Ähnlicher Ansatz – unterschiedliche Konzepte

Was steckt hinter SDN und NFV?

| Autor / Redakteur: Frank Kölmel / Andreas Donner

Frank Kölmel erläutert die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen SDN und NFV.
Frank Kölmel erläutert die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen SDN und NFV. (Bild: Brocade)

Zwei der derzeit am heißesten diskutierten Begrifflichkeiten der Netzwerkbranche sind Software-Defined Networking (SDN) und Networks Functions Virtualization (NFV). Bei der Abgrenzung der beiden Themen herrscht jedoch ein babylonisches Sprachgewirr. Oder handelt es sich um zwei identische Konzepte für unterschiedliche Zielgruppen?

Viele der Unsicherheiten im Umgang mit den beiden Begrifflichkeiten beruhen auf den drei Gemeinsamkeiten von SDN und NFV:

  • Entstehungszeitraum: Beide Konzepte entstanden in einem ähnlichen Zeitraum.
  • Kompatibilität: SDN und NFV können gemeinsam eingesetzt werden.
  • Virtualisierung: Eine Vielfalt neuer flexibler Technologien wird eingesetzt.

Vor allem Cloud-Service-Betreiber setzten schon früh auf beide Konzepte, da hier die Vorteile der Flexibilität durch schnelle Skalierbarkeit und damit auch Vorteile auf der Kostenseite am deutlichsten hervortreten.

Virtualisierung mit unterschiedlichen Ansätzen

SDN stellt eine Weiterentwicklung von Netzwerkarchitekturen dar, da hier eine Software-Abstraktionsschicht über die physische Netzwerkinfrastruktur gelegt wird. So entstehen Funktionen auf der Control Plane, die von der Data Plane und der diskreten, physischen internen Steuerungsebene der Netzwerkgeräte getrennt sind. Durch die programmierbare Steuerung ist das Netzwerk agiler und lässt sich besser verwalten. Die Vorteile von SDN kommen somit vor allem bei schnell wachsenden Netzwerken zum Tragen.

Bei NFV hingegen werden Netzwerkprozesse, die traditionell mit spezieller proprietärer Hardware verbunden waren, in virtualisierte Softwareplattformen umgewandelt, die auf Standard-Hardware – meist x86-Servern – läuft. Diese Funktionen können je nach Bedarf im Netzwerk skaliert werden, ohne die zeitliche Verzögerung und ohne die Kosten, die bei der Installation neuer Hardware normalerweise entstehen. NFV zielt damit auf die Vereinfachung und Skalierbarkeit der IT-Infrastruktur ab. Auch ermöglicht NFV schnelle und preisgünstige Funktions-Upgrades. Die Leistungsfähigkeit des Netzwerkes kann binnen kürzester Zeit gesteigert werden, ohne dass ein tage- oder wochenlanger Umbau der IT-Architektur erforderlich ist.

NFV stellt also den Übergang in ein neues Zeitalter von flexibleren und leistungsfähigeren Netzwerkarchitekturen dar, wohingegen SDN auf eine abstrakte Art das gesamte Netzwerk verwaltet und kontrolliert.

SDN als ein Wachstumsfaktor für wirtschaftlichen Erfolg

Die Trennung von Control Plane und Forwarding Plane bedeutet aber nicht nur für das Netzwerkdesign einen grundsätzlichen Wandel, sondern bringt auch für denjenigen Veränderungen, der für das Design des Netzwerks verantwortlich ist.

Denn neben den bereits etablierten Anbietern drängen jetzt verstärkt kleinere Anbieter auf den Markt, die sich eigenständig um das Netzwerkdesign kümmern können. Eine Vielzahl von Neuentwicklungen entsteht aus Open-Community-Projekten. Auch neue Protokolle wie OpenFlow werden von einer großen Anzahl an Usern adaptiert und seit Gründung der Open Networking Foundation auch von allen großen Playern der Branche weiterentwickelt. Brocade bietet hier mit seiner Vyatta-Plattform eine durchgängige Lösung, die sowohl SDN als auch NFV durch Open-Standards und Open-Source-Technologie unterstützt. Für die IT bedeutet dies eine größere Flexibilität.

Mit SDN sind Anpassungen der Netzwerkstruktur Teil des Unternehmenswachstums – und nicht wie bisher Stolpersteine auf dem Weg zu wirtschaftlichem Erfolg und Innovationen.

NFV ist schneller und preiswerter als aktuelle Netzwerktechnik

Mit NFV werden Funktionen, die bisher über teure und spezielle Hardware gesteuert wurden, von NFV-fähigen Geräten übernommen. Anstatt Rechenzentren mit Unmengen hochspezialisierter Hardware zu bestücken, wird beim NFV-Modell auf leistungsstarke, kostengünstige Serverhardware zurückgegriffen, die von der Organisation wesentlich schneller aufgestellt und aktuell gehalten werden kann und nicht zuletzt durch ihre Geschwindigkeit punktet. Das stundenlange oder sogar wochenlange Aufbauen spezialisierter Hardware gehört somit der Vergangenheit an.

Auch der Kauf von Hardware „auf Vorrat“ für ein eventuelles Wachstum des Unternehmens bzw. der IT-Infrastruktur ist nicht mehr erforderlich. Dies wirkt sich auch positiv auf die Kostenseite des Unternehmens auf: Neben geringeren betrieblichen Gesamtaufwendungen sinkt beim NFV-Modell auch der Investitionsaufwand. Zudem verringern sich die laufenden Kosten für Räumlichkeiten, Energie und Kühlung durch den Einsatz von leistungsstarken virtualisierten Servern.

MIT SDN und NFV zu agileren Netzwerkstrukturen

Virtualisierung ist inzwischen eine etablierte Technologie und Unternehmen denken vermehrt darüber nach, SDN oder NFV einzusetzen. Erster Schritt auf dem Weg zur Virtualisierung sollte immer sein, einen Anbieter für eine „inkrementelle“ Beratung auszuwählen und gemeinsam zu evaluieren, welcher der beiden Ansätze am besten zu den Unternehmenszielen passt.

Bevor eine zum Geschäftsmodell passende SDN- oder NFV-Lösung ausgewählt wird, sollte zudem die bestehende Infrastruktur von einem Experten bewertet werden. Wichtig ist auch: mittel- und langfristige Ziele sollten in die Roadmap mit einbezogen werden, damit die IT-Architektur nicht nach 18 Monaten wieder ausgetauscht werden muss.

Denn auch wenn SDN und NFV zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für jede Organisation die passenden Konzepte sind, die damit verbundenen Vorteile sind offensichtlich – und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken über eine mögliche Umsetzung zu machen.

Über den Autor

Frank Kölmel ist Senior Director für die Region EMEA-CENTRAL und als solcher zuständig für den Ausbau der Marktpräsenz von Brocade und die enge Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern. Mit der Vyatta Plattform geht das Unternehmen derzeit den branchenweit ersten Schritt in Richtung einer Open Networking-Strategie.

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