Die Folgen geplatzter Verhandlungen für die IT Ohne Brexit-Deal droht das Datenchaos

Autor / Redakteur: Sarah Gandorfer / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Verhandlungen über das Privacy-Shield-Abkommen mit den USA haben gezeigt, wie schwierig eine Vereinbarung zum Datenschutz sein kann. Nun heißt es für die EU einen ähnlichen Deal mit Großbritannien abzuschließen. Gelingt dies nicht, kann es zum Datenchaos kommen.

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Bei einem sogenannten No-Deal-Brexit könnte es zum Datenchaos kommen.
Bei einem sogenannten No-Deal-Brexit könnte es zum Datenchaos kommen.
(Bild: fotogestoeber - stock.adobe.com)

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wurde bereits Ende Januar vollzogen. In einer Übergangsphase sollen bis zum 31. Dezember 2020 die langfristigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ausgehandelt werden. Hier rückt die Deadline immer näher und eine Einigung ist noch nicht in Sicht. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Personen- und Warenverkehr, sondern ebenfalls auf Daten.

Sollte Großbritannien ohne Abkommen austreten, müssen deutsche Unternehmen mit britischen Geschäftspartnern, Kunden, Rechenzentren und IT-Dienstleistern umgehen, wie mit einem Drittstaat. Der Datenverkehr zwischen EU-Staaten und Großbritannien würde also erschwert.

„Großbritannien wird Binnenmarkt und Zollunion endgültig verlassen. Gibt es keinen Deal, droht ein Datenchaos. Der freie Datenverkehr zwischen Deutschland beziehungsweise der EU und den Britischen Inseln wäre unterbrochen. Das Vereinigte Königreich gehört zu den wichtigsten Standorten für die Verarbeitung von Daten, etwa in den Bereichen Logistik, Kundenbeziehungen und Mobilität. Das ist historisch gewachsen. Nahezu jedes Großunternehmen, aber auch Mittelständler und Startups in Deutschland und Europa tauschen Daten mit Standorten auf der Insel aus. Diese Verbindungen können nicht von heute auf morgen gekappt werden“, warnt Bitkom-Präsident Achim Berg:

Datenschutzniveau prüfen

Neben den Verhandlungen über das Handelsabkommen, das bis zum Monatsende geschlossen und ratifiziert werden müsste, ist die EU-Kommission gefordert, eine so genannte Adäquanzentscheidung zu treffen, um den Datenverkehr aufrechtzuerhalten. Diese beinhaltet, das Datenschutzniveau im UK zu prüfen und die Vereinbarkeit mit dem europäischen Datenschutzrecht zu bestätigen. Dies würde einen freien Datenfluss ohne Rechtsunsicherheit gewährleisten. Schon die schwierigen Verhandlungen um das Privacy-Shield-Abkommen mit den USA haben einen Eindruck gegeben, wie schwer eine solche Vereinbarung zu erzielen ist.

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 Sarah Gandorfer

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Redakteurin bei IT-BUSINESS