zufriedenere Kunden und zusätzliche Erlöse aus ihren Roaming-Partnerschaften blicken könnten.

Über die Autorin

Leslie Ferry ist Vice President Marketing beim Kommunikations-Spezialisten Broadsoft.

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