Tendenz: Steigend – Der Markt für SD-WAN nimmt an Fahrt auf

So klappt die Umstellung auf SD-WAN!

| Autor / Redakteur: Uwe Becker / Andreas Donner

Uwe Becker, Head of Global Services Germany bei Orange Business Services, zeigt, worauf es bei SD-WANs ankommt.
Uwe Becker, Head of Global Services Germany bei Orange Business Services, zeigt, worauf es bei SD-WANs ankommt. (Bild: Orange Business Services)

In den Markt für SD-WAN-Technologie ist in den letzten Monaten Bewegung gekommen. Vor allem Großunternehmen stellen bereits um – doch auch der Mittelstand beobachtet den Trend genau. Was SD-WAN bringt und wie Sie eine Umstellung erfolgreich meistern, zeigt dieser Beitrag.

Das breite Interesse für SD-WAN bestätigt auch Gartner im aktuellen Magic Quadrant for Network Services Global. So planen 26 Prozent der Unternehmen weltweit, in den nächsten 18 Monaten auf SD-WAN umzusteigen. Die Gründe für diese Entwicklung sind naheliegend: Primär sind hier der zunehmende Fokus von Unternehmen auf agile Netzwerke, die Einführung und Nutzung von Cloud-Diensten und die verstärkte Verlagerung von WAN-Diensten auf das Internet nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Bandbreitenbedarfs und der damit verbundenen hohen VPN-Kosten zu nennen.

Erhöhte Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Sicherheit und Flexibilität

Das Interesse für die neue Technologie ist verständlich, schließlich bringt SD-WAN neben Kosteneinsparungen, erhöhter Zuverlässigkeit der Verbindung und vereinfachter Wartung mehrere weitere Vorteile für die Unternehmen, die es einsetzen:

Durch die Applikationsverlagerung ins Internet oder die Nutzung von Clouddiensten ist es ideal, die Nutzer so direkt wie möglich und in Kombination mit Cloud Security-Diensten mit dem Internet zu verbinden. Durch gleichzeitige Nutzung mehrerer Transportkanäle wie Internet und klassischen MPLS-Leitungen, entsteht der Bedarf beide Transportkanäle anhand ihrer Performance, Sicherheit und Kosten jeweils für geeignete Applikationen zu verwenden.

Diese Anpassung sollte am besten dynamisch erfolgen, damit jederzeit der bestmögliche Pfad für jede Applikation zur Verfügung steht. Dabei wird flexibel entschieden, welche Applikationen welchen Transportweg nehmen. So werden Bandbreiten besser genutzt und Latenzzeiten vermieden. Solche erweiterten Möglichkeiten zur Orchestrierung des Netzwerks und zur exakten Anpassung an den eigenen Bedarf sind jedoch nur durch ein zentral orchestriertes SD-WAN zu erreichen.

Tiefer Einblick

Ein weiterer Vorteil gegenüber herkömmlichen Netzwerken ist der einfache und erhöhte Einblick in das Netzwerk an sich. In einem SD-WAN ist es aufgrund der Softwareeinstellungen wesentlich einfacher, den Verkehr zu analysieren, der über das Netzwerk läuft, als in herkömmlichen Netzwerken. Diese Daten werden den Admins zur Verfügung gestellt, was zu Sicherheitssteigerungen führen kann. Mit Software-definierten Anwendungen geht zudem ein hoher Automatisierungsgrad einher, der schnelle und agile Anpassungen der Konfiguration und Einstellungen ermöglicht.

Lange haben sich Unternehmen der Idee der Verlagerung ihrer Unternehmensnetze ins Internet verschlossen, vor allem aufgrund von Bedenken hinsichtlich Verfügbarkeit und Sicherheit – und gerade in Deutschland sind die Sicherheitsbedenken immer noch groß. Dabei lassen sich auch Software-definierte Netzwerke mit den gleichen Sicherheitstechnologien, wie etwa starker Verschlüsselung oder Authentifizierung, schützen. Im Gegenteil: durch die erhöhte Visibilität in SD-WANs ist sogar ein viel genaueres Monitoring des Netzwerkverkehrs möglich.

Da hinter einem SD-WAN lediglich ein Anbieter steht, statt der durchschnittlichen 23 Netzwerk-Anbieter, die ein multinationales Unternehmen bisher in der Regel für sein WAN/VPN unter Vertrag hat, lassen sich Sicherheitsvorfälle außerdem schneller erkennen und bekämpfen.

Wer besonders von einem SD-WAN profitieren kann

Der Trend zum SD-WAN ist in allen Branchen zu erkennen, doch ist diese Form des Netzwerks besonders für Unternehmen wertvoll, die eng verzahnt mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten. Hier ist ein globales und einheitliches Netzwerk besonders nützlich, um Anschlussfehler zu minimieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Automobilbranche, die mit zahlreichen externen Dienstleistern, Zulieferern und Partnern zusammenarbeitet. Eine Branche, die bezüglich SD-WAN hingegen zögerlicher ist als andere, ist die Finanzbranche. Das liegt einerseits an den hohen Auflagen und Regulierungen für Banken – da will man mit großen Änderungen kein Risiko eingehen. Andererseits ist der Nutzen für sie vergleichsweise gering, da Banken weniger auf die enge Zusammenarbeit mit Zulieferern oder Partner angewiesen sind als beispielsweise Unternehmen aus dem Automobilumfeld.

