Mehr Agilität und Qualität fürs Netzwerk

Mit SD-WAN in die digitale Zukunft

| Autor / Redakteur: Felix Massoth / Andreas Donner

Als Hauptargument für den Einsatz von SD-WAN wird häufig eine Kostenreduktion genannt – doch das ist nicht der wahre Grund.
Als Hauptargument für den Einsatz von SD-WAN wird häufig eine Kostenreduktion genannt – doch das ist nicht der wahre Grund. (Bild: © Maksim Pasko - stock.adobe.com)

Welche Rolle spielen Netzwerke in Bezug auf die Anforderungen der digitalen Transformation, wo stehen Unternehmen heute und welche Lösungsansätze gibt es? Wie ist mittlerweile der Status bei der Nutzung von SD-WAN?

Erste Antworten auf diese Fragen gibt die von NTT Communications gesponserte und von IDC unabhängig erhobene Benchmarkstudie „Next Generation WAN Advisor“. Die Studie versteht sich als Ratgeber für das WAN der nächsten Generation und speist sich als Selbsteinschätzungs-Tool aus den Antworten von rund 300 Netzwerkexperten und Entscheidungsträgern sowie der umfangreichen Marktkenntnis der Analysten von IDC.

Ziel der unabhängigen Benutzerumfrage war es, herauszufinden, wie weit die Weitverkehrsnetze von Unternehmen bei der digitalen Transformation sind. Dabei hat IDC drei Stufen von WAN-Reifegraden in Hinblick auf Infrastruktur, internes Know-how und Betriebsabläufe definiert. WAN-Leader haben dabei den fortschrittlichsten Reifegrad.

Einer weiteren Studie von IDC aus dem Jahr 2017 zufolge betrachten 89 Prozent der europäischen CEOs die digitale Transformation als wichtigste Priorität. Welche Rolle dabei das WAN spielt, ist dagegen weit weniger anerkannt. Doch um Technologien wie Cloud, künstliche Intelligenz und IoT erfolgreich zu implementieren, bedarf es eines leistungsstarken und sicheren Netzwerks. Gleichzeitig treibt die Adoption dieser digitalen Technologien die Anforderungen an das Netzwerk in immer neue Höhen. Dabei entwickeln sich die Budgets allerdings i.d.R. nicht im Gleichschritt, was einem Balanceakt für Netzwerkmanager gleichkommt.

WAN-Ratgeber

IDCs WAN-Ratgeber ermittelte, dass regelmäßige Aufgaben wie das Aktualisieren von Richtlinien oder die Bereitstellung neuer Funktionen im Netzwerk für viele Unternehmen eine Herausforderung darstellen. Die meisten Organisationen sehen die Notwendigkeit für einen Wandel und nehmen mehr und mehr Änderungen in der Netzwerkarchitektur vor, um ihr WAN agiler, leistungsfähiger und kosteneffizienter zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel lokale Internet-Breakouts, die Privatleitungen zum Cloud-Provider, Bandwidth-on-Demand oder Aktiv-Aktiv-Architekturen.

Doch diese Maßnahmen alleine reichen i.d.R. nicht aus, um das WAN in die Ära der digitalen Transformation zu überführen. Unternehmen, die verstärkt auf das intern vorhandene Wissen und Automatisierung setzen, sind klar im Vorteil. Netzwerkintelligenz spielt eine Schlüsselrolle dabei, das Netzwerk zu optimieren und sicherzustellen, dass die Anwendungsanforderungen erfüllt werden.

Ergänzendes zum Thema
 
Der Wert von SD-WAN für das Netz

Intelligente Dienstleistungen wie Echtzeitüberwachung, Application-Performance-Management, Replay-Funktionalität und die WAN-Optimierung können die Sichtbarkeit für das Netzwerk und die Anwendungen fördern sowie die Leistung erheblich verbessern. Prädiktive Analyse und Automatisierung werden sich als kraftvolle Kombination für mehr Leistungsstärke erweisen.

SD-WAN: die richtige Reaktion auf neue Geschäftsanforderungen

Nach Erkenntnissen von Marktbeobachtern wie IDC und Gartner erfolgt nahezu das gesamte Netzwerk-Neugeschäft auf Basis von SD-WAN. Diese Technologie hat sich durchgesetzt. Vor 18 Monaten kamen die Anwendungsbeispiele noch aus kleineren Pilotprojekten im Einzelhandel, bei Finanzdienstleistern oder Autovermietern. Im Laufe des letzten Jahres ist SD-WAN zur Norm geworden, und alle Bereiche der Wirtschaft vom produzierenden Gewerbe bis zu Versicherungen setzen darauf. Einzige Ausnahme ist der öffentliche Sektor.

