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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 48

Grundüberlegungen zu Metro- und Regionalnetzen (MAN)

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Die Kostenstrukturen der beiden Netztypen

Diese Tendenz gilt auch für wirtschaftliche Überlegungen. Dazu sollten wir erst grob die Kostenstrukturen in den beiden Netztypen betrachten. Bei einem Telefongespräch entstehen ca. 80 Prozent der Kosten im Zugangsbereich und der Rest im Netzkern.

Das liegt vor allem daran, dass der Telefonverkehr von Natur aus als verbindungsorientiertes Circuit-Switching durchgeführt wird, was dazu führt, dass der Endbenutzer seine letzte Meile mit niemandem anders teilt, sondern sie für sich alleine benutzt. Der größte Teil der Kosten im Zugriffsbereich ist also darüber hinaus noch von der eigentlichen Nutzung unabhängig. Eine Leitung verschwindet nicht, wenn man nicht auf ihr telefoniert. Das ist z.B. ein starkes Argument für Flatrates.

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In Datennetzen ist das genau umgekehrt. Typisch wären z.B. 20 Prozent Kosten für den Zugang und 80 Prozent Kosten für den Kern. Und die „symmetrische“ Erklärung ist, dass es hier genau anders herum funktioniert: bei paketvermittelnden Datennetzen verwendet man Packet Switching mit virtuellen Kanälen. Der Zugriff auf ein Datennetz wird unter der Menge der Benutzer geteilt. Gleichzeitig ergibt sich dadurch eine Begründungen für Tarifierungen, die von der Distanz, dem Volumen oder der Dauer der Übertragung abhängen.

Wir können diese Kostenüberlegungen mit der Überlegung hinsichtlich relativer Investments vervollständigen. Natürlich hängt hier viel von den tatsächlichen Gegebenheiten ab, aber man kann grob folgendes sagen: wenn wir den relativen Investitionswert für den Zugriffsbereich eines Datenkommunikationsnetzes mit dem Wert 1 annehmen, so kostet der Kern eines solchen Datenkommunikationsnetzes 2-3. Der Kern eines Telekommunikationsnetzes kann etwa mit den Kosten 5-6 angenommen werden, und der Zugriffsbereich schlägt sich mit Kosten 20-25 nieder.

Kritisch an dieser Betrachtung ist, dass die Kosten des Kerns eines Datenkommunikationsnetzes als Basisnorm angenommen werden, und diese in einem weiten Bereich schwanken können. Allerdings, was hier etwas grob ausgedrückt wird, bestätigt sich bei allen, auch noch so detaillierten Planungen und Berechnungen und ist letztlich auch der Grund für die großen Probleme traditioneller Betreiber.

So gibt z.B. British Telecom BT an, dass die Ausrüstung von 75 Prozent aller Teilnehmeranschlüsse mit xDSL-Technik ruinös sei, weil man die Kosten nie wieder durch Tarifierungsmodelle hereinholen kann. Grade die xDSL-Technik bietet in der flächigen Anwendung zuweilen teure Überraschungen. Auch US-amerikanische und europäische Wirtschaftsinstitute und Beratungsgesellschaften kommen in teilweise sehr unterschiedlichen Berechnungsmodellen immer wieder auf die gleichen Verhältnisse.

Für die IP-Telefonie ist es heute Standard, ein herkömmliches Telefon zu nehmen, um ein Gateway für das IP- oder Internet zu erreichen. Dann benutzt man das Internet für Fernverbindungen, um letztlich wieder ein Gateway zu erreichen, welches dann über ein fremdes Telekommunikationsnetz zum Ziel-Telefon verbunden wird. Blickt man auf die weiter oben diskutierten Zusammenhänge, werden auf diese Weise jeweils die schlechtesten Eigenschaften der beteiligten Netze kombiniert.

Wenn man daraus noch ein profitables Geschäftsmodell ableiten kann, zeigt das nicht die Überlegenheit einer Technologie sondern die Unverschämtheit eines Geschäftsmodells. Ein Wählzugang zum Internet ist genauso schlimm. Der normale Wähldienst und die Infrastruktur des Telekommunikationsnetzes werden als Überlagerungskonzentrator für den IP-Kern benutzt. Das bedeutet, dass man fast alles benutzt, außer dem guten Kern der Datenkommunikationsstruktur.

Eine der ersten Beobachtungen, die man hinsichtlich der Infrastrukturen machen kann, ist, dass die IP-Infrastrukturen, die wir sehen, offene Strukturen sind, die die Telekommunikationsnetze niemals waren. Der Effekt hiervon ist die strikte Trennung der Infrastruktur von den Diensten, die auf ihr laufen. Also auch in diesem Zusammenhang sind Datenkommunikations- und Telekommunikationsstrukturen sehr unterschiedlich, was dazu führt, dass man für sie auch unterschiedliche Strategien benötigt.