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Technologie-Pionier Rosenberger OSI bleibt am Ball MTP/MPO Verkabelungssysteme sind Klassiker mit Zukunft

| Autor / Redakteur: Petra Adamik / Ulrike Ostler

Glasfaser-Verkabelungen sind aus der IT-Welt nicht mehr wegzudenken. Mit dem Auftrag zur Entwicklung der „MTP“-Technologie, stieß IBM in den 1990er Jahren im Bereich der Steckverbindungen eine besondere Entwicklungsgeschichte an. MTP-Stecksysteme (Multifiber Termination Push-On) haben die Abläufe in Rechenzentren optimiert. Verkabelungs-Pionier Rosenberger OSI schreibt diese Erfolgsgeschichte fort.

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Rosenberger OSI hat die MTP/MPO-Technik für 400GBASE-SR8 weiterentwickelt. Basis für das System „Preconnect Sedecim“, das in diesem Jahr auf den Markt kommt, ist der 16-Fasern MTP/MPO-Stecker.
Rosenberger OSI hat die MTP/MPO-Technik für 400GBASE-SR8 weiterentwickelt. Basis für das System „Preconnect Sedecim“, das in diesem Jahr auf den Markt kommt, ist der 16-Fasern MTP/MPO-Stecker.
(Bild: Rosenberger OSI)

Erfolgreiche Produkte und Lösungen haben manchmal viele vorgebliche Urheber, die die Vaterschaft für sich reklamieren. Gerade im Umfeld der IT gibt es mehrere Legenden über die Herkunft von bahnbrechenden Entwicklungen. Nicht alle sind wahrheitsgetreu.

So rühmen sich Hersteller beispielsweise gern einer Innovation, die beim genauen Hinsehen gar nicht aus deren Entwicklungslaboren kommt, sondern bereits lange davor in einer anderen Ideenschmiede entstand. Solche Legenden halten sich oft sehr lang. Für die wirklichen Urheber ein Ärgernis.

Ein Blick in die Vergangenheit schafft Klarheit

Wer sich die rasante Entwicklung im Bereich der LWL-Datenverkabelung (LWL = Lichtwellenleiter)veranschaulichen will, kommt um einen Blick in die Vergangenheit nicht herum. Nur so wird deutlich, welche Fortschritte den Entwicklern und Herstellern innerhalb weniger Jahre gelungen sind.

Aufgrund innovativer Entwicklungsarbeiten optimieren modernste Kabel sowie die dazugehörenden Komponenten heute die Infrastrukturen von Unternehmen weltweit. Sie sorgen für eine hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und nicht zuletzt für einen durchgängigen Datenfluss. Damit spielen zeitgemäße Verkabelungsstrukturen eine entscheidende Rolle für die Geschäftsprozesse von Organisationen und somit auch für deren wirtschaftliche Stabilität.

Ist von der Entwicklung im Umfeld der Glasfaserverkabelung die Rede, lohnt ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der MTP/MPO Modul-Kassette. Sie war und ist eine feste Größe bei der Glasfaserverkabelung von Rechenzentren.

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Ihre Ursprünge reichen bis in die Anfänge der 1990iger Jahre zurück. Auf Initiative von IBM begann seinerzeit die Firma US Conec damit, ein Push-Pull Stecksystem rund um die 12-Fasern MT-Ferrule herum zu entwickeln, die bereits seit zehn Jahren auf dem Markt war. Dieses Mehrfaser-Stecksystem wurde unter dem US Conec Brand MTP in den Markt eingeführt.

1995 starteten dann die MTP-Pioniere Siecor (Siemens Corning Joint Venture) und OSI (heute Rosenberger OSI) die Entwicklung des ersten, IBM FTS genannten, MTP-Verkabelungssystems für Rechenzentren. Unterstützt wurden sie dabei durch US Conec. Dieses IBM FTS wurde 1997 in den Markt eingeführt und basierte auf werkskonfektionierten Trunk-Kabeln mit bis zu 144 Fasern, die mit der entsprechenden Anzahl 12-Fasern MTP-Steckern auf beiden Seiten ausgestattet waren.

Ein MTP-Pionier erinnert sich

Damit die zwölf Fasern der MTP-Stecker auf sechs einzelnen „Escon“-Duplexkanäle (Escon = Enterprise System Connection, IBM) ausgeführt werden konnten (heute Port-Breakout genannt), entwickelten Siecor und OSI die ersten MTP-Modul-Kassetten und Harnesse. „Das MTP-Verkabelungssystem 'IBM FTS' war nicht nur das erste seiner Art, sondern auch seiner Zeit weit voraus“, erinnert sich MTP-Pionier Harald Jungbäck, heute Produkt Manager für Datacenter-Verkabelungssysteme bei Rosenberger OSI.