SD-WAN treibt die Netzwerkentwicklung voran.
SD-WAN treibt die Netzwerkentwicklung voran. (Bild: NTT Europe)

Ganz offensichtlich haben die Unternehmen erkannt, dass SD-WAN die richtige Antwort auf die veränderten Anforderungen ist. Die Technologie kombiniert hybride Konnektivität mit zentralisierter, softwarebasierter Intelligenz, die das Netzwerk überwacht, analysiert und steuert. Ein SD-WAN kann jede Anwendung über ein zugrundeliegendes Netzwerk betreiben, die Leistung verbessern, die Sichtbarkeit, Agilität und Flexibilität erhöhen sowie die Komplexität verringern. Und all dies bei mehr Kosteneffizienz. IDC hält SD-WAN daher für einen Schlüsseltreiber der WAN-Evolution.

Diese Sicht wird verstärkt von den Anwendern geteilt. In der WAN-Umfrage gaben 25 Prozent der Unternehmen an, dass sie bereits in unterschiedlichem Ausmaß SD-WAN implementiert haben; 57 Prozent sind gerade in der Pilotphase, bei der Recherche oder in der Planung.

Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass es bei SD-WAN nicht in erster Linie um Kostenreduzierung geht, sondern eher um eine Kombination von Faktoren, mit denen Unternehmen ihre Kosten im Vergleich zur Leistung optimieren können. Reduzierte Komplexität, Flexibilität und Traffic-Optimierung sind die wichtigsten Vorteile.

Die Hinderungsgründe für eine noch schnellere Implementierung sind unterschiedlich. Sicherheitsfragen, Unsicherheit bei der Interoperabilität und die fehlende Standardisierung sowie mangelhafte Marktreife sind im Wesentlichen die Gründe, weshalb sich WAN-Leader zurückhalten. Kosten und mangelnde Ressourcen bzw. Fähigkeiten sind die Hemmschuhe für andere Marktteilnehmer.

SD-WAN sollte der erste Schritt in Richtung eines echten Network-as-a-Service-Dienstes (NaaS) sein. Dieser nutzt SD-WAN und ein breites Spektrum an Netzwerkfunktionen wie Firewalls, WLAN oder Netzwerk-Management als virtuelle Dienste auf gängiger Hardware über ein bedarfsorientiertes Abrechnungsmodell. Abhängig von der Systemarchitektur kann ein SD-WAN-Gerät eine Reihe von virtualisierten Netzwerkdiensten übernehmen. Andererseits könnte das SD-WAN selbst als eine von mehreren virtuellen Funktionen auf einem universellen Teilnehmer-Endgerät (uCPE, universal Customer Premises Equipment) implementiert werden. In Kombination mit virtuellen Netzwerkdiensten lassen sich die mit der Virtualisierung assoziierten Vorteile wie verbesserte Sicherheit, schnellere Bereitstellung und einfachere Aktualisierungen weiter maximieren.

Schlüsselbaustein SD-WAN

„Bei IDC sehen wir SD-WAN als einen der Schlüsselbausteine für ein zukunftsfähiges Netzwerk. Das heißt nicht, dass der Weg dorthin einfach ist. Es gibt keine Blaupause, die für jede Organisation passt. Wir empfehlen daher, heute damit zu starten, die Vorteile der Technologie für das Unternehmen zu entdecken und herauszufinden, wie SD-WAN das WAN zu einem Treiber der digitalen Transformation weiterentwickeln kann“, erklärt Jan Hein Bakkers, Senior Research Manager bei IDC.

„Wir sehen bei NTT Communications neben der IT und Cloud Transformation, Agilität und Kosteneffizienz noch die User Experience als einen weiteren wesentlichen Treiber und somit Bestandteil im SD-WAN-Fragenkatalog vieler Unternehmen. Daher ist das Verständnis der betriebenen oder geplanten Applikationen in der Cloud wichtig. Wir empfehlen daher in SD-WAN-Readiness-Workshops zu investieren und dabei die Bereichsleiter für Infrastrukturen, Cloud, Applikation und Sicherheit zu involvieren“ sagt Jens Leuchters, SVP Network Services bei NTT Europe.

Fazit

Als Haupttreiber für den Einsatz von SD-WAN werden Kosten und Agilität wahrgenommen, wobei gerade der Kostenfaktor hier schnell zu Unzufriedenheit bei Anwendern führen kann, da die von manchen Anbietern angepriesenen Kosteneinsparungen von zehn Prozent in der Regel nicht erreicht werden. Agilität hingegen und die Qualität der Netzverbindungen sind viel gewichtigere Triebkräfte.

Felix Massoth.
Felix Massoth. (Bild: NTT Europe)

So kann der Netzwerkadministrator viel schneller neue Standorte in Betrieb nehmen, z.B. indem die gesamte örtlich verfügbare Konnektivität „angezapft“ wird. In einem Einkaufszentrum lassen sich bestehende WLAN-Kapazitäten für temporäre Netzwerkverbindungen nutzen. Flexibilität und Schnelligkeit bei der Anwendungsbereitstellung, insbesondere im Cloud-Umfeld, sind wichtige Treiber ebenso wie der dezentrale Internet-Übergang (Internet-Breakout).

Über den Autor

Felix Massoth ist Product and QA Manager bei NTT Europe Ltd. In Deutschland.

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