Globaler IP-Traffic in vier Jahren bei 1,6 Zettabyte

Datenverkehr wächst bis 2018 auf das Dreifache

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Die Datenexplosion schreitet weiter fort. Cisco zufolge haben Ultra-HD/4K-Video und M2M-Technologien wie Smart Cars einen hohen Anteil daran.
Die Datenexplosion schreitet weiter fort. Cisco zufolge haben Ultra-HD/4K-Video und M2M-Technologien wie Smart Cars einen hohen Anteil daran. (Bild: agsandrew - Fotolia.com)

Gemäß dem Cisco Visual Networking Index 2014 werden die zunehmende Zahl von Internetnutzern und -geräten, höhere Breitbandgeschwindigkeiten und stärkere Videonutzung den weltweiten IP-Datenverkehr in den nächsten vier Jahren um das Dreifache auf 1,6 Zettabyte ansteigen lassen.

Nach Ergebnissen der Studie Cisco Visual Networking Index Global Forecast and Service Adoption for 2013 to 2018 wird sich die Zusammensetzung des IP-Traffics in den kommenden Jahren wesentlich verändern. 2018 werde erstmals in der Geschichte des Internets der Datenverkehr mehrheitlich von Geräten stamme, die keine PCs seien. Die Übertragung per WLAN werde diejenige über feste Leitungen zum ersten Mal übertreffen. HD-Videos werden mehr Daten erzeugen als Standardvideos.

Datenexplosion geht weiter

Cisco zufolge wird in vier Jahren weltweit mehr IP-Traffic über Netzwerke übertragen als in allen bisherigen „Internetjahren“ zusammen. Von 1984 bis 2013 seien insgesamt 1,3 Zettabyte erzeugt worden.

Diese Datenexplosion unterstreichen auch Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Cisco erwartet, dass Video-Streaming und IP-Übertragungen 4,3 Exabyte an Internet-Traffic erzeugen werden. Dies sei dreimal mehr als der monatliche Breitbandverkehr in ganz Brasilien. Alleine die 60.000 Zuschauer pro Spiel würden im Stadion und während der Anreise mehr Daten übertragen als alle Smartphones in Brasilien zu normalen Spitzenzeiten.

Auch das Internet of Everything, das Daten, Objekte, Menschen und Prozesse miteinander verbindet, werde zum Wachstum des IP-Verkehrs wesentlich beitragen. So werde es 2018 fast so viele vernetzte M2M-Module (Maschine-zu-Maschine) wie Menschen auf der Erde geben. Zum Beispiel werde dann jedes Smart Car etwa vier M2M-Verbindungen besitzen.

Ergebnisse für Deutschland

Laut Studie beträgt in Deutschland die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für den IP-Datenverkehr 19 Prozent. 2018 werde jeder Deutsche über sieben vernetzte Geräte verfügen, im Vergleich zu vier im vergangenen Jahr. Der deutsche IP-Verkehr werde von einem auf drei Exabyte pro Monat wachsen, insbesondere wegen der steigenden IP-Nutzung über tragbare Geräte. Der Anteil von übertragenen Daten über das Mobilnetz werde von zwei auf neun Prozent und über das WLAN von 47 auf 50 Prozent anwachsen. Alleine der Traffic über Mobilnetze werde von 2013 bis 2018 um das Zehnfache steigen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 59 Prozent. Der Anteil an Videos am gesamten Internetverkehr werde 2018 in Deutschland 81 Prozent betragen, im vergangenen Jahr seien es 58 Prozent gewesen. Vom gesamten IP-Traffic werden in vier Jahren 47 Prozent von PCs (2013: 77 Prozent), 23 Prozent von TV-Geräten, 25 Prozent von tragbaren Geräten wie Smartphones und Tablets sowie vier Prozent von M2M-Modulen übertragen.

„Die Anforderungen der Nutzer steigen rasant: Schnelligkeit, große Datenmengen, immer und überall verfügbar, lautet die Devise“, kommentiert Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco Deutschland. „Das extreme Wachstum des Datenverkehrs erfordert einen raschen Breitbandausbau der Netzbetreiber und Service-Anbieter in Deutschland, um hier nicht den internationalen Anschluss zu verpassen.“ Cisco zufolge sollte die durchschnittliche Geschwindigkeit bei festen Leitungen sollte in Deutschland bis 2018 auf 56 MBit/s und bei mobilen Verbindungen auf 3,6 MBit/s, steigen. In Schweden werden diese Werte allerdings durchschnittlich bei 85 MBit/s bzw. 5,3 MBit/s und in Japan sogar bei 90 MBit/s bzw. 5,6 MBit/s liegen.

