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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 77 Die Weiterentwicklung zellularer Dienste – UMTS und seine Konsequenzen

| Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Bislang gab es eine strikte Trennung zwischen zellularen Diensten (z.B. GSM) und drahtlosen Computernetzen (z.B. WLANs). Bei verdrahteten Netzen wurde via VoIP die Trennung zwischen „Nebenstellenanlagen“ und „Datennetzen“ durchbrochen. Menschen wollen mobil sein und dabei neben Sprach- auch Datendienste nutzen. Und so wird die Weiterentwicklung zellularer Dienste von der Technik der drahtlosen Datennetze bestimmt.

UMTS revolutioniert mobile Netzwerke; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
UMTS revolutioniert mobile Netzwerke; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
( Archiv: Vogel Business Media )

Wir werden hier die Arbeitsweise zellularer Dienste nicht detailliert darstellen, sondern eher die interessanten Stellen, an denen sich zellulare Dienste und Datenübertragung vermischen.

Die Darstellung der funktechnischen Arbeitsweise von UMTS führt hier nicht wesentlich weiter, da es sich bei UMTS um ein klassisches zellulares Netz handelt, welches von Providern professionell aufgebaut, betrieben und gewartet wird. Allerdings wirft die Existenz eines Systems wie UMTS einige Probleme für Unternehmensnetze auf, die hier nicht verschwiegen werden sollen.

UMTS ist in der Netzwerkwelt momentan wohl die am meisten unterschätzte Gefahrenquelle für bestehende Infrastrukturen. Man hat sich daran gewöhnt, dass Kunden, Zulieferer und externe Mitarbeiter normalerweise mit ISDN, also mit ca. 140 kBps oder via ADSL bzw. TDSL mit ca. einem Megabit/s auf die E-Business-Lösungen zugreifen.

Lange war der Wunsch nach Mobilität unerfüllbar. Den ersten Ansatz mit WAP-Handys kann man getrost vergessen. Als Zwischenschritt zu UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) haben wir zunächst einmal GPRS, General Packet Radio System.

UMTS ist 31 mal schneller als ISDN und 200 mal schneller als WAP. GPRS ist da mit einer theoretischen Rate von bis zu 115 Kilobit/s. zwar noch 20 Mal langsamer als UMTS mit seinen 2 Megabit/s., aber stellt schon wesentliche Weichen. Vor allem muss der Kunde nicht mehr in quälenden Minutenpreisen bezahlen, sondern nach Kilobytes geladener Daten. Das ist für viele Anwendungen deutlich günstiger, setzt aber bei den Designern der E-Commerce-Seiten erhebliche Disziplin voraus, damit sie nicht wieder graphischen Unsinn einbauen, der schön, teuer und nutzlos ist. Generell erhöht sich die Nützlichkeit eines Endgerätes mit dessen Geschwindigkeit. Das kennen wir vom PC. Der eigentliche PC-Boom hat erst mit den Pentium Systemen eingesetzt, die in der Lage waren, die graphischen Benutzeroberflächen auch angemessen zu unterstützen.

UMTS ermöglichte, all das zu tun, was man schon lange mit mobilen Endgeräten tun wollte. Navigationssysteme in Autos werden mit UMTS genauso teuerer Elektronikschrott wie spezielle Börsenterminals. Der Benutzer benötigt in Grunde genommen nur noch ein Endgerät, was vielleicht so groß wie eine Tafel Schokolade ist und einen vernünftigen Bildschirm sowie eine wirklich benutzbare Tastatur hat. Momentan findet man auf jeder Messe eine Reihe von solchen Geräten als Muster mal mit, mal ohne futuristisches Design.

Ganz wichtig für die Wahl des Darstellungsstandards ist die Erkenntnis, dass die Leute äußerst unterschiedliche Geräte benutzen werden und wir hier nur mit einer generischen Darstellung weiterkommen, die im Moment des Aufrufs an das beim Aufrufer vorzufindende Format angepasst wird. Dies bietet uns z.B. XML. Ich bin überzeugt, dass man nach einer anfänglichen Phase der Skepsis diese völlig neuen Endgeräte lieben und in großer Stückzahl kaufen und benutzen wird. Man kann jetzt lange über Zahlen streiten, allerdings sprechen die Wachstumsraten bei Handys eine deutliche Sprache. Man kann davon ausgehen, dass mindestens 30-50% der jetzigen Handy-Besitzer alleine über regelmäßigen Geräte-Upgrade zu UMTS-Benutzern werden.

Es ist falsch, davon auszugehen, dass Endkunden nur eine Art wesentlich teurerer Services bekommen. Preislich wird sich ein Mix für Basisdienstleistungen ergeben. Dies kann auch von Unternehmen gefördert werden. Eine Bank hat z.B. hohes Interesse daran, dass der Kunde bequem mobil Geldgeschäfte tätigen kann und dabei die (wenigen verbliebenen) Mitarbeiter nicht weiter behelligt. Wenn die Bank die Hoffnung haben kann, den Personalstamm in der Kundenbetreuung für Standardfragestellungen weiter zu reduzieren, wird sie das stark zur Subventionierung der nötigen Endgeräte treiben, denn für das Gehalt auch nur eines Mitarbeiters kann man Hunderte mobile E-Business Online-Kunden fördern. Bei der Bank liegt das sonnenklar auf der Hand, in anderen Bereichen kann man aber ähnliche Kalkulationen machen. Daraus ergeben sich mittelfristig weitere Anforderungen.

weiter mit: Die Bedeutung für das E-Business und die Unternehmen

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