Definition

Was ist Intent-based Networking?

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

(© aga7ta - Fotolia)

Das Paradigma eines Intent-based Networking soll Administratoren entlasten und agilere Netze ermöglichen. Die werden nicht mehr fehlerträchtig über Parameter konfiguriert, sondern passen sich selbstständig Geschäftszielen an.

Intent-based Networking mausert sich aktuell zum nächsten großen Trendthema in der Netzwerkwelt. Dabei sind Begriff und Definitionen derzeit noch nicht in Stein gemeißelt und unterscheiden sich abhängig von Anbieter oder Analystenhaus.

Definition zwischen Software und Modell

Gartner spricht von einer Art Software für das Lifecycle Management von Netzwerken. Die helfe, Infrastrukturen zu planen, zu implementieren und zu betreiben – um so Verfügbarkeit und Agilität zu steigern. Statt einer Software erkennt IDC derweil ein Modell für ergebnisorientierte Netzwerksysteme, das sich automatisch an dynamische Geschäftsziele oder IT-Vorgaben anpasst.

Klar ist: Hinter Intent-based respektive Intent-driven steckt weniger ein fertiges Produkt als eine Herangehensweise. Den Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes beschreibt dabei das englische Wort „Intent“ – das sich mit Ziel, Absicht oder Vorhaben übersetzen lässt.

Anders als beim herkömmlichen, präskriptiven Ansatz konfigurieren Administratoren dabei nicht mehr manuell, detailliert und zeitaufwändig, „wie“ Verbindungen über einzelne Adressen, Ports und Protokolle zustande kommen. Stattdessen geben IT-Verantwortliche nun vor, „was“ das Netzwerk leisten soll. Intents umfassen dabei Application Service Level, operative Prozesse sowie Security oder Compliance Policys. Konkret könnte eine solche Vorgabe etwa lauten: „Sorge dafür, dass VoIP-Verbindungen stets störungsfrei laufen.“

Laut Gartner muss ein vollständiges Intent-Based Networking System hierfür folgende vier Schlüsselkriterien erfüllen:

  • Übertragung und Gültigkeitsprüfung: Das System nimmt ein übergeordnetes Geschäftsziel (Was soll erreicht werden?) entgegen, wandelt es in eine entsprechende Netzwerkkonfiguration (Wie soll es erreicht werden?) und prüft das Ergebnis algorithmisch auf Korrektheit.
  • Automatisierte Implementierung: Das System wendet die nötigen Netzwerkkonfigurationen über eine existierende Infrastruktur an; das geschieht über eine Lösung zur Netzwerkautomatisierung respektive -orchestrierung.
  • Awareness: Dem System ist der Echtzeit-Status des Netzwerks bekannt, unabhängig vom verwendeten Protokoll und auch über heterogene Infrastrukturen hinweg.
  • Absicherung und dynamische Optimierung/Nachbesserung: Das System prüft fortlaufend und in Echtzeit, wie gut das ursprüngliche Geschäftsziel umgesetzt wird und nimmt bei Bedarf Anpassungen vor – blockiert beispielsweise Traffic, ändert Netzwerkkapazitäten oder verschickt Benachrichtigungen.

Einordnung: Zwischen Konglomerat, Komponente und Plattform

Intent-based Networking lässt sich schwerlich isoliert betrachten. Gartner beschreibt Automatisierungs- und Orchestrierungslösungen als Bestandteile des Ansatzes. Netzwerkausrüster Huawei charakterisiert „Intent-Driven Networking“ als Zusammenspiel automatischer Netzwerkkonfiguration, prädiktiver Analytics sowie intelligenten Betriebs und Managements samt fortlaufender Verifizierung und Optimierung. Anbieter Juniper Networks verortet das Intent-basierte Konzept selbst eher als zusätzliche Funktion von Lösungen für Verwaltung und Kontrolle von Software-Defined Networking.