Wie läuft eine Umstellung auf SD-WAN ab und worauf ist zu achten?

Sorgfältige Wahl des Providers: Ein SD-WAN-Projekt steht und fällt mit dem Dienstleister, da die Technologie nur so gut ist, wie der Betreiber, der dahintersteht. Dabei zählen vor allem das Netzwerk des Anbieters, die verfügbare Erfahrung und das Know-how. Hat der Dienstleister einen geringen Qualitätsanspruch oder nicht die notwendige Expertise, könnte die Sicherheit des WANs sinken oder die Zuverlässigkeit und Performance sowie das gesamte Projekt auf dem Spiel stehen. Die Wahl des Providers ist also der erste und elementarste Schritt, der sorgfältig überlegt werden muss.

Abbildung der Anforderungen im Labor: In einem nächsten Schritt sollten die Anforderungen des Unternehmens an das Netzwerk im Labor abgebildet werden. Dies dient dazu, genau herauszustellen, wo der Fokus im Punkt Netzwerk liegt und worauf das Unternehmen im laufenden Betrieb am meisten Wert legt. Dazu werden Fragen beantwortet wie „Ist dem Unternehmen die Nutzung eigener Zertifikate wichtig?“, „Soll speziell segmentiert werden?“, „Welche Verschlüsselungsstärke wird notwendig sein?“. Mit diesem Schritt stellt der Provider zum einen sicher, dass er genau das Netzwerk zur Verfügung stellt, das den Anforderungen des Unternehmens entspricht. Zum anderen hat das Kundenunternehmen die Möglichkeit, zu überprüfen, ob der Dienstleister in der Lage ist, den genauen Bedarf auch wirklich abzudecken.

Pilotprojekt: Nach erfolgreichem Proof of Concept sollte das Netzwerk zwingend in einem Pilotprojekt getestet werden. Wird die Technologie zunächst in einem bestimmten Rahmen, also zum Beispiel an fünf bis zehn Standorten, ausgerollt, lässt sich so feststellen ob auch alle Unternehmens-Applikationen im neuen, dynamischen Netzwerk funktionieren. Hierfür wählt man am besten Standorte, an denen das Risiko bei etwaigen auftretenden Komplikationen nicht zu hoch ist. Wichtige Produktionsstandorte sollten beispielsweise erst eingebunden werden, wenn die neue Technologie erprobt ist und alles reibungslos funktioniert.

Unternehmensweiter Roll-Out: Nach erfolgreichem Abschluss dieser üblicherweise zwei- bis dreimonatigen Testphase kann das Netzwerk auf das gesamte Unternehmen ausgerollt werden. Da eine solche Umstellung natürlich nicht über Nacht geschieht, ist zudem eine Strategie wichtig, die die „alte und neue Welt“ während der Umstellungsphase miteinander verbindet. So werden Störungen im Unternehmensalltag sowie künstlich erhöhte Latenzzeiten vermieden.

Know-how und Erfahrung: Wie bei anderen technologischen Umstellungen, steht und fällt ein SD-WAN-Projekt mit dem Fachwissen und der Expertise des Personals. Fachpersonal mit dem nötigen Know-how und entsprechender Erfahrung ist allerdings schwer zu finden, weil SD-WAN-Technologie noch so neu ist. Deswegen ist es wichtig, Mitarbeiter in diesem Gebiet gut zu schulen und Fortbildungen zu ermöglichen.

Fazit

Hat sich das Software-Defined Datacenter längst durchgesetzt, steht die Marktdurchdringung bei SD-WAN noch am Anfang. Doch die Vorteile, wie die dynamische Anpassung des Netzwerks an den Bedarf, die große Flexibilität, der hohe Automatisierungsgrad mit umfangreichen Analyse-Optionen, die Möglichkeit einer schnellen sowie sicheren Segmentierung und Isolierung bestimmter Unternehmensbereiche einhergehend mit geringeren Kosten im Vergleich zu herkömmlichen VPNs – bei gleicher oder sogar besserer Sicherheit –, überzeugen immer mehr Unternehmen, ihr Netzwerk auf SD-WAN umzustellen.

Uwe Becker.
Uwe Becker. (Bild: Orange Business Services)

Cloud- und Edge-Computing gehen mit dieser Entwicklung einher. Für hybride Cloud-Umgebungen und die digitale Transformation an sich sind herkömmliche Netze sogar ein Hindernis – vor allem wegen der fehlenden Performance. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Blick auf die Ergebnisse einer Umfrage zeigt: Während Unternehmen global aktuell im einstelligen Prozentbereich Bereich SD-WAN einsetzen, wollen 52 Prozent der befragten IT-Entscheider ihr Unternehmen in den nächsten zwei Jahren darauf umstellen. SD-WANs sind also zukunftsträchtig und notwendig.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Entwicklung hier in zwei Jahren tatsächlich aussehen wird. Von Wachstum ist auf jeden Fall auszugehen.

Über den Autor

Uwe Becker ist Head of Global Services Germany bei Orange Business Services.

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