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Q2 2026 Internet Disruptions Report von Cloudflare Iran-Rückkehr und DENIC-Panne prägen Cloudflares Q2-Bilanz

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Nach einem staatlich dominierten Jahresauftakt zeigt Cloudflares Bilanz für das zweite Quartal 2026 ein deutlich diverseres Störungsbild. Iran kehrt schrittweise ins globale Netz zurück, ein DNSSEC-Fehler bei der DENIC bringt kurzzeitig einen erheblichen Teil der .de-Zone zum Straucheln, und ein Supertaifun sorgt für den längsten dokumentierten Ausfall des Quartals.

Prüfungssperren im Sudan, ein Erdbeben in Venezuela und die schrittweise Rückkehr Irans ins globale Netz: Cloudflares Bilanz für das zweite Quartal 2026 zeigt, wie unterschiedlich Konnektivität verloren gehen kann.(Bild:  Cloudflare)
Prüfungssperren im Sudan, ein Erdbeben in Venezuela und die schrittweise Rückkehr Irans ins globale Netz: Cloudflares Bilanz für das zweite Quartal 2026 zeigt, wie unterschiedlich Konnektivität verloren gehen kann.
(Bild: Cloudflare)

Der aktuelle Cloudflare Internet Disruptions Report für das zweite Quartal 2026 dokumentiert ein Ursachenspektrum, das breiter kaum sein könnte: Naturkatastrophen, staatliche Eingriffe und eine kryptografische Panne im deutschen DNS. Nach dem staatlich geprägten Jahresauftakt mischen sich in Q2 politische Abschaltungen, physische Schäden und eine Störung der zentralen deutschen Registry.

Iran am Ende einer 88-tägigen Abschaltung

Der von Cloudflare für Q1 dokumentierte Iran-Shutdown endete zumindest teilweise. Am 26. Mai registrierte Cloudflare Radar erste Signale einer schrittweisen Wiederherstellung nach 88 Tagen faktischer Totalabschaltung, die am 28. Februar begonnen hatte. Der Datenverkehr kletterte am 27. Mai laut Cloudflare auf 40 Prozent des Vor-Shutdown-Niveaus, erreichte zwischenzeitlich rund 90 Prozent und pendelte sich anschließend bei etwa 59 Prozent ein. Diesen Wert interpretiert Cloudflare nicht als Rückkehr zur Normalität, sondern als Angleichung an das kurze Zwischenniveau, das der Iran im Februar zwischen zwei Shutdowns aufwies. Sichtbar wurde die Sondersituation auch während der Fußballweltmeisterschaft 2026: Die iranische Traffic-Kurve folgte nicht dem Spielplan, sondern der Wiederhochfahr-Dynamik.

DENIC-Fehler bringt die .de-Zone weltweit zum Straucheln

Am Abend des 5. Mai lief bei der DENIC ein routinemäßiger Wechsel des Zone Signing Keys für die .de-Zone schief. Ab 19:30 UTC (21:30 MESZ) verteilte die Registry ungültige DNSSEC-Signaturen. Jeder validierende Resolver weltweit war nach der DNSSEC-Spezifikation gezwungen, die Antworten zu verwerfen und SERVFAIL zurückzugeben. Der Normalbetrieb war laut Cloudflare erst um 23:15 UTC (01:15 MESZ am 6. Mai) wieder hergestellt.

Nutzer erlebten den Vorfall nicht als kryptografisches Problem, sondern schlicht als plötzliche Unerreichbarkeit deutscher Websites, hängende E-Mails und Timeouts in Anwendungen. Parallel beobachtete Cloudflare einen weltweiten Anstieg der .de-Query-Menge: Da fehlerhafte Antworten nicht cachebar sind, mussten Auflösungen immer wieder neu versucht werden.

Sinlaku, Prüfungssperren und ein karibischer Kabelbruch

Für den quantitativ längsten Ausfall des Quartals sorgte laut Cloudflare der Supertaifun Sinlaku. Der stärkste Pazifiksturm der Saison 2026 zog Mitte April knapp nördlich an Guam vorbei und legte durch tropensturmstarke Winde die Stromversorgung lahm. Der Traffic aus dem US-Außengebiet fiel zwischen dem 13. und 14. April um bis zu 80 Prozent unter das Erwartungsniveau. Am 24. Juni erschütterten zwei Erdbeben binnen einer Minute den Norden Venezuelas, das erste mit einer Magnitude von 7,5. Der HTTP-Verkehr großer Provider brach zeitgleich ein, besonders sichtbar bei Fibex Telecom mit rund 1,6 Millionen geschätzten Nutzern, beim staatlichen CANTV und beim Regionalanbieter VNET. Drei Tage später sorgte ein rund fünfstündiger Stromausfall in Tansania für einen ähnlichen Kurvenabdruck.

Häufiger als jede andere Ausfallkategorie waren im zweiten Quartal die vom Sudan und Irak verhängten Prüfungssperren. Cloudflare zählt für den Sudan zehn koordinierte Abschaltungen zwischen dem 13. und 23. April, jeweils rund dreieinhalb Stunden und exakt auf das Prüfungsfenster von 11:45 bis 15:15 UTC getaktet. Der Irak folgte im Juni mit drei weiteren Runden von jeweils etwa 90 Minuten Dauer.

In der Karibik unterbrach am 21. Juni ein Glasfaserbruch nahe St. Lucia den HTTP-Verkehr des Providers Karib Cable für rund einen Tag. Landesweit sank der Traffic um etwa 60 Prozent gegenüber der Vorwoche. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten bleibt der Datenverkehr zur AWS-Region me-central-1 auf niedrigem Niveau: Amazon hatte bereits am 30. April eingeräumt, die Region könne wegen konfliktbedingter Schäden Kundenanwendungen nicht zuverlässig unterstützen. Ursache sind die Drohnenangriffe vom März, die Cloudflare für den vorangegangenen Berichtszeitraum bereits dokumentiert hatte.

Wo Cloudflares Bericht zum ersten Quartal noch klar von staatlichen Eingriffen dominiert war, zeigt das zweite Quartal 2026 die Parallelität der Verletzlichkeiten: Natur, Politik und Technik erzeugen zeitgleich unterschiedliche Ausfallmuster. Mit der DENIC-Panne taucht darin erstmals seit längerem ein deutscher Vorfall prominent auf.

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