Netzbetreiber sollten Internet-WANs ernst nehmen

Software-Defined WAN statt MPLS

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Mike Hemes von Silver Peak rät Netzbetreibern, beim neuen WAN-Modell nicht zu zögern, sonst drohe ihnen Gefahr, von Mitbewerbern übertrumpft zu werden.
Mike Hemes von Silver Peak rät Netzbetreibern, beim neuen WAN-Modell nicht zu zögern, sonst drohe ihnen Gefahr, von Mitbewerbern übertrumpft zu werden. (Bild: Silver Peak)

Silver Peak rät Netzbetreibern, sich schnell mit dem Modell der Internet-Weitverkehrsnetze (Wide Area Networks) zu arrangieren. Sie seien für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mittlerweile eine Alternative zu kostspieligen und weniger flexiblen MPLS-Netzen (Multi-Protocol Label Switching).

Das Zeitalter der Internet-Weitverkehrsnetze hat begonnen. Für den WAN-Optimierer Silver Peak liegt dies an den qualitativ hochwertigen, schnellen und hoch verfügbaren Breitbandverbindungen, die es Mitarbeitern von Unternehmen heute ermöglichen, über das Internet Geschäftsanwendungen zu nutzen.

Traditionelle Netzbetreiber seien allerdings zögerlich, was das neue WAN-Modell betrifft, und das trotz der Vorteile, die Breitband-Weitverkehrsnetze bieten: niedrigere Kosten, eine höhere Transparenz und eine bessere Performance. Der Grund sei, dass Netzbetreiber seit jeher relativ spät neue Ansätze aufgegriffen haben, die sie als „vermeintliche“ Bedrohung für ihr Geschäftsmodell einstufen. Das sei beispielsweise bei WAN-Optimierungstechnologien der Fall gewesen. Heute dagegen würden gemanagte WAN-Optimization-Services zum Produktportfolio vieler Service-Provider zählen.

„Bei Internet-WANs liegt die Sache anders. In diesem Fall müssen sich Netzbetreiber schnell mit dieser neuen Technologie arrangieren, wenn sie von der Evolution der Enterprise-WANs profitieren möchten“, sagt Mike Hemes, Vice President EMEA Sales bei Silver Peak. „Sonst droht die Gefahr, dass sie von Mitbewerbern übertrumpft werden.“

MPLS-Netze genügen nicht mehr den Anforderungen

Seit etwa zehn Jahren setzen viele Netzbetreiber bei Weitverkehrsnetzen für Unternehmenskunden auf MPLS. Diese zuverlässige, skalierbare und leistungsfähige Technik ermöglicht es, Rechenzentren und Außenstellen in ein Enterprise-WAN einzubinden. Aber MPLS-Netze waren und sind auch heute noch eine kostspielige Lösung. Deshalb seien Unternehmen auf der Suche nach einer Alternative. Preisgünstige Internetverbindungen waren dies bislang nicht, denn ihnen mangelte es an Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Neben den Kosten gebe es einen weiteren Grund, weshalb MPLS in Bedrängnis geraten ist: Immer mehr Anwendungen würden „nach Bedarf“ über das Internet und Cloud-Rechenzentren bereitgestellt. Unternehmen – und ihre Netzwerke – könnten dadurch agiler und flexibler agieren. Diese Faktoren seien in einer Welt unverzichtbar, die durch Globalisierung und den Digitalen Wandel geprägt ist. Gleichzeitig hätten Unternehmen den Wunsch, die Netzwerkkosten zu reduzieren und die Performance von Anwendungen zu steigern.

Der Aufstieg des Software-Defined WAN

Nun stehe Anwendern eine Option zur Verfügung, um exakt diese Ziele zu erreichen: das Software-Defined WAN (SD-WAN). Es nutzt Internetverbindungen, um Nutzern auf flexible und kosteneffiziente Weise den Zugang zu Anwendungen zu ermöglichen. Diese werden beispielsweise von einem Cloud-Service-Provider bereitgestellt oder vom unternehmenseigenen Rechenzentrum, Stichwort „Private Cloud“. Ein solches SD-WAN ist ein virtuelles Overlay-Netzwerk. Es ersetzt eine herkömmliche MPLS-Infrastruktur durch sichere Breitband-Internet-Connections.

Ein entscheidender Punkt für Netzbetreiber sei, dass solche internetbasierten WANs unterschiedliche Pfade verwenden, über die Nutzer auf Anwendungen und Daten zugreifen können. Stehen mehrere solcher Übertragungswege zur Verfügung, können Unternehmen Echtzeitdaten wie Sprache oder Videos stets über die optimale Verbindung mit den niedrigsten Verzögerungszeiten (Latency) und Paketverlustraten (Packet Loss Rates) übertragen. Sollten in einem Netzwerk Probleme auftreten, etwa wegen einer Überlastsituation, sei es möglich, die Daten über eine andere Verbindung zum Ziel zu transportieren.

Exakt das eröffne jedoch anderen Anbietern die Möglichkeit, selbst als „Netzbetreiber“ aktiv zu werden. Dazu zählen Kabelnetzfirmen, Internet-Service-Provider, Systemintegratoren oder sogar Value-Added-Reseller (VAR). Sie könnten sich zusammentun und in Eigenregie gemanagte Internet-WAN-Services anbieten.

Für traditionelle Netzbetreiber könne dies laut Mike Hemes gravierende Folgen haben: „Das neue WAN-Modell wird zweifellos bei Unternehmen und Organisationen auf große Resonanz stoßen. Denn ein SD-WAN weist im Vergleich zu MPLS-Infrastrukturen deutliche Vorteile auf. Es liegt nun an den Netzwerkbetreibern, diese Chance zu nutzen. Wenn sie das nicht tun, laufen sie Gefahr, Mitbewerbern aus anderen Marktbereichen das Feld zu überlassen.“

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