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Telekom steigert Tempo, Vodafone top bei OTT-Sprachqualität Opensignal misst mobiles Gamingerlebnis

| Autor / Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Das tatsächliche Nutzererlebnis deutscher Mobilfunkkunden will Opensignal mit dem jetzt veröffentlichten Experience Report darstellen. Der liefert einerseits überraschende Ergebnisse, lässt an anderer Stelle aber zu wünschen übrig.

Verglichen mit den vorherigen Erhebungen hat die Downloadrate deutlich zugenommen.
Verglichen mit den vorherigen Erhebungen hat die Downloadrate deutlich zugenommen.
(Bild: OpenSignal)

Mit der Bandbreite allein lässt sich die tatsächliche Qualität von Mobilfunkdiensten nicht abschätzen. Darum lässt das Analytics-Unternehmen Opensignal zunehmend Erlebnismetriken in seine Berichte einfließen: Im Vorjahr kam die Kategorie Sprache hinzu, seit 2020 wird nun auch das Gamingerlebnis bewertet.

Sprachqualitätserlebnis gibt Rätsel auf

Dieser Ansatz führt zu teils überraschenden Ergebnissen. Der aktuellen Erhebung zufolge gewinnt beispielsweise Vodafone beim „Sprachqualitätserlebnis in Apps“. Das ist insbesondere darum bemerkenswert, weil die Deutsche Telekom beim Gaming-Erlebnis gleichauf mit Vodafone liegt und bei zahlreichen weiteren Punkten sogar besser abschneidet; hierzu zählen: Video-Erlebnis, Download- und UploadGeschwindigkeit sowie 4G-Verfügbarkeit und -Abdeckung.

Auch auf Nachfrage konnte der Anbieter die vermeintliche Diskrepanz nicht abschließend erklären. Sicher sei: Auf Messungenauigkeiten lasse sich das Ergebnis nicht zurückführen. Die per 4G in OTT-Apps (over the top) erreichten Sprachqualitäten bei Telekom (81,3 von 100) und Vodafone (81,7 von 100) liegen zwar recht nahe beisammen, unterscheiden sich jedoch signifikant. Das stellt die Methodik des Anbieters mit Konfidenzintervallen sicher.

Inwieweit die Infrastrukturen der Anbieter und Techniken wie Traffic Shaping das Ergebnis beeinflussen, lasse sich nicht nachvollziehen. Opensignal testet Ende zu Ende – in diesem Fall also die Güte der kompletten Verbindung von einem tatsächlich genutztem Smartphone über Zugangs- und Kernnetze bis zu einem realen Messengerdienst, wie Facebook Messenger, Skype oder Whatsapp.

Möglicherweise, so die Vermutung von Opensignal, ließe sich das Ergebnis auf die Performance verschiedener Übertragungsprotokolle zurückführen. Während Videodaten etwa bevorzugt per TCP übermittelt würden, käme bei Sprach-Apps eher UDP zum Einsatz. Relativierend ist hierbei jedoch zu erwähnen, dass es bei der Sprachqualität in beinahe allen Städten zu einem Gleichstand zwischen zwei oder drei Anbietern gekommen sei.

Nichtdestotrotz bleibt festzuhalten: Mit Werten über 80 liegt das Sprachqualitätserlebnis über alle Anbieter hinweg gerade noch im guten Bereich. Das gilt auch für O2. In 3G-Netzen erreichen alle Anbieter akzeptable Ergebnisse. Hier hinkt die Telekom mit einem Wert von 76,3 jedoch den Wettbewerbern O2 (77,3) und Vodafone (78,1) hinterher.

Telekom führt bei 4G-Verfügbarkeit und Bandbreite

Die Kategorie 4G-Verfügbarkeit kann die Telekom dagegen für sich entscheiden. Nutzer des Netzes konnten während 90,3 Prozent der Zeit LTE nutzen. Bei Vodafone betrug der Anteil 88,3 Prozent, bei O2 80,6. Wenig überraschend hat Opensignal die gleiche Rangfolge auch bei der 4G-Netzabdeckung ermittelt.

Einen deutlichen Vorsprung erzielt die Telekom bei den per Mobilfunk erreichten Durchsatzraten. Im Vergleich zu den vorherigen Tests habe der Anbieter bei den Downloads um 5,6 Mbit/s zugelegt; auch O2 und Vodafone konnten sich steigern, liegen mit 23,6 Mbit/s und 26,2 Mbit/s aber noch deutlich hinter den 38,6 Mbit/s der Telekom. Bei den Uploads siegt ebenfalls die Telekom mit 13,1 Mbit/s; Vodafone (7,9 Mbit/s) und O2 (8,6 Mbit/s) tauschen jedoch die Ränge.

Anmerkungen zur Methode

Die jetzt von Opensignal vorgelegten Zahlen wurden zwischen 1. Januar und 30. März 2020 ermittelt. Hierbei setzt der Anbieter auf eine App, die Endnutzer auf ihren Endgeräten nutzen. Mit 809.175 Devices wurden dabei knapp 2,8 Milliarden Messungen durchgeführt.

Wenn der Anbieter mit unabhängigen Auswertungen und hohen statistischen Maßstäben wirbt, bergen die realitätsnahen Test auch einige Einschränkungen. So berücksichtigt der Anbieter beispielsweise nicht die Raffinessen bestimmter Mobilfunktarife, wenn diese einerseits 4G beinhalten, Geschwindigkeiten andererseits jedoch drosseln. Preissensible Kunden, die bewusst geringe Durchsätze buchen, könnten das Ergebnis somit beispielsweise verfälschen.

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