Harald Jungbäck, Produktmanager für Datacenter-Verkabelungssysteme bei Rosenberger OSI, gehört zu den MTP-Pionieren.
Harald Jungbäck, Produktmanager für Datacenter-Verkabelungssysteme bei Rosenberger OSI, gehört zu den MTP-Pionieren.
(Bild: Rosenbereger OSI)

Er war von Anfang an in die Entwicklung dieses ersten MTP-Verkabelungsystems involviert und hat die verschiedenen Entwicklungsstufen dieser bahnbrechenden Verkabelungstechnik bis heute begleitet. Er bringt die Vorteile der Lösung auf den Punkt: „Damit konnten die 17 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) des Escom-Protokolls bis zu 2 Kilometer über eine Multimodefaser mit 62,5 Mikrometer (µm) Kerndurchmesser übertragen werden. Die Multimode-MTP-Verbindungen hatten damals noch bis maximal 1,2 Dezibel (dB) Einfügedämpfung, sind aber seit vielen Jahren durch die Entwicklung der „Elite“-Ferrule-Qualität von US Conec auf maximal 0,35 dB reduziert worden.“

Qualität ist nicht verhandelbar

Die Vorteile, die sich für Betreiber von Rechenzentren aus der neuen Technologie ergaben, waren in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nahezu revolutionär. Der Einsatz des Steckers ermöglichte noch nie dagewesene kurze „plug-and-play“ Installationszeiten bei der Rechenzentrumsverkabelung. Das reduzierte die Projektzeiten erheblich und stellte innerhalb kürzester Zeit die Verfügbarkeit der Infrastruktur sicher. Analog dazu wurde die Flexibilität bei Moves, Adds and Changes (MAC) auf das mögliche Maximum gesteigert.

Von dieser technischen Innovation profitierten auch Wartungsarbeiten oder Reparaturen. Der Austausch von MTP-Modul-Kassetten oder Harnessen oder der Wechsel des Patch-Stecksystems auf der Front waren plötzlich fast ein Kinderspiel, gingen einfach, schnell und kostengünstig über die Bühne. Mehr als zwei Jahrzehnte waren zum Beispiel der Wechsel von Escon auf SC-Duplex, oder von SC-Duplex auf LC-Duplex, kurz auch der MT-RJ als Patch-Stecksystem fast eine Art Standard. „Für uns und unsere Kooperationspartner galt und gilt bis heute: Qualität ist nicht verhandelbar“, so MTP-Pionier Jungbäck.

Rosenberger OSI gehört zu den Pionieren der MTP/MPO-Technik. Mit dem jüngsten Produkt „Preconnect Sedecim“ adressiert das Unternehmen Rechenzentren, die azf 400GBASE-SR8 setzen.
Rosenberger OSI gehört zu den Pionieren der MTP/MPO-Technik. Mit dem jüngsten Produkt „Preconnect Sedecim“ adressiert das Unternehmen Rechenzentren, die azf 400GBASE-SR8 setzen.
(Bild: Rosenberger OSI)

Diese Art von LWL-Verkabelungssystem etablierte sich schnell und sehr erfolgreich im Markt. Der Bedarf war groß. Aufgrund seiner hohen Marktakzeptanz wurde der MTP im Jahr 2000 in der IEC 61754-7 als MPO normiert. Die Vorteile, die mit dem Einsatz von MTP/MPOeinhergingen, blieben auch anderen Anbietern nicht verborgen. Um die Jahrtausendwende herum begannen dann auch Marktbegleiter von Siecor und OSI damit, ebenfalls MTP/MPO-Verkabelungssysteme zu entwickeln.

Die Zukunft im Blick

Rosenberger OSI ist nicht nur ein Pionier der MTP/MPO-Technik, sondern hat diese auch konsequent weiterentwickelt und dem aktuellen Bedarf angepasst. Analysten sehen 400GBASE-SR8 als eine stark wachsende Anwendung in Rechenzentren.

Explizit für diese Anwendung bringt Rosenberger OSI 2020 „Preconnect Sedecim“ auf den Markt. Basis für dieses System ist der 16-Fasern MTP/MPO-Stecker. Als 16-Fasern multimode OM4 Variante, mit einem MTP/MPO 16 Port auf der Rückseite sowie acht LC-Duplex Ports auf ihrer Vorderseite, ist die MTP/MPO-Modulkassette inzwischen auch fit für den Port-Breakout von mit MTP/MPO 16 werkskonfektionierten Preconnect-Sedecim- Trunk-Kabeln.

Petra Adamik, freie Autorin aus München, schreibt über IT-Themen.
Petra Adamik, freie Autorin aus München, schreibt über IT-Themen.
(Bild: Petra Adamik)

Im Bereich der MTP/MPO-Verkabelungssysteme sieht Harald Jungbäck Rosenberger OSI sehr gut aufgestellt. Mit den Preconnect-Produktlinien „Duodecim“, „Octo“ und Sedecim bieten die Augsburger ein breites Portfolio, das den Bedarf über die gesamte Evolution von MTP/MPO-Verkabelungssystemen für zahlreiche Anwendungsfälle abdecken kann.

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 Petra Adamik

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Freie Journalistin