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Produkte, Partner und Party auf der NXTWORK 2018 Juniper will Multicloud vereinfachen

| Autor / Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Auf der Hausmesse NXTWORK 2018 brachte sich Juniper Networks als Partner für die Ära der Multicloud in Stellung – und konnte es während der gesamten Konferenz nicht lassen, immer wieder in Richtung Cisco zu stänkern.

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Mitreißendes Vortragsprogramm: Mit Sir Tim Berners-Lee holte Juniper den Erfinder des World Wide Web auf die Bühne.
Mitreißendes Vortragsprogramm: Mit Sir Tim Berners-Lee holte Juniper den Erfinder des World Wide Web auf die Bühne.
(Bild: Srocke)

Vom 27. bis 29. November lud Juniper Networks (Juniper) über 400 Partner, Interessenten und Kunden zur NXTWORK 2018 nach London. Und wenn sich den Teilnehmern dabei nur zwei Begriffe ins Gedächtnis einbrennen sollten, dann waren es „Multicloud“ und „simplicity“ – den letztgenannten Terminus für „Einfachheit“ wählte der Anbieter übrigens auch als Passwort für sein WLAN vor Ort.

CEO Rami Rahim machte bereits während seiner Keynote klar, wie und wo sich Juniper mittlerweile verortet. Bediente das Unternehmen in seiner Anfangsphase mit dem M40 Router noch die Herausforderungen der „Scale-up“-Ära und eines rasant wachsenden Internets, wolle man Kunden nun 20 Jahre später mit einfach zu bedienenden Produkten von der Komplexität aktueller Multicloud-Architekturen befreien.

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Dieser Ansatz sei übrigens kein freiwilliger Luxus, sondern überlebensnotwendig. Das stellte CTO Bikash Koley im Anschluss klar und rechnete vor, wie regelmäßig einzelne Systeme oder Komponenten in umfassenden Infrastrukturen ausfallen: Bei einer MTBF von 30 Jahren streike bei einer Installation von 1.000 Switches bereits pro Woche ein System. Derlei Ausfälle ließen zwar nicht verhindern, jedoch abmildern. Um Service Level Agreements auch mit begrenzten Teams einzuhalten, führe dabei kein Weg an Softwarelösungen vorbei – erst solche könnten Infrastrukturen absichern.

Netzwerk und Sicherheit vereint

Und genau hier setzt Junipers aktuelle Strategie an, die verteilte Clouds, Nutzer und Devices sicher verbinden soll. Zum einen will der Anbieter hierfür Workloads weitgehend automatisieren, ganz gleich auf welcher Cloudplattform sie laufen. Zugleich verstehe man Sicherheit nicht als im Nachhinein aufgepflanzte Funktionalität, sondern fest verknüpften Bestandteil von Routern, Switches und SDN-Controllern. Die Architektur umfasse dabei eine gemeinsame Softwareplattform, abstrahierte APIs und Datenmodelle, eine Programmierbarkeit aller Layer sowie Disaggregation.

Ganz allein agiert Juniper dabei nicht, sondern setzt nach eigenem Bekunden auf ein wachsendes Multicloud-Ökosystem für Enterprises. Mit dem in London durch VP Product Management Raja Mukhopadhyay vertretenen Anbieter Nutanix realisiere man etwa eine Fabric Automation mit Contrail Enterprise Multicloud und QFX Switches. Gemeinsam ermögliche man überdies eine Unified Cybersecurity sowie Microsegmentierung mit vSRX und Nutanix Flow.

Angepasste Pakete für Enterprise und Provider

Das eigene Portfolio hat Juniper in den vergangenen Monaten stetig ausgebaut und kombiniert die einzelnen Komponenten in Paketen, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind. So steckt etwa hinter der Contrail Enterprise Multicloud ein Angebot für große Unternehmen, die nach einer Multicloud-fähigen Lösung mit Intent-basierter Methodologie suchen. Als einheitliche Plattform solle das Produkt beliebige Clouds, Workloads und Deployments durchgängig steuern sowie überwachen. Juniper selbst spricht dabei von einer „offenen Alternative“ zu Ciscos Application Centric Infrastructure (ACI) respektive VMware NSX.

