Mehr Transparenz im Weitverkehrs-Datennetz

Advanced Monitoring Features im SD-WAN

| Autor / Redakteur: Thomas Rettig / Andreas Donner

Gerade in Umgebungen mit SD-WAN-Infrastrukturen ist das detaillierte Monitoring der Weitverkehrsverbindung sinnvoll.
Gerade in Umgebungen mit SD-WAN-Infrastrukturen ist das detaillierte Monitoring der Weitverkehrsverbindung sinnvoll. (Bild: MPC Service)

Die intelligenten Analyse- und Routingmechanismen im SD-WAN ermöglichen eine detaillierte Identifikation von WAN-Verkehrsströmen im Kundennetz. Welche Erkenntnisse können Kunden hieraus gewinnen und wie kann dadurch der WAN-Betrieb optimiert werden?

Der Markt im SD-WAN Umfeld ist inzwischen geprägt von einer großen Vielfalt und beständig wachsenden Anzahl von Herstellern und deren individuellen Lösungen. Eine hohe Dynamik und starker Wettbewerb, getrieben durch stetig wachsendes Kundeninteresse an SD-WAN-Lösungen und der vorherrschenden Konkurrenz der Hersteller untereinander, definieren den Markt und dessen rasante Entwicklung.

Die Anforderungen an intelligente, gemanagte WAN-Plattformen, ausgestattet mit größtmöglicher Flexibilität, steigen Tag für Tag. Die Treiber für diese Entwicklung und Trends begründen sich sowohl in dem starken Wettbewerb der Plattform-Anbieter untereinander, als auch durch die immer weiter wachsenden Anforderungen und Erwartungshaltungen der Unternehmen bzw. deren IT-Departments.

Trendentwicklung im ITK-Markt

Im IT- und TK Markt gibt es aktuell einen deutlichen Trend: Die Anzahl von Cloud-Services wird weiterhin stark steigen. Parallel dazu werden sich die Applikationslandschaften innerhalb von Unternehmen ebenfalls vergrößern. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Themen wie Visibility und Monitoring im WAN-Umfeld erheblich an Bedeutung gewinnen werden und gewinnen müssen.

Visibility und detailliertes Monitoring bilden die Basis für die Entwicklung von Business Continuity- und Capacity-Management-Strategien innerhalb eines Unternehmens. Zudem helfen sie WAN-Administratoren, Beeinträchtigungen und Störungen im WAN-Betrieb zu erkennen und ggf. zielgerichtet Maßnahmen zu ergreifen oder zu entwickeln, um diese zu beheben. Dies gilt sowohl für die Betrachtung und Auswertung von Echtzeitdaten, als auch für die Möglichkeit der rückwirkenden Betrachtung und Auswertung historischer Daten des SD-WAN Traffics.

Wie erfolgte das Monitoring im Datennetz bei herkömmlichen WAN-Plattformen

In der Vergangenheit, zu Zeiten von reinen MPLS- oder IP-Sec-VPNs, hatten IT-Administratoren bereits die Möglichkeit, bestimmte Performanceindikatoren auf den einzelnen Links abzurufen und auszuwerten. In der Regel hatte man über einen lesenden SNMP-Zugang (Simple Network Monitoring Protocol) Zugriff auf Informationen wie Datendurchsatz, Latency, Packet loss und Jitter der jeweiligen Connectivity des Standortes an das WAN. Ergänzend oder alternativ verfügte der Administrator über ein Performance-Monitoring-Portal seines Providers, was jedoch in der Regel keine Daten in Echtzeit, sondern lediglich historische oder aggregierte Daten liefern konnte.

Basierend auf diesen Informationen konnten Administratoren Performance-Schwellenwerte identifizieren und definieren, die ggf. zu einer Beeinträchtigung des WAN-Betriebes bzw. der Performance bestimmter Applikationen führten und automatisch eine entsprechende Warnung auslösten.

Nicht erkennen ließ sich allerdings, was womöglich die Ursache der Performancebeeinträchtigung war und wie man diese ggf. identifizieren könnte. An dieser Stelle begannen eine aufwändige und eventuell zeitintensive Ursachenforschung und Entstörung. Schließlich kann eine Störung an verschiedenen Stellen auftreten oder unterschiedliche und vor allem mehrere Ursachen haben. Handelt es sich um ein Leitungsproblem? Liegt ein Hardwaredefekt vor? Verursacht eventuell ein bestimmter User durch Streaming oder einen größeren Download eine Bandbreitenauslastung, die die anderen Applikationen ausbremst und verlangsamt? Gibt es eventuell ein Problem mit dem Server?

Detaillierte Informationen über seine Applikationen und seinen WAN-Traffic zu erhalten, war in diesem Zusammenhang in der Regel lediglich über den Einsatz von zusätzlicher Monitoringsoftware von Drittanbietern (z.B. NetDialog, Infovista oder anderen) zu erlangen.

