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Glasfaserausbau ist nur mit neuen Allianzen und Wettbewerbern möglich Breitband trifft Energie – ein Synergie- und Konkurrenzkonzept

| Redakteur: Ulrike Ostler

Graben ist teuer. Wird ein Glasfaserkabel verlegt, machen die Tiefbaukosten 70 Prozent und mehr aus – es sei denn, die Straße, der Kanal, die Stromleitung wird ohnehin gebaut. Wie sich Energie- und Kommunikationsversorger die Kosten teilen können, wird es im Oktober auf einer Konferenz diskutiert. Doch die potenziellen Nutzer könnten ihre Breitbanddienste auch direkt vom Energielieferanten beziehen.

Energie- und Kommunikationslieferanten ziehen am selben Strick - aber an unterschiedlichen Enden
Energie- und Kommunikationslieferanten ziehen am selben Strick - aber an unterschiedlichen Enden
( Archiv: Vogel Business Media )

Rund 40 Prozent der Breitbandhungrigen kann sich ernsthaft vorstellen, Internet/DSL-Angebote über einen Stromanbieter zu beziehen; bei Telefonanschlüssen (Festnetz) ist es ein Drittel (32,2 Prozent). Jeder Fünfte (20,3 Prozent) ist zudem bereit, einen Mobilfunkanschluss über seinen Energieversorger zu nutzen.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Marketing Partner in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IMR Institute for Marketing Research. Für die Umfrage wurden im Juli 2009 1.200 Personen im Alter ab 18 Jahren bundesweit repräsentativ über einen Online-Omnibus befragt.

Hintergrund für die Befragung ist, dass der Wettbewerb auf dem Energiemarkt zunehmend an Dynamik gewinnt. Der Stromverbrauch sinkt, die Wechselbereitschaft steigt.

Energieversorger brauchen neue Einnahmequellen

Laut Bundesnetzagentur hat sich 2007 die Anzahl privater Haushalte, die ihren Stromanbieter gewechselt haben auf rund 1,35 Millionen Wechsel etwa verdoppelt. Die Gründe dafür sind im Wesentlichen die gestiegenen Energiepreise sowie die zunehmenden Werbemaßnahmen der Stromanbieter.

Energieversorger stehen damit einerseits vor der Herausforderung, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, die dem Kunden einen Mehrwert bieten, die Attraktivität des Kernproduktes Energie steigern und die Wechselbereitschaft senken. Andererseits gilt es, Produkte und Angebote zu entwickeln, mit denen sich neue Wachstumsfelder erschließen lassen.

Vor diesem Hintergrund sollten Energieversorger beispielsweise über Vertriebskooperationen mit Telekommunikationsanbietern nachdenken und neben reinen Stromtarifen auch Kombinationen aus Strom, Internet/DSL und Telefonie anbieten, befindet die Studie. Damit ließe sich nicht nur die Wechselbereitschaft verringern, sondern auch der Umsatz pro Kunde steigern.

Bislang nur geringes Interesse

Das ist nicht Neues, doch: „Bisher wird diese Möglichkeit von Energieversorgern und Telekommunikationsanbietern allerdings kaum genutzt“, sagt Thomas Wiemers, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts IMR Institute for Marketing Research, „obwohl das Interesse der Verbraucher an solchen Angeboten durchaus besteht.“

Ein großer Knackpunkt stelle jedoch der Vertrieb der neuen Produkte dar. Doch falls dieser funktionierte, gingen die Energieversorger ganz oder zumindest teilweise in Konkurrenz zu den jetzigen Kommunikationslieferanten. So könnten sie Glasfaserkabel oder bereitgestellte Leerrohre vermieten und ihre Netze auf den Einsatz von intelligenten Zählern (Smart Meter) vorbereiten.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, denk eher an eine Kooperation: „Wirtschaftspolitisch wäre es ein großer Fortschritt, wenn die verschiedenen Branchen sich ihre Kosten teilen würden.“ Die Synergien einer gemeinsamen Nutzung bestehender Energieinfrastrukturen für den Breitbandausbau zu heben, ist auch eine Maßnahme der Breitbandstrategie des Bundesregierung, mit der eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen gewährleistet werden soll.

Die Konferenz „IKT meets Energie“

Am 7. und 8. Oktober wird es in Mainz eine Euroforum-Konferenz „Glasfaseranschlüsse - IKT meets Energie“ geben, auf der die Potenziale

für Energieversorger und Kabelnetzbetreiber durch gemeinsame Infrastrukturprojekte erörtert werden sollen. Neben neuen Verlegetechniken von Glasfaserkabeln werden die Kostenvorteile bei gemeinsamen Baumaßnahmen vorgestellt.

Besonders für Stadtwerke ergeben sich durch den Aufbau von Datenautobahnen in noch schlecht versorgten Gegenden neue Geschäftsfelder. So bauen die Stadtwerke Schwerte zurzeit ein Glasfasernetz in Schwerte und Umgebung und bieten neben Strom, Gas und Wasser auch Telefonie, Internet und Kabel-TV an. Dirk Mannes von den Stadtwerken Schwerte stellt das Glasfaserprojekt in Schwerte vor und erläutert die neuen Bündelprodukte seines Unternehmens.

Erna-Maria Trixl von dem Unternehmen LEW Telnet GmbH zeigt hingegen die Wechselwirkungen zwischen dem Glasfaseraufbau und Smart Mettering anhand eines Pilotprojekts auf.

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