Fortschritte beim Glasfaserausbau in Europa – außer in Deutschland

FTTH-Rangliste: Litauen vor Schweden und Lettland

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Deutschland taucht in der Rangliste der europäischen Länder mit der höchsten Glasfaserabdeckung noch immer nicht auf.
Deutschland taucht in der Rangliste der europäischen Länder mit der höchsten Glasfaserabdeckung noch immer nicht auf. (Bild: FTTH Council Europe)

Ende 2013 erreichten weltweit 34 Länder (23 aus Europa) den Schwellenwert von einem Prozent bei Haushalten mit direkter Glasfaserverbindung und damit einen Platz im Ranking des FTTH Council Europe. Die Schweiz ist neu in der Rangliste, Deutschland verfehlt erneut den Einstieg.

Fiber to the Home und Fiber to the Building (FTTH, FTTB) nehmen Fahrt auf: 2013 gab es 29 Prozent mehr Internet-Breitbandverbindungen mit dieser Technologie. Dies gab der FTTH Council Europe auf seiner alljährlichen FTTH Conference in Stockholm bekannt. Damit hat sich das FTTH-Wachstum gegenüber 2012 (15 Prozent) nahezu verdoppelt.

Schweiz: 235 Prozent Wachstum

Führend in Europa und Siebter im weltweiten Vergleich ist Litauen. Dort nutzen 34 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss. Die folgenden Plätze belegen Schweden (26,5 Prozent) und Lettland (23,3 Prozent). Alle anderen europäischen Volkswirtschaften bleiben unter der 20-Prozent-Schwelle, England und Deutschland sogar unter der Minimalschwelle von einem Prozent.

Neu im FTTH-Ranking ist die Schweiz. Hier sind mittlerweile immerhin zwei Prozent aller Haushalte mit Glasfaser vernetzt, das entspricht einem Zuwachs von 235 Prozent im Jahr 2013. Unter den 73.816 FTTH/B-Nutzern bei den Eidgenossen waren im vergangenen Jahr 70 Prozent Neuanschlüsse, das ist Europarekord. Die Türkei (46 Prozent), Spanien (39 Prozent) und Polen (32 Prozent) landeten auf den Plätzen – mit niedrigeren Zuwächsen, allerdings bei weit größerer Bevölkerung.

„Es besteht dringender Handlungsbedarf – und ich werde das Gefühl nicht los, dass einige politische Entscheidungsträger die Gefahren eines verzögerten Breitbandausbaus unterschätzen“, betonte Karin Ahl, Präsidentin des FTTH Councils Europe auf ihrer Eröffnungsrede zur FTTH Conference 2014. „In den nächsten 30 Jahren werden wahrscheinlich 70 Prozent der Wirtschaftsleistung von Unternehmen erbracht werden, von denen wir heute noch gar nichts wissen.“

Die umfangreichsten Rollouts gab es 2013 in Spanien, mit 2,4 Mio. mehr anschlussbereiten Haushalten (Homes Passed), in Frankreich waren es 710.000, in Portugal und Schweden jeweils 550.000. Es gibt also auch in Ländern mit bestandener Glasfaserreifeprüfung durchaus noch Luft nach oben, wie auch das Beispiel Schweden zeigt.

In 13 EU-Ländern gab es 2013 über 30 Prozent mehr FTTH- und FTTB-Kunden als 2012. Spanien führt mit 64 Prozent Zuwachs, gefolgt von den Niederlanden mit 43 Prozent. Den dritten Platz teilen sich Frankreich und Portugal mit je 41 Prozent.

Betrachtet man die absoluten Zahlen der EU-28, zeigen sich die Franzosen und Schweden am besten vernetzt: In beiden Ländern gibt es bereits mehr als 1,2 Mio. FTTH- und FTTB-Nutzer. Russland ist ein Schwergewicht mit nahezu neun Mio. FTTH/B-Anschlüssen, hier gab es 2013 einen Zuwachs von 1,4 Mio. In der Ukraine sind 1,3 Mio. Abonnenten auf dem aktuellen technischen Stand, in der Türkei sind es 1,1 Mio.

Globale Rangliste: Vereinigte Arabische Emirate führen

Außerhalb Europas zeigen sich China mit 37 Mio. und Japan mit 24,7 Mio. FTTH/B-Nutzern mit Abstand am fortschrittlichsten. Diese Zahlen klingen eindrucksvoll, doch nach Ansicht der Analysten von Heavy Reading hat ein Land die „Fibre Maturity“ erst erreicht, wenn 20 Prozent aller Haushalte eine direkte Glasfaserverbindung bis in die Wohnung oder bis zum Gebäude besitzen. Diese Reifeprüfung haben bislang aber weltweit nur neun Länder erreicht, und lediglich drei davon liegen in Europa. Mit beeindruckenden 85 Prozent FTTH/B-Vernetzung führen die Vereinigten Arabischen Emirate das globale FTTH-Ranking an, gefolgt von Südkorea, Hongkong, Japan, Singapur und Taiwan. Hier reichen die Vernetzungsgrade von 63 bis 37 Prozent.

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