Die folgenden Ergebnisse der Studie stuft Cisco als besonders wichtig ein:

  • IP-Traffic: Mehr als die Hälfte des weltweiten Datenverkehrs wird 2018 über mobile Geräte übertragen. Der von PCs erzeugte Verkehr steigt mit einer jährlichen Wachstumsrate von zehn Prozent, während für andere Geräte und Verbindungsarten die Werte höher liegen. Bei Fernsehgeräten beträgt das jährliche Wachstum des Datenverkehrs 18 Prozent, bei Tablets 74 Prozent, Smartphones 64 Prozent und M2M-Komponenten 84 Prozent.
  • Breitbandverbindungen: Die durchschnittliche Breitbandgeschwindigkeit steigt weltweit von 16 auf 42 MBit/s. 2018 werden 55 Prozent der Breitbandverbindungen schneller als 10 MBit/s sein, in Japan und Südkorea beträgt die durchschnittliche Breitbandgeschwindigkeit dann Ende des Jahres sogar 100 MBit/s.
  • IP-Video: Der Anteil am Gesamtverkehr steigt weltweit von 66 auf 79 Prozent.
  • Netzwerkzugang: Drahtlose Verbindungen erzeugen in vier Jahren 61 Prozent des globalen IP-Traffics, davon WLAN 49 Prozent und Mobilfunk zwölf Prozent. 2013 waren es noch 41 und drei Prozent.
  • Geräte und Verbindungen: Im vergangenen Jahr hatte jeder Mensch durchschnittlich 1,7 vernetzte Geräte, 2018 sind es 2,7. Dann gibt es fast genauso viele M2M-Verbindungen wie Menschen. Die Anzahl der IPv6-fähigen Geräte wird in diesem Zeitraum von zwei auf zehn Mrd. ansteigen.
  • Fortgeschrittene Services: Onlinevideo ist der am schnellsten wachsende lokale Internetservice mit einer jährlichen Rate von zehn Prozent. Location-based Services sind der am schnellsten zunehmende mobile Dienst mit jährlich 36 Prozent. Und der am stärksten steigende geschäftliche Internetservice sind Desktop- und persönliche Videokonferenzen mit 45 Prozent pro Jahr.

Laut Cisco müssen Service-Provider mit folgenden Auswirkungen rechnen:

  • Service-Provider müssen ihre Netzwerke an eine zunehmende Zahl von Geräten wie Tablets, Smartphones und M2M-Komponenten anpassen und dabei erhöhte Sicherheitsmaßnahmen sowie intelligente Funktionen einführen.
  • Die Entwicklung fortgeschrittener Videoservices wie HD und Ultra HD erzeugt neue Anforderungen für Bandbreite und Skalierbarkeit.
  • Die zunehmende geschäftliche Nutzung von Video für HD- und Webkonferenzen sowie Video on Demand treibt die Netzwerkvirtualisierung weiter voran.
  • Das Wachstum bei 4G-Netzen wird noch stärker ansteigen als bisher, da Nutzer bei mobilen Angeboten die gleichen Servicequalitäten erwarten wie auf PCs.
  • IP-Netzwerke müssen intelligent und flexibel genug sein, um die Einführung neuer und aktualisierter Anwendungen für feste und mobile Netze zu unterstützen.

Über die Studie

Die Studie Cisco VNI Global Forecast and Service Adoption for 2013 to 2018 basiert Cisco zufolge auf unabhängigen Vorhersagen von Analysten, realen Messwerten mobiler Datennutzung und eigenen Erhebungen von Cisco zu IP-Datenverkehr und -Services. Sie berücksichtigt das weltweite Datenwachstum über feste IP-Leitungen sowie Servicenutzungstrends und ergänzt den Anfang dieses Jahres herausgegebenen Cisco VNI Global Mobile Data Traffic Forecast.

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