Schnelles WLAN für alle

Wann lohnt sich ein Upgrade auf 802.11ac?

| Autor / Redakteur: Christopher Hinsz / Andreas Donner

802.11ac ist schnell – um alle Vorteile zu genießen, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein.
802.11ac ist schnell – um alle Vorteile zu genießen, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein. (Bild: ra2 studio - Fotolia.com)

Unternehmen implementieren aktuell zügig 802.11ac, um den rasch ansteigenden Anforderungen an die Leistung mobiler Anwendungen nachzukommen. Obwohl der neuste WLAN-Standard Verbesserungen in der Geschwindigkeit und der Kapazität verspricht, sollte stets die individuelle Situation in jedem Unternehmen berücksichtigt werden, bevor 802.11ac umgesetzt wird.

Zwar lässt sich in den meisten Unternehmen wohl niemals auf ein verkabeltes Netzwerk verzichten – für die Anbindung und Arbeit der Mitarbeiter ist das WLAN-Netzwerk in vielen modernen Unternehmen aber bereits heute das primäre Netzwerk.

Der neueste WLAN-Funkstandard 802.11ac wurde rasch aufgenommen und wird schon jetzt auf breiter Ebene unterstützt. Letztes Jahr verfügten beispielsweise beinahe 75% aller mobilen Handgeräte über 802.11ac.

802.11ac ist nicht für jeden geeignet

Es ist wichtig zu erkennen, dass nicht alle Unternehmen in den Genuss der Geschwindigkeits- und Leistungsvorteile kommen werden, die 802.11ac verspricht. Es gilt, einige sorgfältige Überlegungen anzustellen, bevor sich IT-Manager und Dienstleistungsanbieter entscheiden sollten, 802.11ac zu implementieren. Diese Faktoren umfassen eine Vielzahl an organisatorischen und technischen Fragen.

So gilt es zu überprüfen, wie umfassend die WLAN-Nutzung innerhalb des Unternehmens sein kann bzw. sein sollte. Um in den Genuss der größten Vorteile bei der Umstellung auf den neuen Standard zu kommen, ist es wichtig, dass Nutzer drahtlose Technologien weiträumig angenommen haben und nutzen. Folgende Fragen sollten also beantwortet werden:

Werden bereits Anwendungen verwendet, die eine Menge Bandbreite in Anspruch nehmen oder ist es geplant, dass diese großflächig zum Einsatz kommen? Werden die Anwendungen, die von Mitarbeitern und Kunden am meisten verwendet werden, drahtlosen Zugriff unterstützen? Verwenden Mitarbeiter auch private Geräte für den Zugriff auf das Netzwerk? Werden deren Geräte die maximalen Vorteile von 802.11ac unterstützen und erhalten?

Blick in die Glaskugel

Eine der größten Herausforderungen bei der Entscheidung darüber, wann und wie umgerüstet werden soll, besteht für die IT-Manager und Netzwerk-Architekten darin, die Zukunft vorauszuahnen. Wo steht das Unternehmen in Bezug auf die Nutzung des WLANs heute und wie wird es sich in den kommenden Jahren entwickeln? Wird es neue drahtlose Technologien geben, die dem Unternehmen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten? Was ist mit dem Internet der Dinge und anderen verbundenen Geräten?

Beispielhaft für Tragweite künftiger Entwicklungen sei hier die Weiterentwicklung Wave 2 des 802.11ac-Standards genannt. Durch das mit Wave 2 mögliche Multi-User MIMO entstehen nun genau solche Möglichkeiten, die es vorauszuahnen galt, und auf die es sich manchmal durchaus lohnt zu warten: Wie sinnvoll ist eine Aufteilung von hunderten Clients auf wenige Access Points? Gibt es dafür Bedarf? Wie wird mit eventuell noch vorhandenen Single-User-Clients umgegangen?

Kosten-Nutzen-Abwägung

Ein weiterer aufschlussreicher Schritt ist, die versprochenen Leistungsvorteile den Kosten des Netzwerk-Upgrades auf 802.11ac gegenüberzustellen. Unternehmen, die bereits jetzt an die Grenzen ihrer drahtlosen Netze stoßen, müssen am wenigsten zusätzliche Kosten in die Umsetzung von 802.11ac investieren und werden einen höheren Gesamtvorteil von der Umsetzung erwarten können. Netzwerken, die noch nicht auf WLAN ausgerichtet sind, steht ein längerer und kostspieligerer Weg bevor, um 802.11ac umzusetzen.

