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Netzwerk-Observability Warum Deep Packet Inspection für Smart Factories zum Rückgrat wird

Ein Gastbeitrag von Juergen Morgenstern 5 min Lesedauer

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In vernetzten Fertigungsumgebungen entscheidet die Verfügbarkeit des Netzwerks über die Produktionsleistung. Deep Packet Inspection (DPI) soll die nötige Transparenz auf Anwendungsebene liefern und wird zugleich zur Datengrundlage für KI-gestützte Anomalieerkennung.

Juergen Morgenstern, Sales Engineering Manager DACH bei Netscout, sieht klassisches Netzwerkmonitoring in automatisierten Netzwerken an seiner Grenze: Ohne Einblick auf Anwendungs- und Protokollebene bleibe die Ursachenanalyse bei Leistungsproblemen Rätselraten.(Bild:  Netscout)
Juergen Morgenstern, Sales Engineering Manager DACH bei Netscout, sieht klassisches Netzwerkmonitoring in automatisierten Netzwerken an seiner Grenze: Ohne Einblick auf Anwendungs- und Protokollebene bleibe die Ursachenanalyse bei Leistungsproblemen Rätselraten.
(Bild: Netscout)

Fertigungsunternehmen stecken mitten in der digitalen Transformation. Laut der Industrie-4.0-Studie des Digitalverbands Bitkom halten 89 Prozent der befragten Industrieunternehmen Industrie 4.0 für sehr oder eher wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit; 94 Prozent stufen sie als „sehr wichtig oder unverzichtbar“ ein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Die Erhebung basiert nach Verbandsangaben auf einer repräsentativen Befragung von 552 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten.

Das Netzwerk hat sich damit zu einem geschäftskritischen Faktor entwickelt. Die unterbrechungsfreie Verfügbarkeit von Produktionssystemen ist längst kein reines IT-Thema mehr, sondern Teil der betrieblichen Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt: Viele Initiativen – von Predictive Maintenance über digitale Zwillinge bis zur KI-gestützten Anomalieerkennung – sind auf hochwertige, protokollbasierte Netzwerkdaten angewiesen.

Was ein Produktionsstillstand kostet

In der Fertigung spielt die Betriebszeit eine zentrale Rolle, da jede Stunde Produktionsausfall zu verspäteten Lieferterminen, Vertragsstrafen, Lieferkettenstörungen und Umsatzeinbußen führen kann. Selbst geringfügige Leistungseinbußen wirken sich in modernen Werken mit eng getakteten Produktionsprozessen schnell aus.

Moderne Produktionsanlagen arbeiten heute häufig mit eng getakteten Abläufen: Komponenten werden just-in-time angeliefert, Montageprozesse sind weitgehend automatisiert, und fertige Produkte werden unmittelbar für den Versand bereitgestellt. Kommt es bei einer geschäftskritischen Anwendung auch nur kurzfristig zu Verzögerungen, kann dies Produktionslinien ausbremsen, Engpässe verursachen oder im Extremfall ganze Abläufe zum Stillstand bringen.

Konstante Produktionsleistung ist eine geschäftskritische Priorität, die nicht durch Netzwerk- oder Anwendungsprobleme gefährdet werden darf. Voraussetzung dafür ist eine umfassende technische Transparenz über den Netzwerkverkehr, der die Produktionsabläufe unterstützt.

Die Rolle des Netzwerks in der Industrie 4.0

Der wachsende Fokus auf Industrie 4.0 verstärkt diese Anforderungen zusätzlich. Intelligente Unternehmen basieren auf vernetzten Systemen, Echtzeitanalysen sowie einem kontinuierlichen Datenaustausch zwischen Maschinen, Anwendungen und Unternehmensplattformen. Hersteller verbinden dabei zunehmend operative Technologien (OT) mit klassischen IT-Netzwerken, um unter anderem folgende Anwendungsfälle zu realisieren.

  • Echtzeit-Überwachung der Produktion
  • Vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance)
  • Digitale Zwillinge
  • Cloudbasierte Analysen
  • Fernsteuerung und -überwachung von Produktionsstandorten

Diese Entwicklungen führen zu neuen Datenverkehrsmustern und Abhängigkeiten zwischen Systemen, die früher isoliert voneinander betrieben wurden. Mit der Verlagerung von Workloads in hybride oder cloudbasierte Architekturen wird das Netzwerk zur zentralen Infrastruktur für die Vernetzung von Maschinen, Anwendungen und Entscheidungssystemen. Ohne ausreichende Transparenz über diese Interaktionen wird die Ursachenanalyse bei Leistungsproblemen äußerst schwierig.

In diesem Kontext wird Deep Packet Inspection (DPI) immer wichtiger, denn diese Technologie ermöglicht es Teams, detailliert nachzuvollziehen, welche Anwendungen, Protokolle und Infrastrukturen im Netzwerk aktiv sind. Damit schafft DPI die notwendige Transparenz, um die Leistungsfähigkeit moderner Fertigungsumgebungen sicherzustellen.

