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Alcatel-Lucent-Experten schlagen Finanzierung für Breitband-Rollout vor

Der Wunsch nach Glasfasernetzen drängt, doch wer zahlt?

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Strukturieren macht Sinn

Die erste Unterscheidung, die er trifft, orientiert sich an der Aufteilung in Ballungszentren, Randgebiete und Land. Die Versorgung in den Städten übernehmen wie selbstverständlich Unternehmen wie die Telekom, aber auch Stadtwerke, die Ortsnetze aufbauten, kämen in Frage. Hier braucht sich die Politik nicht einmischen. Auf dem Land aber oder sonstigen weißen Flecken braucht die Erschließung politische Hilfe.

Denn letztlich braucht es in diesen Gebieten, um den Prozess in Gang zu bringen, einen Betreiber mit lokalem Bezug. Dieser Bezug ist wesentlich, da sich damit ein Eigeninteresse verbindet. Somit kommen dafür Kommunen, Stadt-, Gas-, Wasserwerke oder Stromlieferanten in Frage. Die verbesserte Infrastruktur kommt solchen Betreiber durch eine größere Wirtschaftskraft und größerer Attraktivität des Umfelds zugute.

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Dass diese sich die Anbieter passiver Glasfaserinfrastrukturen mit dem Bau in erhebliche Unkosten stürzen, sieht Schröder nicht als Problem. Zum einen können die Netze in der Hand der Erbauer bleiben, so dass sie die Unkosten wieder herein spielen können. Schließlich dient das Netz dem Transport von Diensten, die andere anbieten – Internet, WAN-Services, Telefonie, Broadcasting, Security beispielsweise. Die Vermarktung können andere übernehmen oder auch nicht.

Jedenfalls werden für das Bespielen des Netzes von den Anbietern und deren Kunden Gebühren verlangt. Schröder nennt diesen Teil eines Open-Access-Modells, „die Reichweite und Verfügbarkeit alimentieren“. Er vergleicht ein solches lokales Breitbandnetz mit einem Fernwärmenetz. Dazu komme, dass wenn sich das Netz einmal rentiere, die Einnahmen den Bürgern zugute kämen.

Es gibt ein paar Länder, die vormachen, wie der FTTx-Rollout funktionieren könnte. (Archiv: Vogel Business Media)

„Das sind Marktmechanismen, die funktionieren“, sagt Schröder. Beispiele aus Schweden zeigten, dass sich solche Konstellationen rechneten. Er benennt etwa eine kleine Gemeinde am nördlichen Polarkreis, die jetzt Zugang zu gleich mehreren IP-TV-Angeboten hat. Insgesamt gebe es in dem Land, das weniger dicht besiedelt sei als die Sahara, inzwischen 160 City-Netze.

Auch in Deutschland gibt es bereits ein paar Stadtnetze, in denen die Aufgabenteilung funktionieret: Die Stadtwerke Sindelfingen und Böblingen werden mit Alacatel-Lucent ein Glasfasernetz bauen, das Triple-Play-Breitbanddienste für die Einwohner des Neubaugebiets „Flugfeld Böblingen/Sindelfingen“ bereitstellt. Mit Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde liefern die Stadtwerke Sindelfingen und Böblingen den künftig 7.500 Bewohnern des 80 Hektar großen Neubaugebiets Internet mit der 16fachen Geschwindigkeit eines heutigen DSL-6000-Anschlusses. Auch Telefondienste und Fernsehen erhalten die Bewohner komplett via Glasfaser.

Um generell den Anreiz für Betreiber zu erhöhen oder um mangelnde regionale Orientierung zu ersetzen, und die Zeit bis zur Amortisierung zu verkürzen, dienten Gelder der EU, sowie Förderungen aus den Kassen von Land und Bund. Das habe auch in Schweden gewirkt. Die zum Teil erhebliche Anschubfinanzierung stammte aus EU-Mitteln. „Bei uns hat diese Form der politischen Willensbildung jedoch noch nicht stattgefunden.“

DVPT-Vorstand Wolff ergänzt: „In Finnland werden auch noch zu Höfen, die zehn oder 20 Kilometer auseinander liegen, Breitbandanschlüsse gelegt. Das finanziert der Staat.“

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