Telkos bedient Juniper derweil mit Contrail Cloud – einem Produkt, das Networking mit einer OpenStack-Distribution des Partners Red Hat sowie dem Application Management per AppFormix verbindet. Die Contrail Edge Cloud könne schließlich virtualisierte Ressourcen näher an den Netzwerkrand verlagern. Während sich Juniper hier bei der Hardware auf Edge- und Core-Routing sowie Services Gateways konzentriert, steuert der Partner Ericsson beispielsweise Microwave-Links für 5G sowie Backhaul-Router und Fronthaul-Systeme bei.

Komplette SD-Lösung für Enterprise-Campus

Beim aktuellen Portfolio wird es Juniper dabei nicht belassen. So kündigte Chief Product Officer Manoj Leelanivas in London bereits eine komplette, integrierte und Cloud-verwaltete Lösung für den Campus an. Im zweiten Quartal 2019 werde man Enterprises dann mit SD-LAN, SD-Security, SD-WAN, SD-WiFi und SD-Access versorgen. Bereits im Oktober 2018 hatte Juniper verkündet, Vodafone als SD-WAN-Anbieter beim Aufbau eines an den Enterprise-Sektor gerichteten SDN-Portfolios zu unterstützen.

Die fünf Stufen zum „Self-Driving Network“

Das künftige Endziel einer sicheren und automatisierten Multicloud mit einem „Self-Driving Network“ versteht Juniper als fünfstufigen Prozess, an dessen Anfang Legacy-Systeme und Perimeter-Security stehen („human-driven“). Als weitere Entwicklungsstufen folgen vereinfachte Fabrics (2: „workflow-driven“) sowie Multi-Domain Rechenzentren, die bereits SDN-Overlays nutzen (3: „event-driven“). Schritt vier beschreibt eine Dynamische Cloud mit VNF Service Chains (VNF = Virtual Network Functions) und Microsegmentation („machine-driven“). Aktuell dürften die meisten Unternehmen sich noch nicht über Schritt drei dieser Vision hinaus bewegt haben, so eine Einschätzung vor Ort.

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WWW-Erfinder denkt weiter

Visionäres gab es übrigens aus den Mündern der von Juniper geladenen Gastredner zu hören. So erinnerte sich Tim Berners-Lee auf der Bühne nicht nur daran, wie er am CERN dem World Wide Web Leben einhauchte. Überdies skizzierte der Hypertext-Experte sein aktuelles Projekt Solid, welches das Web erneut umkrempeln sowie Daten von Applikationen trennen soll.

Mick Ebeling stellte derweil verschiedene philanthropische Projekte der von ihm ins Leben gerufenen Not Impossible Labs vor – einer Einrichtung, die zunächst unmöglich erscheinende, technische Herausforderungen löst und damit das Leben von Menschen ganz konkret verbessert. Zu den geschilderten Projekten zählen selbstentworfene Handprothesen aus dem 3D-Drucker, erschwingliche Reha-Apparate oder Wearables, die Musik für taube Menschen erlebbar machen und womöglich auch noch die Folgen von Parkinson mildern.

Nachwuchs solle Cisco fernbleiben

Während der gesamten Veranstaltung konnten Besucher der NXTWORK 2018 schließlich auch dem Spanish Demo Team der World Robot Olympiad (WRO) über die Schulter schauen. Die drei Jugendlichen vertraten den weltweiten Wettbewerb für Nachwuchsroboterbauer vor Ort mit einem eigenen Lego-Modell, dessen Programmierung sie immer wieder optimierten. Bei einem kurzen Bühnenauftritt des Teams konnte sich Junipers Senior Vice President and General Manager EMEA einen weiteren Seitenhieb auf die Mitbewerber nicht verkneifen. Wenn die drei Spanier künftig einmal ein Job-Angebot von Cisco bekämen, so sollten sie lieber noch einmal mit Juniper Rücksprache halten.

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