Per Highspeed-Ethernet-MAN mischt wilhelm.tel den City-Carrier-Markt auf

10-Gigabit-Backbone für IPTV in Hamburg

10.12.2007 | Autor / Redakteur: Georg von der Howen / Andreas Donner

Die BlackDiamond-Familie von Extreme Networks
Die BlackDiamond-Familie von Extreme Networks

Der Carrier wilhelm.tel aus Norderstedt versorgt über sein 10-GBit-Ethernet-MAN mehr als 70.000 Wohnungen im Großraum Hamburg mit Internet, Telefonie und Kabelfernsehen. Ermöglicht hat dies die Erweiterung des bestehenden Ethernet-Netzes um 10-Gigabit-Ethernet-Switches aus der BlackDiamond-12000-Serie von Extreme Networks.

Schon seit dem Jahr 2001 setzt der City-Carrier wilhelm.tel aus Norderstedt in der Nähe von Hamburg auf Gigabit-Ethernet, um seine Kunden im Stadtbereich mit performanten Internetdiensten und Telefonie zu versorgen. Denn damals hatte das ATM-basierende Netz mit 155 MBit/s im Backbone seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Um weitere Geschäfts- und Privatkunden mit Breitband-Internet versorgen zu können, musste sich das Tochterunternehmen der Stadtwerke Norderstedt entscheiden: „Zur Debatte standen entweder eine Aufrüstung des ATM-Netzes auf 622 MBit/s oder ein komplett neues Netzwerk auf Basis von Gigabit-Ethernet“, erinnert sich Heiko Liebscher, CTO von wilhelm.tel, zurück. „Und da ATM komplizierter, pflegebedürftiger und vor allem teurer als eine reine Ethernet-Lösung war, fiel uns die Wahl nicht schwer.“

Als Ausrüster verpflichtete das Unternehmen den Infrastrukturanbieter Extreme Networks, der in Norderstedt ein ringförmiges Ethernet-MAN mit zwölf Points of Presence (POP) und drei GBit/s-Backbone-Ringen aufbaute. Heute betreibt wilhlem.tel in der Region 21 POPs. Und bietet seinen Kunden damals wie heute vollwertige Ethernet-Anschlüsse mit bis zu 100 MBit/s als Internetzugang – Geschäftskunden können sich heute sogar mit bis zu 10 GBit/s ans Internet anbinden lassen. Bandbreitenengpässe wie bei DSL-Verbindungen kennt man in Norderstedt daher nicht.

Vom Kabelfernsehen zum Multimedia-Netzwerk

Als wilhelm.tel im Jahr 2005 von mehreren Wohnungsbaugenossenschaften den Auftrag erhielt, über 70.000 Hamburger Wohnungen mit Multimedia-Diensten zu versorgen war klar, dass man auch dieses Mal auf Ethernet als Transportmedium setzten würde: „Unser Grundsatz lautet, dass wir die modernste Infrastruktur besitzen wollen, und zwar mit dem passenden Medium für unsere hochwertigen und innovativen Inhalte. Und das Medium ist für uns Ethernet“, so Liebscher.

Gemeinsam mit dem Partner Extreme Networks baute der City-Carrier dann ein eigenes Ethernet-Backbone zur Anbindung von Hamburg an Norderstedt auf. Zum Einsatz kamen dabei zum ersten Mal im Triple-Play-Umfeld die Provider-Aggregation-Switches vom Typ BlackDiamond 12000, die unter dem modularen und offenen Betriebssystem ExtremeXOS arbeiten. In den POPs setzte der City-Carrier zudem auf Stacks aus Aggregation-Switches der Summit-X450-Serie. Heute sind insgesamt neun POPs in Hamburg über 10-GBit-Ethernet-Ringe miteinander verbunden und bilden so das leistungsfähige Backbone.

Fernsehen mit Köpfchen

Die Versorgung der Hamburger mit attraktiven Fernsehprogrammen übernimmt dabei eine digitale TV-Kopfstation in Norderstedt, die 58 analoge und 229 digitale Programme per Satellit empfängt. Diese speist der Provider als IP-Stream in sein 10-Gigabit-Ethernet-Netzwerk ein. Die redundanten Core-Switches senden die Datenströme wiederum per IP-Multicast an die POPs (Sub-Headend), wo sie dann in das neugebaute HFC-Netzwerk eingespeist werden.

Mit rund 3,4 GBit/s an Bandbreite ist heute ein Ethernet-Ring mit den IP-TV-Signalen belegt. Ein paralleler Ring sorgt für den Transport der Internet- und Telefonie-Daten. „Reines IP-TV in dieser Größenordnung gibt es heute noch nicht“, erklärt Heiko Liebscher. „Aber mit dieser Methode könnten wir theoretisch ganz Deutschland mit über 280 Fernsehkanälen per Ethernet beliefern.“

Welches Programm dabei der einzelne POP in das jeweilige Kabelnetz einspeist, kann der Betreiber frei wählen. So lassen sich beispielsweise auch regional unterschiedliche Programmangebote aus dem Backbone-Feed zusammenstellen. Für einzelne Spartenkanäle mit relativ wenigen Zuschauern bietet es sich zudem an, diese aus dem großen MPEG-Strom herauszunehmen und parallel als reinen IP-Stream bis in die jeweilige Wohnung des Kunden zu übertragen. Dort laufen dann Kabel-TV und IP-TV in einer Settopbox zusammen.

Zuschauer als Netzwerk-Monitor

Zwingt die Unterbrechung einer WAN-Verbindung einen Backbone-Switch zur Änderung des Transportwegs, mag der Kunde eine kleine Verzögerung beim Aufbau einer Webseite noch verzeihen – eine Unterbrechung eines Telefonats oder der Lieblingssendung im Abendprogramm ist dagegen nicht akzeptabel.

Verhindert werden derartige Probleme über das Ethernet Automatic Protection Systems (EAPS) der Switches von Extreme Networks, das im Gegensatz zum Spanning-Tree-Protokoll auch über weite Distanzen für Umschaltzeiten unter 50 Millisekunden sorgt. EAPS wurde von Extreme Networks selbst entwickelt und ist seit 2003 als RFC 3619 ein offener Standard.

Gleichzeitig ermöglicht es die Ring-Topologie des Gigabit-MANs in Verbindung mit der offenen Architektur des Betriebssystems ExtremXOS, dass wilhelm.tel seinen Geschäfts- wie Privatkunden heute eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent garantieren kann.

Ausbaupläne

Aktuell ist wilhelm.tel dabei, auch sein Core mit vier BlackDiamond 12000 auszurüsten, um die älteren Geräte der 6800-Serie ablösen. Hamburg und auch Schleswig-Holstein sind für die ehrgeizigen Expansionspläne von wilhelm.tel nicht tabu. Es werden bereits weitere Gebiete an den Backbone angeschlossen – natürlich auch über das kostengünstige wie flexible Ethernet von Extreme Networks.

Über den Autor

Georg von der Howen ist freier Journalist in München.

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