Überlegungen zum Netz der Netze

Wie entwickelt sich das Internet?

| Autor / Redakteur: Hon Kit Lam / Andreas Donner

Es wird eng im Internet – Dienste, Geräte und Nutzer buhlen um Bandbreite.
Es wird eng im Internet – Dienste, Geräte und Nutzer buhlen um Bandbreite. (Bild: © NOBU - stock.adobe.com)

Das Datennetz von Tata Communications – die einzige von Menschen erschaffene Struktur, die den gesamten Globus umfasst – stemmt 28 Prozent aller Internetübertragungen. Dies versetzt Tata in die privilegierte Position, zu verstehen, was im Internet vor sich geht. Und die Daten aus 2017 fördern einige interessante Trends zutage.

Das Internet und Technologien, wie Cloud-Computing, vernetzte Kommunikation, virtuelle Realität und Smart Home, die damit einhergehen, durchdringen heute alle unsere Lebensbereiche. So ist es wohl nicht überraschend, dass auch der SSL-Datenverkehr wächst und 2017 sogar der Bereich mit dem größten Wachstum ist, während HTTP im Jahr zuvor das größte Wachstum verzeichnete.

Video dagegen braucht die meiste Bandbreite, angetrieben durch Anwendungen wie Skype im Business Bereich und Streaming-Dienste wie Netflix. Zusätzlich beobachtet man bei Tata eine Verschiebung hinter den Kulissen der Medienindustrie: Es gibt einen Wechsel weg vom traditionellen Kabel- und Satellitenfernsehen hin zu Programminhalten, die über Cloud oder IP-Dienste verbreitet werden.

Um das kontinuierlich wachsende Video-Aufkommen in Relation zu setzen, hier eine Schätzung von Cisco: Danach würde ein Mensch 5 Millionen Jahre benötigen, um die Video-Inhalte anzusehen, die bis 2020 jeden Monat weltweit über IP-Netzwerke laufen.

Internetfähige Anwendungen bauchen dabei zwar nicht so viel Bandbreite, aber allein die wachsende Anzahl der ans Internet angeschlossenen Geräte lässt ebenfalls den Internet-Verkehr wachsen. Durch immer neue smarte Geräte, aber auch durch normale, zunehmend netzwerkfähige Dinge des Alltags wie Kleidung, Elektrogeräte, Betriebseinrichtungen und Energieversorgungsnetzte, die alle mit dem Internet verbunden sind, wird der Datenverkehr unaufhaltsam wachsen.

Der Aufstieg des Instant-Messagings

Auch die Art, wie wir mit unseren Mitmenschen in Verbindung bleiben, hat sich durch das Internet verändert. Gewiss ist die SMS über die Jahre ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Lebens geworden, aber noch schneller haben sich Internet Messaging-Anwendungen wie WhatsApp und WeChat verbreitet und etabliert. Und das Aufkommen von Instant-Messaging im Netz wächst immer noch jährlich um das Dreifache, wenn man die letzten vier Jahre betrachtet.

Trotzdem macht Instant-Messaging einen eher kleinen Prozentsatz des gesamten Traffic-Aufkommens im Netz aus, weil es sich dabei meist um Textnachrichten mit geringem Datenvolumen handelt – auch, wenn inzwischen eine Menge Bilder und Videos geteilt werden.

Aber das enorme Wachstum von IM-Traffic in den letzten Jahren zeigt, dass Instant-Messaging Apps eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben spielen werden. WeChat hat heute bereits über 900 Millionen Nutzer. Der Dienst war zwar ursprünglich in China als reine Messaging App gestartet, ist aber inzwischen eine umfangreiche Internetplattform, die um viele Funktionen erweitert wurde. Nutzer können über die App beispielsweise einkaufen, Überweisungen tätigen, Taxis buchen, Kino-Tickets reservieren, Arzttermine ausmachen oder über geschlossene Gruppen am Arbeitsplatz zusammenarbeiten.

