Preisgünstiger LAN-Tester

Test: Poket Hardware Pockethernet

| Autor: Andreas Donner

Der Pockethernet ist ein extrem preiswerter, App-gekoppelter LAN-Tester, der sich mit seinem hohen Funktionsumfang vor deutlich teureren Konkurrenten nicht zu verstecken braucht.
Der Pockethernet ist ein extrem preiswerter, App-gekoppelter LAN-Tester, der sich mit seinem hohen Funktionsumfang vor deutlich teureren Konkurrenten nicht zu verstecken braucht. (Bild: VIT)

Testequipment für das LAN ist teuer und in der Regel nur für größere Unternehmen interessant. Mit Pockethernet ist nun jedoch ein kompakter LAN-Tester für die wichtigsten Schnelltests in einem lokalen Netz für unter 200 Euro verfügbar. Wir haben uns das Admin-Werkzeug angesehen.

Mit seiner kompakten Größe und der Kopplungsmöglichkeit an eine Smartphone-App spielt der Pockethernet LAN-Tester von Poket Hardware in derselben Liga wie bspw. der Linksprinter 300 von Netscout. Allerdings schlägt der Pockethernet bei einem Preis von 199 Euro mit weniger als der Hälfte der Kosten des Linksprinters zu Buche. Und genau das ist seine Stärke.

Das Pockethernet-Kit kommt in einer handlichen Tragetasche, die neben dem blauen Testgerät mit transparenten Seitenteilen auch noch einen Loopback-Adapter enthält, der für Wiremap- und BER-Tests verwendet werden kann. Per Wiremap lässt sich bspw. ermitteln, ob die Kabelenden in Netzwerkdosen richtig aufgelegt sind; ein BER-Test ermittelt über gezielte Traffic-Messungen eingespeister und reflektierter Test-Pakete die Güte eines Kabels. Zudem in der praktischen Transporttasche: ein USB-Ladekabel und ein kurzes LAN-Patchkabel zum Anschluss des Testers an Netzwerkdosen.

Für rudimentäre Tests lässt sich der LAN-Tester auch ohne gekoppelte App nutzen. Hierzu ist der Pockethernet mit vier zusätzlichen LEDs ausgestattet, die je nach Farbe bestimmte Link- oder Kabelzustände signalisieren. Allerdings lässt sich die Farbe der sehr hellen LEDs frei nach dem Motto, „ist das noch blau oder schon weiß“, manchmal nur schwer erkennen. Zudem muss mangels Beschriftung auch erst mal die Bedeutung der einzelnen LED-Kombinationen auswendig gelernt werden. Kurz gesagt: ohne gekoppelte App dürfte das Gerät nur wenigen Admins Freude bereiten.

Umso klarer können Tests ausgelöst und interpretiert werden sobald das Gerät per App gesteuert wird. Die Smartphone- und Tablet-App gibt es sowohl für Android als auch für iOS. Ist Bluetooth bereits am Gerät aktiviert, dann gelingt das Koppeln bei iOS mit einem einzigen Klick in der App, bei Android steht der Pockethernet nach wenigen weiteren Klicks zur Verfügung.

Testbandbreite

Die Startseite der Test-App ist in vier Bereiche unterteilt; einer davon ist der Connect-Bereich, mit dem sich die App via Bluetooth mit dem Messgerät koppeln lässt. Daneben gibt es die drei Bereiche „Test“, „Report“ und „Tools“.

Test
Im Reiter „Test“ sind alle möglichen Testszenarien des Pockethernet zusammengefasst. Besonders gut gelungen ist die Online-Hilfe. Drückt man länger auf einen der blau hinterlegten Messbereiche, öffnet sich ein Overlay-Fenster, das die betreffende Funktion erläutert. Berührt man den betreffenden Button nur kurz, klappt die Ergebnisdarstellung auf, die teilweise sehr umfangreich ausfällt.

Ein angestecktes Kabel lässt sich im gepatchten, im offenen oder im abgeschlossenen Zustand überprüfen. Hierfür liegt dem Pockethernet ein Abschluss-Dongle bei. Je nach Konfiguration lassen sich Kabellängen, Kurzschlüsse und Unterbrechungen mit Angabe der Entfernung sowie Split Pairs und die richtige Dosenverdrahtung zuverlässig aufspüren. Eine grafische Darstellung des Kabeltests erlaubt zudem noch genauere Rückschlüsse auf das vorliegende Problem.

