Heiko Gloge gibt aktive Rolle ab TA Associates übernimmt bei Igel die Mehrheit

Autor / Redakteur: Michael Hase / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Bremer Melchers-Gruppe verkauft den Software-Anbieter Igel mehrheitlich an den Finanzinvestor TA Associates. Vom neuen Eigentümer versprechen sich die Unternehmensgründer, die sich operativ zurückziehen, dass er „die Wachstumsstory von Igel" fortschreibt.

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Die Hansestadt Bremen ist und bleibt Hauptsitz von Igel.
Die Hansestadt Bremen ist und bleibt Hauptsitz von Igel.
(Bild: eyetronic – adobe.stock.com)

Bei Igel Technology bricht eine neue Ära an. Der nordamerikanische Finanzinvestor TA Associates ist ab sofort Mehrheitsgesellschafter des Bremer Herstellers, der Software für das Enduser Computing entwickelt und Thin Clients fertigt. Die bisherigen Eigentümer, das Handelshaus C. Melchers und Heiko Gloge, Gründer und langjähriger CEO von Igel, halten künftig eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen. Dessen Hauptsitz bleibt weiterhin in Bremen, die Software-Entwicklung in Augsburg. Finanzielle Details wie den Kaufpreis und die Höhe der Anteile nennen die Beteiligten nicht.

Im Zuge der Transaktion scheidet Gloge aus dem operativen Geschäft aus und wechselt ins sechsköpfige Advisory Board. Der IT-Profi übergab bereits vor einem Jahr die Rolle des weltweiten CEO an Jed Ayres, der 2016 als Nordamerikachef und Chief Marketing Officer zu Igel gekommen war. Als Managing Director gehörte Gloge seitdem weiter der Unternehmensleitung an. Mitglied des neuen Boards wird auch sein langjähriger Geschäftspartner Nicolas Helms, Geschäftsführer der Melchers-Gruppe.

Neue Führungsstruktur

Das Management von Igel bekommt mit der Beteiligung durch TA eine neue Struktur, die der angelsächsischer Gesellschaften gleicht. So gibt es künftig ein Executive Leader Team, an dessen Spitze Ayres als CEO steht. Dem Gremium gehört auch der Sprecher (Chairman) des Advisory Boards an, der somit einen aktiven Part übernimmt. Für diese Position hat Igel den Branchenveteran Bill Veghte gewonnen, ehemals Chef der Windows-Sparte von Microsoft und Chief Operating Officer bei HP vor dem Split.

„Wir sind überzeugt, in TA den richtigen Partner gefunden zu haben“, kommentiert Gloge den Einstieg des Investors. Der fokussiere sich unter anderem darauf, Software-Anbieter zu unterstützen, und kenne die Subskription-Modelle, die hinter deren Geschäft stehen, ganz genau. „TA kann zusätzliches Knowhow einbringen und so die Wachstumsstory von Igel weiter vorantreiben. Diese Synergie war für uns ein sehr wichtiger Entscheidungspunkt.“ Die Private-Equity-Gesellschaft, deren Hauptsitz sich in Boston befindet, unterhält ein Büro in Menlo Park im Silicon Valley, rund 50 Kilometer vom amerikanischen Hauptquartier des Herstellers in San Francisco entfernt.

Erfreut zeigt sich der Igel-Gründer im Gespräch mit IT-BUSINESS auch darüber, dass sich Topmanager Veghte künftig als Chairman of the Board bei dem Hersteller engagiert. „Mit seinem Netzwerk und seinem umfangreichen Wissen wird er dazu beitragen, dass wir die guten Beziehungen, die Igel zu Technologiepartnern aufgebaut hat, erweitern und vertiefen können.“

Heiko Gloge, Gründer und langjähriger CEO von Igel, zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.
Heiko Gloge, Gründer und langjähriger CEO von Igel, zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.
(Bild: Igel Technology)

„Emotionaler Moment“

Den größten Einschnitt bedeutet die Transaktion wohl für den Entrepreneur selbst und seinen Partner Helms. „Wir ziehen uns aus unserer aktiven, operativen Rolle zurück und werden die weitere Entwicklung des Unternehmens im Advisory Board begleiten.“ Gloge setzt sich seit 1993 für die Marke Igel ein, zunächst mit der Sparte Melchers Netkom, die er damals leitete, als Distributionspartner des Augsburger Thin-Client-Anbieters. Als dessen Fortbestand in den Wirren der Dotcom-Krise in Frage stand, übernahm Melchers die Assets und gründete Ende 2000 die neue Igel Technology. Gloge beteiligte sich damals mit einem Anteil von 30 Prozent. Für ihn und Helms sei der Ausstieg aus dem operativen Geschäft „auch ein sehr emotionaler Moment“.

Die beiden Geschäftspartner begannen bereits vor fast zehn Jahren damit, über ihre Nachfolge nachzudenken, wie der Gründer berichtet. Ihnen sei damals schon bewusst gewesen, dass sie letztlich einen Investor finden müssen, der die Weiterentwicklung von Igel „federführend in die Hände nimmt“. Zwei wesentliche Evolutionsschritte des Unternehmens wollten sie zuvor aber noch umsetzen. Bei dem einen handelte es sich um die Expansion des Geschäfts in die USA, mit der Igel seit 2013 im zweiten Anlauf erfolgreich war. „Für uns als Mittelständler aus Bremen, der die große Welt über seinen Hafen kennt, war das schon eine Herausforderung, auf dem nordamerikanischen Markt anzukommen.“ Mittlerweile erzielt der Hersteller dort fast 40 Prozent seiner Erlöse.

Vom Thin Client zur Software

Der zweite große Schritt war die Neupositionierung von Igel als Software-Anbieter. Auch wenn Experten im Betriebssystem und den Management-Werkzeugen des Herstellers von Anfang an den Mehrwert des Portfolios sahen, richtete sich die Wahrnehmung des Markts vor allem auf den Formfaktor. Die Ära des Thin Clients als eigenständige Hardware-Kategorie neigt sich nach Gloges Einschätzung jedoch dem Ende zu. „Alles, was man heute braucht, ist ein Access Device, um in die Cloud zu kommen. Das ist nach wie vor ein Thin-Client-Konzept, aber ein Hardware-agnostisches. Wir müssen von der Software her denken.“

Dass Igel mit der Neupositionierung im Markt durchgedrungen ist, machen die Geschäftszahlen deutlich. So steigerte der Anbieter im Coronajahr 2020 die Software-Erlöse um 20 Prozent, während sich der Gesamtumsatz leicht erhöhte. Detailliertere Zahlen zum Geschäft des vergangenen Jahres geben die Bremer auf ihrer Enduser-Computing-Konferenz, der Igel Disrupt 2021, bekannt, die am 25. Februar virtuell stattfinden wird. Dort informiert das Unternehmen seine Kunden und Partner auch über das neue Betriebssystem, neue Security-Funktionen und nicht zuletzt über das neue Partnerprogramm, das seit diesem Jahr gilt.

Die Hanseaten unterzeichneten den Vertrag mit TA Associates am Donnerstag, 11. Februar. Der neue Igel-Investor agiert seit 1968 am Markt und hat sich seither an mehr als 500 Unternehmen weltweit beteiligt. Der Technologiesektor bildet eine von fünf Kernbranchen der Private-Equity-Gesellschaft. Zum aktuellen Portfolio, in das TA rund acht Milliarden Dollar investiert hat, gehören unter anderem die Software-Anbieter Flexera und Ivanti. Frühere Beteiligungen waren AVG (heute Avast) und Sophos.

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 Michael Hase

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