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Glasfaser oder Flickenteppich Warum der deutsche Breitbandmarkt 2026 in seine Umbauphase eintritt

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Der Glasfaserausbau gewinnt an Tempo, doch der Markt gerät strukturell unter Spannung. Regionale Ausbauunterschiede, schwankende Anschlussquoten und eine fragmentierte Anbieterlandschaft treiben Netzbetreiber in neue Strategien, beschleunigen Kooperationen und zwingen den Markt in eine Konsolidierung. Und parallel rückt die Abschaltung des Kupfernetzes näher.

Breitbandmarkt 2026: Warum Glasfaser jetzt umgebaut wird(Bild:  KI-generiert)
Breitbandmarkt 2026: Warum Glasfaser jetzt umgebaut wird
(Bild: KI-generiert)

Der deutsche Glasfasermarkt steht 2026 nicht vor einem Tempoproblem, sondern vor einem Strukturproblem. Zwar wächst die Glasfaserabdeckung bundesweit mit hoher Geschwindigkeit, doch der Markt entwickelt sich räumlich und wirtschaftlich zunehmend ungleich. Regionale Ausbauunterschiede, schwankende Anschlussquoten und eine fragmentierte Anbieterlandschaft erzeugen Spannungen, die sich in strategischen Kurswechseln großer Netzbetreiber, einer wachsenden Zahl an Kooperationsmodellen und einer beginnenden Marktkonsolidierung entladen. Parallel rückt die politisch vorbereitete Abschaltung des Kupfernetzes näher – und trifft auf eine Infrastruktur, die längst nicht überall gleich weit ist.

„Deutschland kommt beim Glasfaserausbau sichtbar voran, doch der entscheidende Schritt zum Endkunden gelingt noch zu selten“, sagt Ingo Hassa, Experte des Verbraucherportals DSLWEB im aktuellen Breitband Report 2026.

Der Glasfaserausbau gewinnt weiter an Fahrt. Die Zahl der neu erschlossenen Haushalte steigt, gleichzeitig bleibt die tatsächliche Anschlussquote spürbar hinter dem Ausbautempo zurück. Zwischen theoretisch möglichen und realisierten Anschlüssen klafft weiterhin eine erhebliche Lücke. Dieses Nachfrageproblem ist jedoch weniger ein bundesweites Stimmungsphänomen als Folge regional stark divergierender Ausbauzustände.

Patchwork statt Fläche

Während Hamburg und Schleswig-Holstein heute Glasfaserquoten von über 70 Prozent erreichen, liegen große Teile Süd- und Ostdeutschlands unter dem Bundesdurchschnitt von rund 43 Prozent. Thüringen kommt aktuell auf etwa 23 Prozent, das Saarland auf 28 Prozent. Auch wirtschaftsstarke Länder wie Bayern und Baden-Württemberg bleiben unter dem Mittelwert. Die Daten stammen aus einer Regio-Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis des Bundesbreitbandatlas (Stand: Juni 2025).

„Der deutsche Glasfasermarkt ist unübersichtlich und zersplittert, das gilt auch für die inzwischen zahlreichen Kooperationen“, sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. „Die Zahl der aktuell bestehenden Partnerschaften dürfte längst dreistellig sein – eine exakte Zahl ist nicht zu beziffern, auch nicht von Seiten des Bundesverbandes Glasfaseranschluss. Doch entscheidend ist weniger die bloße Zahl der Partnerschaften: Aus Verbrauchersicht wäre es wünschenswert, in möglichst vielen Netzen zwischen mehreren Anbietern wählen zu können“

Vor diesem Hintergrund greift die Politik ein. Seit Sommer 2025 gilt der Glasfaserausbau als überragendes öffentliches Interesse. Eine weitere Novelle des Telekommunikationsgesetzes soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und insbesondere in Mehrfamilienhäusern den Zugang zur Hausverkabelung erleichtern. Ziel ist es, Bauzeiten zu verkürzen, bürokratische Hemmnisse abzubauen und Investitionen schneller in reale Anschlüsse zu überführen.

Land schlägt Stadt

Die strategische Neuausrichtung der Deutschen Telekom ist vor diesem Hintergrund weniger taktisch als strukturell bedingt. Der Konzern plant weiterhin einen jährlichen Glasfaserausbau von rund 2,5 Millionen Haushalten, verlagert seinen Schwerpunkt jedoch zunehmend in ländliche Regionen. „Dort ist die Anschlussbereitschaft deutlich höher – und damit auch die Chance, Investitionen schneller zu refinanzieren“, erläutert Hassa.

Regionen mit bereits hoher Glasfaserpenetration zeigen deutlich bessere Konversionsraten – ein Muster, das erklärt, warum der ländliche Raum für große Netzbetreiber wirtschaftlich attraktiver wird.

Kooperation wird zur Marktmechanik

Parallel gewinnt die gemeinsame Nutzung bestehender Glasfasernetze an Bedeutung. Kooperationen dienen nicht nur der Vermeidung ineffizienter Doppelausbauten, sondern entwickeln sich zur strukturellen Marktmechanik. Dominierend sind Bitstrom-Modelle, die schnelle Reichweite ermöglichen, allerdings begrenzte Produktgestaltungsspielräume bieten. Dark-Fiber-Modelle gewinnen parallel an Bedeutung. Sie erfordern höhere Investitionen, ermöglichen Anbietern aber deutlich mehr Kontrolle über Produkte und Margen.

Verivox verweist auf eine inzwischen dreistellige Zahl an Kooperationsmodellen im deutschen Glasfasermarkt. Rund 90 Prozent der offenen Netzzugänge basieren auf Bitstrom-Modellen. Für Verbraucher wäre es ideal, an möglichst vielen Netzen zwischen mehreren Anbietern wählen zu können, heißt es von Verivox.

Die beginnende Marktkonsolidierung ist weniger Ausdruck eines überfüllten Marktes als Folge einer regional und wirtschaftlich asymmetrischen Glasfaserlandschaft. Über 300 Unternehmen sind derzeit im deutschen Glasfasermarkt aktiv, viele davon mit sehr geringer Kundenbasis. Steigender Kostendruck, hohe Kapitalanforderungen und ungleiche Refinanzierungschancen führen dazu, dass kleinere Betreiber Netze verkaufen oder Partnerschaften suchen. Netzübernahmen, Zusammenschlüsse und strategische Allianzen werden damit zunehmend zur Voraussetzung wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

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Kupfer trifft auf Fragmentierung

Mit Blick auf die kommenden Jahre rückt die vollständige Abschaltung des Kupfernetzes näher, auch wenn ein flächendeckendes DSL-Aus erst zwischen 2035 und 2040 erwartet wird. Je stärker sich der Glasfaserausbau regional auseinanderentwickelt, desto komplexer wird dieser Übergang. Übergangsregeln müssen nicht mehr nur bundesweit funktionieren, sondern zunehmend regionale Realitäten berücksichtigen – von vollständig versorgten Gemeinden bis hin zu strukturell unterversorgten Landkreisen.

„Die Diskussion um das Ende von DSL zeigt, wie wichtig klare und faire Übergangsregeln sind – für Anbieter ebenso wie für Verbraucher“, so Hassa..

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