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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 48

Grundüberlegungen zu Metro- und Regionalnetzen (MAN)

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TELIA und Yipes – konträre betriebswirtschaftliche Ansätze

Spannend ist nun, dass TELIA und Yipes konträre betriebswirtschaftliche Ansätze verfolgen: TELIA möchte eine möglichst einfache Struktur aufbauen und in diese so wenig sekundäre Dienstleistungen wie möglich einbauen, während Yipes zwar technisch ebenfalls mit IP über Ethernet arbeitet, dann aber sehr großen Wert auf Service Level Agreements und weitere Dienstleistungen legt.

Beide Alternativen funktionieren, auch betriebswirtschaftlich. Man kann daraus unterschiedliche Schlüsse ziehen, vor allem aber den, dass die Einführung einer durchgängigen Ethernet-Technologie gegenüber dem heute noch üblichen stapelnden Gewusel von ATM, SONET und anderen alten Technologien wirtschaftlich so günstig ist, dass man damit in jedem Fall nur gewinnen kann, gleichgültig welches Versorgungsmodell man darauf betreibt.

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Die Grundidee beim Einsatz von paketvermittelnden Netzen auch im Zugangsbereich individueller Endteilnehmer ist einfach: man verwendet für Zugänge, die Datenkommunikation betreiben wollen, auch eine Datenkommunikationstechnologie anstatt eine bestehende Telekommunikationsstruktur, die für die Vermittlung von Telefongesprächen geschaffen wurde, mit der Datenkommunikation zu überlagern.

Hier greifen wir noch mal die Sicht auf, die wir auch schon bei den Überlegungen hinsichtlich der Restrukturierung von Carrier-Netzen hatten. Die Struktur eines Datennetzes unterscheidet sich erheblich von der eines traditionellen Telekommunikationsnetzes. Gründe finden wir in der Technologie aber auch in den Betreiberstrukturen. Um die Technologien effektiv einsetzen zu können, muss man diese Unterschiede verstehen. Ein herkömmliches Telekommunikationsnetz hat einen hochperformanten Kern mit komplexen technischen Einrichtungen. Je weiter wir uns von diesem Kern entfernen, umso einfacher und weniger leistungsfähig werden die Einrichtungen. Aus der Perspektive der Leistung und der Steuerung haben wir ein kernzentriertes Netz mit geringwertiger Peripherie.

Ein Datennetz ist im Grunde genommen genau anders aufgebaut. Die Basiskomponente ist das LAN. Das LAN ist auch mit einer leistungsfähigen Technologie aufgebaut, die aber bei kurzen Distanzen billig ist. Das Low End bei LANs liegt heute bei 10 Megabit/s. Wenn man nun LANs mit einem Datennetz untereinander verbindet, wird die Leistung teurer, weil größere Distanzen überwunden werden müssen und damit teurere Technik benötigt wird. Das bedeutet, dass die Peripherie eines solchen Netzes aus der Perspektive der Leistung und der Steuerung im Gegensatz zum klassischen Telekommunikationsnetz ein sehr starker, leistungsfähiger Teil des Netzes ist, sodass man dieses Netz auch als peripherie-zentrisch bezeichnen könnte. Dieser Begriff scheint zunächst in sich widersprüchlich zu sein, aber es geht ja um die relative Bedeutung einer Teilsystemgruppe.

Diese zwei Typen von Netzen haben jeweils gegensätzliche Charakteristika, die sich letztlich auf strukturkorrelierte Eigenschaften niederschlagen. Wird z.B. ein Telekom-Netz durch eine Kombination von zentraler Kontrolle und Ende-zu-Ende-Kontrolle charakterisiert, so ist ein Netz für die Datenkommunikation seiner Natur nach dezentralisiert. Stärke im Kern steht gegen Stärke in der Peripherie.

Man spricht im Zusammenhang mit klassischen Telekommunikationsnetzen vom Problem der letzten Meile, weil man die Benutzer mit vergleichsweise breitbandigen Diensten versorgen muss. Im Gegensatz dazu ergibt sich beim Datennetz eine Chance der ersten Meile, weil hier ja schon von sich aus Bandbreite vorhanden ist. Man kann als Daumenregel sagen, dass eine strukturell bedingte Eigenschaft in einem Telekommunikationsnetz in einem Datennetz genau entgegengesetzt ist.

weiter mit: Die Kostenstrukturen der beiden Netztypen

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