Bewährte Verfahren bei der Umsetzung von 802.11ac

Um den neuesten Standard umzusetzen, müssen bestehende WLAN-Netzwerke überarbeitet werden. Da 802.11ac mehrere neue Ansätze bietet, um bessere Geschwindigkeit und besseren Umsatz zu erzielen, ist es nicht einfach nur eine Frage, ob man alte Geräte ersetzt und Zugriffspunkte aufrüstet. Denn die bestehende Infrastruktur unterliegt gewissen Einschränkungen, die sich auf die Gesamtleistung des Netzwerks auswirken können. Deshalb müssen IT-Abteilungen das gesamte Netzwerk überdenken und eine Überprüfung des drahtlosen Netzwerks einleiten, die sich insbesondere auf die Leistung konzentriert, anstatt wie bei bisherigen Upgrades im Wesentlichen auf die Abdeckung zielt.

802.11ac bietet in der Praxis mit 20, 40, 80 und theoretisch sogar 160 Mhz breiten Kanälen beispielsweise eine große Flexibilität für Netzwerk-Designer. Besondere Sorgfalt muss jedoch bei der Verwendung von breiteren Kanälen angelegt werden, um Störungen durch Kanalüberlagerungen in Abhängigkeit der Umgebungsbedingungen zu vermeiden. Dies war bereits bei den vorherigen 5-GHz-Technologien oft ein Problem und wird mit 802.11ac noch kritischer.

WLAN-LAN-Schnittstelle

Eine bittere Realität in Sachen WLAN ist die Tatsache, dass ein drahtloses Netzwerk immer irgendwo in einem Draht endet. Sollte das verdrahtete Netzwerk nicht in der Lage sein, mit den zusätzlichen Kapazitäten, höheren Datenmengen, höheren Geschwindigkeiten und Traffic-Rangfolgen des auf ac ausgebauten WLAN-Netzwerks umzugehen, so mündet ein Upgrade nicht in einer entscheidenden Leistungssteigerung und die Nutzer kommen nicht in den vollen Genuss von 802.11ac. Schwachstellen im LAN bedeuten aber nicht zwangsläufig hohe Investitionen in den verkabelten Teil des Netzwerks.

Netzwerk-Designer, die 802.11ac umsetzen wollen, müssen einen flächendeckenderen Ansatz finden, um die gesamte Netzwerkstruktur zu definieren, zu entwickeln, zu überwachen und Probleme zu beheben – eine isolierte Betrachtung einzelner Netzteile wie LAN und WLAN funktioniert hier nicht mehr. Unerlässlich sind daher auch Testverfahren, die das gesamte Netzwerk abdecken und Probleme wie Störungen, Leistungsengpässe, PoE-Defizite und Backhaul-Nadelöhre über die gesamte IT-Infrastruktur aufdecken und abbilden.

Eine weitere konzeptionelle Änderung beim Zusammenwachsen der beiden Netzwerkwelten besteht darin, wie die Netzwerkleistung am besten messen kann. Die Messung der Leistung, die beim Endnutzer ankommt ist enorm wichtig und in vielerlei Hinsicht, der einzige Wert, der wirklich zählt. Denn erst beim Nutzer zeigt sich, wie gut die einzelnen Komponenten und Netzwerkteile tatsächlich zusammenarbeiten.

Wenn Nutzer mobil sind, ist es wichtig, dass die Fachleute, die für das mobile Netzwerk verantwortlich zeichnen, ebenfalls mobil sind. Techniker benötigen also smarte und mobile Geräte, um sich besser um Themen wie die Fehlerbehebung kümmern zu können.

Fazit

Für Unternehmen, die ihre mobilen Nutzer mit besseren Leistungen versorgen möchten und sich deshalb die Installation von 802.11ac überlegen, gilt es, einige vorbereitende Überlegungen anzustellen. Der neue 802.11ac-Standard verspricht schnellere Verbindungen für alle WLAN-Nutzer. Gehalten werden kann dieses Versprechen allerdings nur, wenn sowohl netzwerkseitig alle Vorkehrungen optimal getroffen wurden, als auch einheitliche Mess- und Analysewerkzeuge zur Verfügung stehen.

Über den Autor

Christopher Hinsz ist Senior Product Manager bei NETSCOUT Fluke Networks.

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