So gelingt die Modernisierung der TK im Öffentlichen Dienst

ISDN geht, IP kommt

| Autor / Redakteur: Dr. Martin Krebs / Susanne Ehneß

IP kommt. Spätestens Ende 2018
IP kommt. Spätestens Ende 2018 (Bild: Matthias Buehner_Fotolia.com)

Bis Ende 2018 telefoniert Deutschland über IP, so der Plan der Deutschen Telekom. Weit mehr als 10.000 Behörden und Einrichtungen in Bund, Ländern, Landkreisen und Gemeinden und etwa vier Millionen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst sind davon betroffen.

Ende 2018 werden die ISDN- und Analog-Anschlüsse der Deutschen Telekom endgültig abgeschaltet. Die Abschaltung betrifft Privatkunden, Geschäftskunden und öffentliche Träger gleichermaßen. Über das generelle Vorgehen hat die Deutsche Telekom die kommunalen Spitzenverbände bereits informiert und bietet Infoveranstaltungen an. Kleinere Kommunen werden via eMail informiert.

Die erste Reaktion lautet bei nicht Wenigen: „Was nun?“. Schließlich gehören Telefonie und Internet in Behörden zu den geschäftskritischen Infrastrukturen. Fallen sie aus, steht der Parteienverkehr still. Doch Panik ist nicht angebracht, der Übergang ist deutlich leichter als die Datumsumstellung im Jahr 1999, in dem die großen Systemhäuser sogar Helikopter für Noteinsätze gechartert hatten.

Auch wenn die All-IP-Umstellung das größte Projekt in der Unternehmensgeschichte der Telekom ist: Für Kunden, die sich rechtzeitig damit beschäftigen, ist sie eine viel leichtere Übung und kommt gänzlich ohne Hubschrauber aus.

Flächendeckende Modernisierung bis 2018

Bis 2019 migrieren die Deutsche Telekom und die meisten TK-Provider alle Dienste auf eine IP-basierte Netzplattform – darunter auch die Telefonie. Nur vereinzelt beabsichtigen Provider, ISDN in einer Übergangsphase noch länger zur Verfügung stellen.

Klassische Telefongespräche werden dann als Internet-Datenpakete übertragen. Das kennt man unter dem Schlagwort „Voice over IP“ schon länger, doch in gut eineinhalb Jahren werden auch das analoge Festnetz und das digitale Telefonnetz ISDN komplett von IP-Telefonie abgelöst.

Von der Migration sind mehr als 20 Millionen Telekom-Anschlüsse betroffen. Das ist viel. Deshalb verläuft die Umstellung in mehreren Phasen. Den Anfang machen Anwender mit einer Kombination aus einem Telefon- und einem VDSL-Anschluss, da die Telekom parallel zur IP-Umstellung auch an der Erneuerung des seit 2006 aufgebauten VDSL-Netzes arbeitet. Wo heute DSL zur Verfügung steht, werden dank VDSL-Vectoring Datenraten von bis zu 100 MBit/s möglich. Ab 2017 werden dann die Anschlüsse der verbleibenden DSL-Kunden umgestellt.

Kommunen sollten sich rechtzeitig auf die Umstellung ihrer TK vorbereiten, auch weil sie spezielle Sorgfaltspflichten und Haushaltsvorschriften zu beachten haben. Eine neue TK-Anlage muss nicht nur ihre aktuellen Anforderungen erfüllen, sondern auch langfristigen Zielen Rechnung tragen. Jede Gemeindeverwaltung muss ihre Ansprüche in puncto Funktionen, Bedienbarkeit sowie Kosten definieren.

Die Praxis: drei Modelle für die All-IP-Migration

Im Zuge der Umstellung stellt sich die Frage, ob die Telefonanlage ersetzt werden muss oder ob es auch einfachere Mittel auf dem Weg zu All-IP gibt. Wer sich für eine neue TK-Anlage entscheidet, findet die passende Lösung für jede Größenordnung. Die Unterschiede liegen vor allem in den Anschaffungs- und Betriebskosten und darin, ob die Anlage lokal installiert oder extern gehostet wird.

1. Die lokale IP-TK-Anlage

Der Umstieg auf eine fest installierte IP-TK-Anlage (IP-PBX) ist aufgrund der hohen Kosten für die neue Anlage und Telefone sowie für die Installation und Einrichtung mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden.

Oftmals laufen zudem für die bestehende, nicht IP-fähige Anlage noch Wartungsverträge, die erfüllt werden müssen. Zudem müssen Behörden damit rechnen, dass ihre Telefonie werktags im laufenden Betrieb umgestellt wird: Die neue IP-Telefonanlage wird installiert, während die alte Anlage noch in Betrieb ist. Wird die Migration nicht fachmännisch begleitet, können Kontakte und Telefonnummern verloren gehen.

Neben den Installationskosten für die neue TK-Anlage sind auch die Betriebskosten ins Kalkül zu ziehen. Für Wartung und Pflege muss gegebenenfalls erst Know-how aufgebaut oder eingekauft werden. Im Falle von Problemen ist schon mal ein Techniker vor Ort gefragt.

Bei der Auswahl sollten Kommunen auch darauf achten, ob weitere Anschlüsse für neue Mitarbeiter oder Geräte problemlos und ohne große Zusatzkosten eingebunden werden können. Offene Standards verhindern bei einer lokalen IP-PBX normalerweise Kompatibilitätsprobleme mit den Geräten anderer Hersteller.

