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42 Prozent mehr Glasfaseranschlüsse in Russland FTTH-Rangliste: Litauen vor Schweden und Bulgarien

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Glasfaserabdeckung in Europa wächst kontinuierlich, doch die Schere zwischen führenden und nachhinkenden Nationen geht immer weiter auf. Das besagen aktuelle Zahlen des FTTH Council Europe. Deutschland taucht in der Rangliste weiterhin nicht auf.

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Deutschland sucht man in der Rangliste der europäischen Länder mit der höchsten Glasfaserabdeckung vergeblich.
Deutschland sucht man in der Rangliste der europäischen Länder mit der höchsten Glasfaserabdeckung vergeblich.
(Bild: FTTH Council Europe)

Der FTTH Council Europe stellte während der FTTH Conference 2013 in London die neuesten Zahlen zur Glasfaserabdeckung in Europa vor. Demnach hat allein Russland im zweiten Halbjahr 2012 2,2 Mio. Haushalte neu an Glasfasernetze angeschlossen – das sind mehr als in allen 27 EU-Staaten zusammen und entspricht einer Steigerung um 42 Prozent. Mittlerweile haben in Russland 7,5 Mio. Haushalte einen FTTH-Anschluss (Fibre to the Home) für eine schnelle Internetanbindung.

15 Prozent Wachstum in der EU

Auch in der EU hat sich das Wachstum beschleunigt. Es betrug in der zweiten Jahreshälfte 15 Prozent – das entspricht 820.000 neuen Glasfaserkunden, die die Anzahl der angeschlossenen Haushalte auf nun 6,24 Mio. steigen ließen. 26 Prozent der neuen Anschlüsse entfallen auf Skandinavien, die baltischen Staaten und die Niederlande, 33 Prozent auf osteuropäische Mitgliedsstaaten und 30 Prozent auf Frankreich und Portugal.

Die dynamischsten Länder waren im zweiten Halbjahr neben Russland die Türkei, die Ukraine, Spanien und Bulgarien. In der Türkei hat sich die Zahl der Glasfaseranschlüsse in den Haushalten 2012 mehr als verdoppelt. Auch in Spanien, das erst seit Juni 2012 in der Statistik erfasst wird, ist das Wachstum ungebrochen.

Komplett erschlossenes Litauen

Bei der Abdeckung mit Glasfaser ist nach wie vor Litauen führend. Das Land ist komplett mit Glasfaser erschlossen. 100 Prozent aller Haushalte können einen FTTH-Anschluss nutzen, 31 Prozent tun das auch bereits. Auf dem zweiten Platz liegt Schweden, wo 22,6 Prozent aller Haushalte an ein Glasfasernetz angeschlossen sind. Insgesamt gibt es nun zehn europäische Länder mit einem Versorgungsgrad über zehn Prozent – im Juni 2012 waren es noch sieben. Dies sind in der Reihenfolge der Abdeckung Litauen, Schweden, Bulgarien, Lettland, Norwegen, Russland, die Slowakei, Slowenien, Dänemark und Portugal.

„Die osteuropäischen und die skandinavischen Staaten haben ihre Führungsposition bei FTTH ausgebaut, und die Unterschiede zwischen Pionieren und Nachzüglern werden immer deutlicher“, kommentiert Karin Ahl, Präsidentin des FTTH Council Europe. „Die führenden Nationen erarbeiten sich einen ökonomischen Vorteil gegenüber ihren schlechter angebundenen Nachbarn, denn eine gute Kommunikationsinfrastruktur hilft, bestehende Unternehmen im Land zu halten, und ist auch für Neuansiedlungen attraktiv. Zudem können Länder mit guter Glasfaserabdeckung neue und innovative Dienste etwa im Gesundheitswesen oder bei Smart-Grid-Technologien wesentlich schneller einführen. Länder, die FTTH nur zögernd ausrollen, werden viele Gelegenheiten verpassen, ihre wirtschaftliche Zukunft zu gestalten.“

Deutschland unter ferner liefen

Zu diesen zögernden Ländern gehören viele der großen Volkswirtschaften in der EU. Italien und trotz des derzeitigen Wachstums auch Spanien bilden die Schlusslichter in der FTTH-Tabelle. Deutschland und Großbritannien spielen nicht einmal in der ersten Liga. Die Statistik des FTTH Council berücksichtigt lediglich Staaten mit mindestens 200.000 Haushalten und einer Abdeckung mit FTTH-Anschlüssen von mindestens einem Prozent. Großbritannien kommt derzeit nur auf 0,1 Prozent, und auch Deutschland scheitert mit 0,5 Prozent nach wie vor deutlich an der Ein-Prozent-Hürde.

Das FTTH Market Panorama wird zweimal jährlich von IDATE für das FTTH Council Europe erstellt, erfasst die Anzahl der Haushalte mit Glasfaseranschluss und erstellt eine Rangfolge der Länder nach dem Abdeckungsgrad. Dabei werden sowohl FTTH (Fibre to the Home) als auch FTTB (Fibre to the Building) berücksichtigt, also Haushalte mit direktem Glasfaseranschluss, aber auch Gebäude, die an eine Glasfaser angeschlossen sind, innerhalb derer die Signale aber über die vorhandenen Kupferkabel verteilt werden.

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