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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 81 Dosimetrische Quantitäten und NRPB-Empfehlungen für WLAN-Elektrosmog

Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Möchte man die Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper untersuchen, ist es notwendig, eine Relation zwischen den entstehenden physikalischen Werten, z.B. Sendeleistung in mW, auf dosimetrische Quantitäten herzustellen. Die meisten Leser werden den sog. SAR-Wert bei Handys kennen; dies ist eine solche dosimetrische Quantität. Erst damit kann man gesicherte Aussagen treffen und Grenzwerte definieren. Ein Vorreiter in dieser Hinsicht ist das NRPB.

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Test-Dummy „Norman“ lässt sich im Dienst der Wissenschaft bestrahlen; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
Test-Dummy „Norman“ lässt sich im Dienst der Wissenschaft bestrahlen; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
( Archiv: Vogel Business Media )

In Großbritannien gibt es weit über 50 Millionen Mobiltelefone. Dies ist eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2000 und mehr als eine Verzehnfachung gegenüber 1995. Sie werden durch ca. 40.000 Base Stations versorgt, deren Mehrheit mit GSM arbeitet. Insgesamt gibt es weltweit weit über eine Milliarde GSM- bzw. 3G-Teilnehmer. Außerdem erwartet man eine erhebliche Zunahme weiterer Funkdienste.

Die britische Regierung hat den Ausbau der Mobilfunksysteme massiv gefördert. Zudem gab es extensive Entwicklungen für Sicherheitseinrichtungen, die ebenfalls drahtlose Kommunikation benutzen.

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Die extensive Benutzung von Mobiltelefonen legt es nahe, dass sie von ihren Besitzern z.Zt. nicht grundsätzlich als gesundheitliche Bedrohung eingestuft werden. Nein, die neuen Technologien werden gerne akzeptiert und in das tägliche Leben eingegliedert. Nichtsdestotrotz gibt es seit ihrer Einführung auch Bedenken hinsichtlich möglicher Gesundheitsschädigungen.

So hat die britische Regierung Anfang 1999 eine Expertengruppe (Independent Expert Group on Mobile Phones, IEGMP) beauftragt, die Situation zu beurteilen. Ein Bericht dieser Gruppe wurde im Jahr 2000 mit dem sog. „Steward-Report“ veröffentlicht. Damals kam man zu dem Schluss, dass es keine Belege dafür gibt, dass RF-Strahlung schädlich ist, solange sie unter den von der NRPB empfohlenen Richtlinien liegt.

Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es biologische Effekte gebe, solange die Bestrahlung unter den Grenzwerten liegt. Andererseits könne man potentielle negative gesundheitliche Effekte auch bei Bestrahlung unter den Grenzwerten nicht ausschließen. Die Wissenslücken seien hinreichend groß, um einen vorsichtigen Ansatz zu rechtfertigen.

Die Empfehlung des Steward Reports lautet kurzgefasst also, vorsichtig mit der Technologie umzugehen, bis man wissenschaftlich fundierte Ergebnisse hat.

Der Steward Report wurde von der Regierung, der Öffentlichkeit und den Herstellern positiv aufgenommen. Dennoch hat man die Thematik aus folgenden Gründen zwischenzeitlich weiterverfolgt:

  • Die weitverbreitete Benutzung der Mobilkommunikation ist in diesem Maße sehr neu und die Technologien entwickeln sich mit einer Geschwindigkeit weiter, die den Rahmen bisheriger Betrachtungen sprengen.
  • Es gibt neue Daten, die nahelegen, dass RF-Felder mit biologischen Systemen interferieren können
  • Da die Benutzung der Mobilfunktechnologie ein ziemlich neues Phänomen ist, gibt es keine epidemiologischen Langzeitstudien, deren Ergebnisse man analysieren könnte. Allerdings gibt es eine erste Studie aus Schweden, die ein erhöhtes Risiko für Hörstürze bei Personen feststellt, die schon ca. 10 Jahre ein Mobiltelefon benutzen (AGNIR 2003). Momentan gibt es eine Reihe von Initiativen für solche Untersuchungen (MTHR-Programm).
  • Es gibt eine weitere Studie, die zwar eine Reihe von Mängeln aufweist, aber dennoch mögliche Wechselwirkungen zwischen der Gehirnfunktion und der Benutzung von Mobiltelefonen aufweist.
  • Populationen sind nicht homogen und Menschen können unterschiedlich hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber Änderungen der Umwelt und anderer Faktoren sein. Es gibt viele Beweise für genetische Dispositionen, die die Anfälligkeit von Personen für bestimmte Krankheiten beeinflussen. Das steht für RF-Strahlung noch völlig aus. Es gibt weiterhin eine Reihe von Personen, die über bestimmte Beschwerden berichten, die sie elektromagnetischer Hypersensibilität zuschreiben. Auch wenn die Anzahl dieser Personen bezogen auf die Gesamtbevölkerung noch relativ gering ist, sollte man diesen Punkt genauer betrachten.
  • IEGMP gibt zu bedenken, dass Kinder wegen des in Entwicklung befindlichen Nervensystems, der höheren Absorption elektrischer Leistung in ihrem Gewebe und der längeren Exposition bezogen auf ihre Lebenszeit eine erhöhte Verletzlichkeit gegenüber den Effekten, die im Zusammenhang mit der Benutzung von Mobiltelefonen auftreten, haben könnten. Es gibt hierüber kaum Aussagen, Studien hierüber sind aus ethischen Gründen begrenzt.
  • Es gibt Bedenken gegenüber dem von der Polizei benutzten Terrestrial Trunked Radio, TETRA.
  • Es bleiben Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Basis-Stationen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Auch wenn die Belastung durch die Basis-Stationen nur einen kleinen Bruchteil der Belastung durch Mobiltelefone darstellt, kann eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens nicht sicher ausgeschlossen werden, vor allem dann, wenn Basisstationen nahe an Wohnhäusern stehen.

Insgesamt ist das NRPB der Ansicht, dass die wesentlichen Schlussfolgerungen des Steward Reports nach wie vor Gültigkeit haben und dass man weiterhin mit Vorsicht an die Benutzung der Mobiltelefon-Technologie gehen sollte.

weiter mit: Europaweit herabgesetzte Grenzwerte

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