2. Die TK-Anlage aus der Wolke

Die Alternative zur lokalen TK-Anlage ist der Wechsel zu einer virtuellen Telefonanlage aus der Cloud. Die Cloud-PBX wird prinzipiell von einem All-IP-Anschluss unterstützt. Zwar müssen auch hier neue Telefone angeschafft und gegebenenfalls das interne ISDN-Netz IP-fähig gemacht werden. Neben den Ausgaben für die Telefonapparate fallen aber keine Hardware-Investitionen, etwa für Kommunikationsserver, an.

Der Vorteil: Wartung, Pflege und Support der Anlage erfolgen beim Betreiber, sodass intern kein Know-how aufgebaut oder eingekauft werden muss. Abgerechnet wird in der Regel auf einer Per-Nutzer-Basis – Kommunen zahlen nur die tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen. Kommen neue Anschlüsse dazu, werden diese einfach flexibel hinzugebucht. Die gehostete IP-PBX überzeugt durch ihre hohe Ausfallsicherheit. Verfügbarkeiten von bis zu 99,9 Prozent sichern Dienstleister ihren Kunden zu.

Ob lokal installiert oder via Cloud gehostet – die Kommunikation muss in beiden Fällen sicher ablaufen. Schutzmaßnahmen gegen Angriffe von außerhalb des eigenen Netzwerks sind bei der lokalen IP-PBX inhouse zu treffen. Bei der Cloud-PBX liegt die Sicherheit in den Händen des externen Betreibers, der für eine sichere Datenübertragung vom eigenen Netzwerk zum Rechenzentrum sorgt, um Systeme bestmöglich gegen Hacker-Angriffe abzusichern. Eine Maßnahme dabei ist VPN: In einem Virtual Private Network können nur die Kommunikationspartner, die zu diesem privaten Netzwerk gehören, Informationen austauschen und miteinander kommunizieren.

3. Bestehende ISDN-TK-Anlage weiter nutzen

Es gibt darüber hinaus einfachere Möglichkeiten für eine sanfte Migration zu All-IP: nämlich den Weiterbetrieb der bestehenden TK-Anlage. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Router, der die Verbindung zum Internet herstellt. Einige Hersteller bieten ihren Kunden die Möglichkeit, ihre bestehenden Router über eine Zusatzoption für den Betrieb an den neuen IP-Anschlüssen aufzurüsten. Nach dem Upgrade, das schon für unter 100Euro zu haben ist, können ISDN-TK-Anlagen dann auch an bestimmte ältere Router-Modelle angeschlossen und weiterbetrieben werden. Bei der Umstellung müssen nur noch einige Kabel umgesteckt und der Router neu konfiguriert werden. Der Router wird zum ISDN-IP-Gateway.

Kommunen, die Router im Einsatz haben, die sich nicht aufrüsten lassen, sollten sich frühzeitig mit All-IP-fähigen Modellen beschäftigen, die Schnittstellen für ISDN und analoge Geräte bereitstellen. Die Router werden zwischen die Telefonanlage und den All-IP-Anschluss geschaltet und ermöglichen je nach Modell die Weiternutzung der bestehenden Telefon-Infrastruktur und von analogen Faxgeräten, Gefahrenmeldeanlagen und ISDN-Kartenterminals. Preislich beginnen professionelle All-IP-fähige Router bei etwa 500 Euro, abhängig von der Anschlussart und weiteren Ausstattungsmerkmalen wie WLAN oder LTE.

Auch hier ist die Verfügbarkeit ein zentrales Thema. Fällt eine DSL-Leitung oder der Strom aus, steht bei einem All-IP-Anschluss auch die Telefonie nicht mehr zur Verfügung. Im Behördenalltag möchte man sich ein solches Szenario erst gar nicht ausmalen.

Es gibt auf dem Markt Hochverfügbarkeits-Router, die neben DSL auch LTE unterstützen und gegebenenfalls einfach auf die Mobilfunkverbindung ausweichen, sofern der Provider diese Funktion unterstützt. Spezielle Battery Packs (USVs) sichern im Falle eines Stromausfalls die Verfügbarkeit der IP-Telefonie.

Warum warten und nicht schon jetzt planen?

Kommunen sollten sich rechtzeitig mit den vielfältigen Möglichkeiten für die All-IP-Umstellung befassen, nach ausreichender Vorbereitung die Ausschreibungen durchführen und sich für ein passendes Angebot entscheiden. Dann können sie und ihre Kunden bereits vor dem offiziellen ISDN-Aus von neuen Diensten profitieren, die durch IP erst möglich werden.

So wird auch das Faxgerät integriert

Neben der Telefonie und dem Internet-Anschluss ist für Ämter und Behörden vor allem das Fax noch immer ein zentraler Kommunikationsweg. Auch Faxe können über IP übertragen werden, wenn das Faxgerät an einem analogen Anschluss des Routers angeschlossen wird. Bei Faxgeräten an einem ISDN-Adapter ist z.T. eine Umverkabelung oder Umprogrammierung erforderlich.

Der Autor: Dr. Martin Krebs
Der Autor: Dr. Martin Krebs ( LANCOM Systems GmbH)

In manchen Fällen ist es sinnvoll, die maximale Übertragungsrate am Faxgerät herunterzuschalten (z.B. 14.400 Bit/s oder 9.600 Bit/s), um eine stabile Faxübertragung zu erhalten. Dann leidet auch die rechtssichere Übertragung wichtiger Dokumente nicht und funktioniert über IP-basierte Netze so zuverlässig wie bisher.

Über den Autor

Dr. Martin Krebs, Director Product Management bei LANCOM Systems.

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