IDC beschreibt derweil eine Zukunft, in der Intent-basierte Lösungen als offene Plattform fungieren, um weitere IT- und Geschäftsanwendungen – auch außerhalb der klassischen Netzwerkwelt – zu integrieren. Somit lassen sich dann Silos überwinden: Administratoren erhalten zentralisierte und übergreifende Sicht auf Management, Analytics, Security sowie Störungen verschiedenster Anwendungen und Ressourcen selbst heterogener Infrastrukturen.

Dafür bedarf es dann freilich auch entsprechender Schnittstellen für Applikationen und Prozesse, wie IT Service Management und IP Address Management. Herstellerunabhängige SDKs können ebenso zur weiteren Integration beitragen.

Erhoffte Vorzüge

Intent-based Networks führen eine zusätzliche Abstraktionsschicht ein und entlasten damit IT-Verantwortliche, weil einzelne Systeme nun automatisiert und nicht mehr händisch per CLI konfiguriert werden. Das reduziert insbesondere bei umfangreichen Infrastrukturen den Einrichtungsaufwand für neue Anwendungen, Geräte oder Nutzer – und vermeidet menschliche Flüchtigkeitsfehler.

Weil der Netzwerkstatus stetig überwacht und Infrastrukturen selbstständig angepasst werden, können sich Intent-based Networks überdies selbstständig wechselnden Anforderungen anpassen. Mit erweiterten Visibility-Lösungen lassen sich so auch Lastspitzen von Sicherheitsvorfällen unterscheiden – und je nach Bewertung Verbindungen sperren oder neue Kapazitäten anfordern.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Intent-based Networking für das IoT-Management

Cisco verbessert IoT-Prozesse

Intent-based Networking für das IoT-Management

Das Vernetzen von Maschinen und Dingen hat weitreichende Auswirkungen auf die Industrie. So soll IoT ohne professionelles Netzwerk-Management nicht zu bewältigen sein. Deshalb hat Cisco drei Lösungen entwickelt, welche die Transparenz, Sicherheit und Skalierbarkeit des IoT-Managements verbessern. lesen

Wie kann man mit SDN Geld verdienen?

Software-Defined Networks für LAN, WAN und WLAN

Wie kann man mit SDN Geld verdienen?

Mit Software-Defined Network Lösungen soll das Aufsetzen, Verwalten und Überwachen komplexer Netze bald supereasy werden. Doch können Händler mit SDN auch langfristig Geld verdienen? Oder wird ihr tiefes Netzwerk-Wissen schleichend überflüssig, sobald der Hersteller über die smarte Cloud einen direkten Dauer-Draht zum Endkunden aufgebaut hat? lesen

Cisco vereinfacht IoT-Management

IoT-Zukunft: Intent-based Networking

Cisco vereinfacht IoT-Management

Ein zukunftsfähiges IoT sei ohne professionelles Netzwerkmanagement nicht zu bewältigen. Dies erfordere Intent-based Networking. Hierfür habe Cisco drei Lösungen entwickelt, welche die Transparenz, Sicherheit und Skalierbarkeit des IoT-Managements verbessern sollen. lesen

Ciscos Lösungen gegen WAN-Probleme

Intent-based Networking mit erweiterter Reichweite

Ciscos Lösungen gegen WAN-Probleme

Mit den jetzt von Cisco präsentierten Lösungen SD-WAN vAnalytics und Meraki Insight sollen IT-Verantwortliche mögliche WAN-Probleme vorhersehen, rasch isolieren und beheben können. lesen

Intent-based Networking bzw. absichtsbasierte Vernetzung

Automatisierung des Netzwerk-Managements

Intent-based Networking bzw. absichtsbasierte Vernetzung

In den letzten Monaten hat sich das Intent-based Networking (IBN), also die absichtsbasierte Vernetzung, als zukunftsfähige Technologie erwiesen, mit der das traditionelle Netzwerk-Management weiter automatisiert werden soll. Zwar gib es das IBN-Konzept bereits seit einigen Jahren, so richtig vorwärts geht es für die Intent-based Networking Services (IBNS) jedoch erst, seit Cisco im letzten Jahr das erste Softwarepaket für IBN einführte. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45358002 / Definitionen)