Geschäftskritische Anwendungen überwachen

Fertigungsumgebungen sind auf eine Vielzahl geschäftskritischer Anwendungen angewiesen, die jederzeit zuverlässig und leistungsfähig funktionieren müssen. Dazu gehören unter anderem:

  • Manufacturing Execution Systems (MES)
  • Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA-Systeme)
  • Material Requirements Planning (MRP)
  • Supply Chain Management (SCM-Anwendungen)

Um einen konsistenten Betrieb und eine hohe Leistungsfähigkeit sicherzustellen, sind diese Systeme auf einen präzisen und zuverlässigen Datenaustausch über interne und externe Netzwerke angewiesen. DPI ermöglicht es IT-Teams, diese Anwendungsdatenströme direkt zu identifizieren und zu überwachen, sodass kritische Produktionssysteme stets die benötigte Bandbreite und Priorisierung erhalten.

Automatisierte Fertigungslinien im Blick

Die Automatisierung hat die Produktionsumgebung grundlegend verändert. Robotik, speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und industrielle Automatisierungssysteme übernehmen heute zahlreiche Montageprozesse, die kaum menschlichen Eingriff erfordern. Diese Systeme sind auf eine deterministische Netzwerkleistung angewiesen, da bereits Verzögerungen oder Jitter im Millisekundenbereich Synchronisationsprobleme zwischen robotischen Komponenten verursachen oder Regelkreise stören können. Dadurch kann es zu Unterbrechungen im Produktionsfluss kommen, die das Erreichen der täglichen Produktionsziele gefährden.

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Herkömmliche Netzwerküberwachungstools konzentrieren sich häufig auf infrastrukturelle Metriken wie Geräteverfügbarkeit, Bandbreitenauslastung oder Schnittstellenfehler. Auch wenn diese Informationen hilfreich sind, fehlt ihnen oftmals Transparenz über den tatsächlichen Anwendungsverkehr, der die Produktionsanlagen steuert.

DPI analysiert Paketinhalte und Protokollverhalten und ermöglicht es, industrielle Protokolle sowie Anwendungsdatenströme in Echtzeit zu identifizieren. Diese Transparenz erlaubt es NetOps-Teams, Fehler, Anomalien, Überlastungen oder unerwartete Datenverkehrsmuster schnell zu erkennen, die automatisierte Systeme beeinträchtigen könnten. Genauso wichtig: Dieselben strukturierten DPI-Daten dienen zunehmend als Eingangsgröße für ML-basierte Anomalieerkennung und agentische KI-Untersuchungen – etwa beim Einsatz von Isolation-Forest-Modellen auf DPI-Feature-Vektoren, die Abweichungen erkennen, bevor sie auf einem klassischen Schwellenwertalarm sichtbar werden.

Wachsende Zahl an IIoT-Geräten managen

Geräte des Industrial Internet of Things (IIoT) und die zugehörigen Anwendungen stellen eine weitere zentrale Abhängigkeit in modernen Fertigungsnetzwerken dar. Sensoren, Kameras, intelligente Steuerungen und Edge-Analytics-Plattformen übernehmen stetig wesentliche Funktionen in Geschäftsprozessen und liefern Daten zur Steigerung von Effizienz und operativer Transparenz. Gleichzeitig erhöhen sie jedoch die Komplexität der Netzwerke und das Volumen des Anwendungsverkehrs. Hunderte oder sogar Tausende vernetzte Geräte können gleichzeitig Telemetrie-, Diagnose- und Betriebsdaten übertragen.

Bei dieser Datenmenge stößt eine rein menschliche Auswertung schnell an ihre Grenzen – werden KI-Modelle zur Unterstützung herangezogen, hängt deren Aussagekraft jedoch unmittelbar von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Fehlt der protokollbewusste Kontext, den DPI liefert, steigt das Risiko von Fehlinterpretationen und sogenannten KI-Halluzinationen.

Ohne ausreichende Transparenz ist es schwierig zu beurteilen:

  • Welche Geräte die meiste Bandbreite beanspruchen
  • Ob neue Geräte unerwarteten Datenverkehr verursachen
  • Ob Software-Updates oder Fehlkonfigurationen Leistungsprobleme auslösen
  • Ob kritische Anwendungen durch weniger priorisierten Datenverkehr beeinträchtigt werden

DPI ermöglicht es, Datenverkehr nach Anwendungen und Protokollen zu klassifizieren, sodass IIoT-Traffic gezielt gesteuert werden kann, ohne zentrale Produktionssysteme zu beeinträchtigen.

Fazit: OT-Transparenz sichert die Betriebskontinuität

Letztendlich liegt der zentrale Nutzen von DPI für Entscheidungsträger in der Reduzierung von Risiken und der Sicherstellung der Betriebskontinuität. Fertigungsunternehmen investieren erheblich in Automatisierung, Robotik und Initiativen der digitalen Transformation, um ihre „Smart Factories“ zu realisieren. Durch die Bereitstellung von Transparenz auf Anwendungsebene die „Smart Data“ über das gesamte Produktionsnetzwerk hinweg liefert, trägt DPI dazu bei, dass Produktionssysteme zuverlässig funktionieren, Automatisierungsprozesse synchronisiert bleiben und Initiativen im Rahmen von Industrie 4.0 den erwarteten geschäftlichen Nutzen erzielen.

Über den Autor

Juergen Morgenstern ist Sales Engineering Manager DACH bei Netscout.

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