Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 80

Drahtlose Netzwerke und ihr Elektrosmog – Einführung und Übersicht

28.04.2010 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Wie gesundheitsgefährdend Elektrosmog wirklich ist, muss durchleuchtet werden
Wie gesundheitsgefährdend Elektrosmog wirklich ist, muss durchleuchtet werden

Wireless LANs sind auf dem Siegeszug. Ergänzt werden sie jetzt und in Zukunft durch weitere drahtlose Infrastrukturen UMTS, LTE und WiMAX. Alle zusammen haben das Potential, bestehende Verkabelungs-Infrastrukturen größtenteils obsolet zu machen. Doch wie sieht es dabei mit dem Anwachsen des ohnehin schon vorhandenen Elektrosmogs aus? Studien und Mess-Ergebnisse geben Antworten.

Wir stehen an einer Schwelle zur Einführung von drahtlosen Kommunikationssystemen in einer bisher nicht gekannten Dimension. Dadurch steigt die Angst der Betroffenen, also der Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplätzen vor einer weiteren möglichen Gesundheitsschädigung oder Beeinträchtigung.

Diese Angst ist zunächst einmal irrational, übt aber einen solchen Druck auf Entscheidungsträger aus, dass Planungen davon beeinflusst werden können. Es ist, vollkommen ungeachtet der Tatsache, welchen Standpunkt ein Planer selbst hat, wenig hilfreich, sich über die Befürchtungen der Betroffenen einfach hinwegzusetzen. Nur eine sinnfällige, rationale Auseinandersetzung kann hier zu Kompromissen führen, die von allen getragen werden können. Es wäre wunderbar einfach, sagen zu können „Elektrosmog ist unschädlich, also installieren wir was wir für sinnvoll erachten“ oder aber sagen zu müssen „Elektrosmog ist gefährlich, also installieren wir gar nichts“.

Leider ist die Lage aber wesentlich komplizierter, denn die Diskussion über die Schädlichkeit von Elektrosmog und ggf. einzuhaltende Grenzwerte ist auch von der medizinischen Seite her in vollem Gange. Der Autor befindet sich wie praktisch alle Leser in der unsäglichen Lage, Ergebnisse medizinischer Tests und Ausführungen lediglich auf die Seriosität und ggf. Interessenlage der Quelle hin prüfen zu können.

Im Laufe der Auseinandersetzung mit der Thematik hat sich jedoch die interessante Perspektive ergeben, dass es eine Reihe technisch begründeter Maßnahmen gibt, die die Abstrahlung von WLANs und WiMAX-Systemen planerisch minimieren können. Nach einer Übersicht über wichtige neuere Studien bzw. Empfehlungen zum Thema Elektrosmog wollen wir uns also vor allem darauf konzentrieren, denn das ist der Bereich, von dem wir etwas verstehen. Denn klar ist, dass Elektrosmog, auch wenn man keine direkte Schädlichkeit nachweisen kann, für nichts gut ist, also vergleichsweise so wie Kohlensäure im Mineralwasser. Also schadet es in keinem Falle, ihn zu minimieren, solange dies keinen negativen Effekt auf die physikalische Funktionsfähigkeit hat.

Zuvor jedoch noch einige weitere Gedanken. Von massiven Wireless Installationen betroffene Arbeitnehmer setzen sich auch in ihrem privaten Umfeld unter Umständen in erheblicher Weise dem Elektrosmog aus. Wenn sie tatsächlich Wert darauf legen, dass ihre Gesamtbelastung minimiert wird, kann dies natürlich nur im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes geschehen. Darauf sollte man sie hinweisen.

Auch aus aktuellen Studien konnte wiederum nicht definitiv abgeleitet werden, in welchem Umfang ein Mensch durch die Einwirkung elektromagnetischer Wellen genau geschädigt wird. Allerdings sind in letzter Zeit bestimmte Grenzwerte vorsichtshalber herabgesetzt worden. Darauf kommen wir weiter unten.

Andererseits nimmt ein vergleichsweise neues Phänomen erhebliche statistische Ausmaße an: die so genannte Elektrosensibilität. Hierunter versteht man grob den Effekt, dass sich ein Mensch von Elektrosmog bedroht und beeinträchtigt fühlt, unabhängig davon, wie die Bedrohungslage tatsächlich ist. Die Beeinträchtigungen reichen von allgemeiner Herabsetzung der Lebensqualität bis hin zu deutlicheren Symptomen wie Kopfschmerzen. Es herrscht vielfach noch Uneinigkeit darüber, wie dies tatsächlich einzuordnen ist: fällt es eher unter die Gruppe der Angstphänomene oder gibt es tatsächlich Menschen, die gegenüber elektrischen Wellen empfindlicher sind als andere? Vieles spricht für die letzte Alternative, aber auch ein reines Angstphänomen müsste von verantwortlichen Unternehmensleitungen ernst genommen werden.

Es gibt ja auch Menschen, die z.B. unter Lactoseintoleranz leiden, also Milchprodukte meiden müssen, die andere literweise beschwerdefrei vertilgen können. Der Autor selbst hat grundsätzlich schwerwiegende Probleme mit einem schnell abziehenden Tiefdruckgebiet (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Magenverstimmung, Kopfschmerzen). Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde die so genannte „Wetterfühligkeit“ aber als Spinnerei abgetan. Es ist also nur logisch davon auszugehen, dass manche Menschen heute eben auch weniger elektromagnetische Wellen „vertragen“ als andere.

Ob Angst oder erhöhte Empfindlichkeit: beides drückt auf die individuelle Leistungsfähigkeit. Wir können das hier nicht weiter diskutieren, aber in Schweden ist man jedenfalls schon so weit, die elektromagnetische Hypersensibilität als Behinderung anzuerkennen und Methoden zu entwickeln, wie man die Bedingungen zu Hause und am Arbeitsplatz für diejenigen Personen, die sich selbst als unter diesem Problem leidend einstufen, systematisch verbessern kann.

So fällt es letztlich unter die Fürsorgepflicht der Unternehmen, dafür zu sorgen, dass die Belastung wenigstens auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Technologien weitestmöglich eingedämmt wird. Dies bedeutet aber keineswegs, dass man auf den Einsatz neuer, äußerst attraktiver, Technologien verzichten muss.

Blickt man auf die internationale Marktentwicklung, ist klar zu konstatieren, dass die neuen Wireless Technologien in ausgesprochen erheblichem Maß kommen und großflächig eingesetzt werden – vor allem dort, wo es dazu gar keine Alternativen gibt, z.B. weil gar keine Verkabelungsinfrastruktur existiert oder diese hoffnungslos veraltet ist.

weiter mit: Wichtige Studien und Empfehlungen

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2044690 / Netzwerk Basics)