Diese Tools sind kostenintensiv und zudem muss der auszuwertende Traffic über einen Kollektor gesammelt und aufbereitet werden. Dies verursacht jedoch zusätzlichen Aufwand bezüglich Installation der Software und des Kollektors für Unternehmen und Provider. Ohne diese Advanced Monitoring Features blieben die Verantwortlichen für das WAN meistens jedoch blind und verschwendeten viel Zeit mit aufwändiger Entstörung.

Möglichkeiten mit Advanced Monitoring im SD-WAN

Im Vergleich zu den traditionellen WAN-Lösungen bietet SD-WANs intelligente Mechanismen basierend auf künstlicher Intelligenz (KI). Diese erlauben sowohl das parallele Management multipler WAN-Links an einem Standort, als auch die Performance der einzelnen WAN-Links zu überwachen und auszuwerten. Zusätzlich kann der Traffic nach definierten Regeln, Schwellenwerten oder Applikationen über die jeweiligen WAN-Links transportiert werden. Dafür greift das SD-WAN auf verschiedene Technologien und Protokolle (Deep Packet Inspection, NetFlow, JFlow, IP Flow Information Export, Network-Based Application Recognition, Performance Routing) zurück.

Sämtliche Performance und Applikationsinformationen, die die SD-WAN-Intelligenz gewinnt, werden in einem vom Hersteller oder im Falle eines gemanagten SD-WANs vom Provider für den Kunden in einem dedizierten Portal aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Die Informationen und die Erkenntnisse, die ein Unternehmen aus diesen Daten und deren aufbereiteter Darstellung gewinnen kann, sind im täglichen WAN-Betrieb ein erheblicher Mehrwert. Sowohl für den IT-Administrator, der für den WAN-Betrieb verantwortlich ist, als auch für das Unternehmen an sich, das die gewonnenen Informationen strategisch in Bezug auf WAN-Kosten- und Leistungsoptimierung nutzen kann.

Je nach Hersteller und Plattform bieten die Lösungen verschiedenste Features und Darstellungsoptionen. In der Regel zeigen die Plattformen eine detaillierte Übersicht über alle Standorte inkl. Geräten und WAN-Links, die ein Unternehmen im Einsatz hat und können in Echtzeit den jeweiligen Status einer Hardware oder eines einzelnen Links darstellen. Ein Ausfall oder eine Servicebeeinträchtigung eines Standortes lassen sich direkt auf den ersten Blick erkennen, weiterverfolgen und vertiefen.

Möchte sich ein Administrator einen Standort oder einen Link im Detail anschauen, kann er dies durch einen gezielten Klick auf der Oberfläche in Echtzeit tun. Je nach Einstellung kann er sich die Top-Applikationen und Top-Talker im Netz oder am Standort darstellen lassen. Sofortiger Erkenntnisgewinn über Trafficflow (Source, Destination) und Trafficauslastung der Leitung ist abrufbar. Störungen lassen sich dadurch in Echtzeit identifizieren und beheben.

Anwendungsbeispiel aus dem täglichen Betrieb

An dieser Stelle kommen wir noch einmal auf das Beispiel des einzelnen Users, der durch Streaming z.B. eines Schulungsvideos die komplette Leitungsperformance und Bandbreite für sich in Anspruch nimmt und das Weiterarbeiten seiner Kollegen erheblich behindert. Dies ist zum einen ärgerlich für die Kollegen und zum anderen sehr unwirtschaftlich für das Unternehmen.

In solch einem Fall hat der IT-Administrator nun die Möglichkeit, sich in Echtzeit die Daten des oder der Links am betroffenen Standort anzuschauen und die Beeinträchtigungsquelle zu identifizieren. Durch gezieltes Shaping des Users bzw. der Applikation wird das Problem umgehend behoben. Dies ist ein simples Anwendungsbeispiel, das den Mehrwert von intelligenten Monitoringfeatures der SD-WAN Lösungen für Unternehmen beschreibt.

Darüber hinaus liefern SD-WAN Plattformen noch zahlreiche weitere interessante und nützliche Monitoring und Reporting Funktionen, die Administratoren und Unternehmen die Gewinnung von Informationen und daraus resultierend die Entwicklung von Optimierungspotentialen ermöglichen. Dies erlaubt sowohl Performanceoptimierungen im WAN als auch die IT-Strategieentwicklung oder -Optimierung in Anbetracht kommerzieller Aspekte.

Thomas Rettig.
Thomas Rettig. (Bild: MPC Service)

Fazit und Ausblick

Visibility und Monitoring im WAN wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Administratoren, sowie das Management eines Unternehmens, können von den Vorteilen moderner Monitoring Features signifikant profitieren. Zusätzlich haben auch die Hersteller und Betreiber von SD-WAN-Plattformen mittels dieser Technologien die Möglichkeit, sich im Markt vom Wettbewerb zu differenzieren und abzuheben.

Über den Autor

Thomas Rettig ist Senior Account Manager beim Carrierspezialist MPC Service in Heidelberg. Sein fachlicher Fokus liegt auf großen nationalen und internationalen Standortvernetzungen.

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