Wendepunkt für die Internetsicherheit

Es ist ermutigend zu sehen, dass mit der wachsenden Nutzung von internetfähigen Anwendungen auch Sicherheitslösungen wichtig werden – für Unternehmen ebenso, wie auch für private Nutzer. So ist 2017 zum ersten Mal das mit dem SSL-Protokoll verschlüsselte Datenaufkommen stärker gewachsen (39,7 %) als das unverschlüsselte HTTP (34,9 %).

Das HTTP Protokoll, von Sir Tim Berners-Lee und seinem Team bei CERN in den späten Achtzigern entwickelt, definiert, wie Nachrichten formatiert und übermittelt werden können, was seinerzeit die Grundlage für die Nutzung des World Wide Web bildete. Während Nutzer über die Jahre hinweg immer mehr persönliche Informationen über das Internet austauschen, sind auch Cyberkriminalität und Hackerangriffe gewachsen. Wenn Nachrichten mit HTTP übertragen werden, so ist es theoretisch möglich, dass Dritte mitlesen. HTTPS-Datenübertragungen sind dagegen sicher und HTTPS ist derzeit das maßgebende Übertragungsprotokoll für das Internet.

Der Aufstieg von HTTPS erklärt sich durch ein größeres Sicherheitsbewusstsein unter Internetnutzern und Service Providern. Sogar die einfache Google-Suche ist inzwischen verschlüsselt und Entscheidungen von Facebook, Twitter und Netflix zeigen, dass die Tage von unverschlüsseltem HTTP gezählt sind. Bei Tata erwarten man, dass der HTTP Traffic bis 2020 nahezu völlig verschwunden oder zumindest sehr gering sein wird.

Das Internet als Angriffsziel

Im gleichen Maß wie Nutzer sicherheitsbewusster werden, nehmen Cyberattacken wie DDoS-Angriffe (Denial of Services, also absichtlich herbeigeführte Serverüberlastung) zu. DDoS-Angriffe werden über eine Flut von gehackten Endgeräten realisiert, die dann Schwachpunkte im Netz angreifen – oft ist das eine Webseite. Die infizierten Geräte werden in Botnets verwandelt, die Traffic erzeugen, das Ziel mit Daten überfluten und schließlich das Netzwerk zum Stillstand bringen. Diese Angriffe werden meist ausgeführt, um Geld zu erpressen, sind aber auch manchmal politisch motiviert oder einfach nur bösartig.

2017 habt Tata drei große Angriffe auf sein Netzwerk erlebt, bei denen ein riesiges Aufkommen eingehender Daten verzeichnet wurde. Bevor diese Massen allerdings Schaden anrichten konnten, hat eine DDoS-Überlastungslösung Alarm geschlagen, das Netz vom Spam gereinigt und so die Teilnehmer geschützt.

Mit dem Internet der Dinge und der wachsenden Nutzung von internetfähigen Endgeräten wird die Gefahr von DDoS-Angriffen in den kommenden Jahren ansteigen und die Art der Angriffe wird raffinierter werden.

Die vernetzte Gesellschaft

In gewisser Weise bestätigen die Datentrends im Tata-Netzwerk etwas, das wir schon wussten: Das Internet ergreift immer mehr Besitz von unserem täglichen Leben und allem, was wir tun – zu Hause, bei der Arbeit und in der Öffentlichkeit.

Das Wachstum des Internetverkehrs zeigt sicherlich, wie unser Leben sich durch internetfähige Geräte verbessert. Wir können Musik und Filme überall abrufen und genießen. Kontakte pflegen, der Austausch von Erfahrungen und Informationen mit Freunden, Familie und Kollegen, egal ob fern oder nah, war niemals einfacher. Ebenso hat das Internet den Weg geebnet, für eine digitale Wirtschaft und neue Geschäftsmodelle wie bspw. Airbnb und Deliveroo.

Hon Kit Lam.
Hon Kit Lam. (Bild: Tata Communications)

Aber mit der Verbreitung des Internets wächst auch die Gefahr von Cyber-Attacken. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nachlässig werden, sondern unsere mehr und mehr vernetzte Welt kontinuierlich mit innovativen Sicherheitslösungen schützen, um den positiven Nutzen des Internets privat und wirtschaftlich vollständig ausschöpfen zu können.

Über den Autor

Hon Kit Lam ist Vice President Global IP und Managed Network Services bei Tata Communications.

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