Selbstverständlich lassen sich mit dem Pockethernet auch Informationen zum angeschlossenen Switch anzeigen, VLANs auswerten, PoE- und Performance-Informationen abrufen sowie DNS-, DHCP- und Ping-Tests durchführen. Auch eine korrekte Verbindung ins Internet kann überprüft werden.

Einzelne Tests lassen sich dabei im Vorfeld auswählen und dann einzeln oder en bloc auslösen. Allerdings funktionieren alle Tests des Pockethernet-LAN-Testers nur in IPv4-Netzen. IPv6 spricht das Gerät nicht – ein echtes Manko in Zeiten der allerorten geforderten Migration auf IPv6!

Report
Über den Report-Button lassen sich getätigte Messungen als PDF-Datei speichern, Exportieren oder per Mail versenden. Neben den automatisch zusammengestellten Testergebnissen kann der Bericht auch um Kommentare oder Fotos ergänzt werden. Ein sehr praktisches Feature, insbesondere wenn es um die Dokumentation von Tests geht.

Tools
Im Tools-Bereich lassen sich grundlegende Einstellungen vornehmen und Geräteinformationen wie die Firmware-Version abrufen. Auch ein Ton kann hier in ein Testkabel eingespeist werden, der sich mit einer speziellen Sonde wieder abnehmen lässt. Eine Kabelidentifizierung wird so im nicht gepatchten Zustand leicht möglich. Für die Identifikation eines gepatchten Ports kann über „Tools“ auch ein Blinken am Switch ausgelöst werden.

Über den Button "TDR Calibration" lässt sich die Längenbestimmung von Kabeln anpassen bzw. korrigieren. Eine genauere Lokalisierung von Fehlern bzw. Fehlerpositionen wird damit möglich.

Fazit

Das wichtigste zuerst: das Gerät ist extrem preiswert und bietet einen umfassenden Funktionsumfang bei guter Testgenauigkeit. Insbesondere für kleinere Betriebe oder freiberufliche Admins ist der Pockethernet damit eine echte Alternative zu meist viel teureren Testwerkzeugen namhafter Testgerätehersteller.

Allerdings gibt es bei allem Lob auch Kritik zu vermelden. So sollte dem Pockethernet schnellstmöglich via Firmware-Update IPv6 beigebracht werden, wenn dieser seine Attraktivität auch in die Zukunft retten will. Zudem wäre eine besser erkenn- und interpretierbare Signalisierungseinheit direkt am Gerät wünschenswert. In der aktuellen Ausführung ist der Pockethernet ohne App-Kopplung leider kaum zu gebrauchen.

Die Kopplung der App mach das Gerät über Bluetooth aber bedeutend besser als bspw. der Netscout Linksprinter (Link zum Testbericht unten), der hierzu ein eigenes WLAN aufspannt. Allerdings lässt sich der Linksprinter dann auch via Browser und damit ohne App nutzen. In heutigen Zeiten, wo man für Alles und Jedes eine separate App verwendet, ist das allerdings kaum mehr ein Alleinstellungsmerkmal.

Mit seinem Preis von unter 200 Euro ist der Pockethernet trotz der genannten Schwächen aber auf jeden Fall eine Kaufempfehlung. Detaillierte Informationen gibt es auf der Website des Herstellers. Dort kann das Gerät auch direkt bestellt und ein Handbuch in Deutsch oder Englisch abgerufen werden.

Test: Netscout LinkSprinter 300

Praktischer LAN-Tester für Admins

Test: Netscout LinkSprinter 300

07.04.17 - Der LinkSprinter 300 von Fluke Networks bzw. Netscout Systems ist ein kleiner, handlicher LAN-Tester. Innerhalb weniger Sekunden ermittelt das Gerät die wichtigsten Parameter jedes LAN-Anschlusses. Wir haben uns das Gerät angesehen, das zur Grundausstattung jedes Admins gehören sollte. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45259666 / Netzwerk-Messtechnik)