Achim Kohlenberger, Technical Lead bei Xantaro Deutschland, im Gespräch

Technologie- und Designwandel hin zum Next Generation Network (NGN) im Fokus

06.08.2010 | Redakteur: Andreas Donner

Achim Kohlenberger ist Mitglied des Xantaro-Management-Teams
Achim Kohlenberger ist Mitglied des Xantaro-Management-Teams

Achim Kohlenberger bringt Inhalte in die Netze der Kunden. Als Technical Lead ist er bei Xantaro seit 2007 verantwortlich für die Businessline „IP Services“ und Experte für das Thema Implementierung innovativer Produkte in Telekommunikationsnetze. Im Interview gibt Kohlenberger einen Überblick über das Thema NGN und die Schnittstellenkonsolidierung im Backbone. Zudem beleuchtet er Markt-Konsolidierungen und zeigt die Auswirkungen für Unternehmen und Endkunden auf.

Herr Kohlenberger, was sind aus Ihrer Sicht derzeit die wichtigsten Fragen, wenn es um das Thema NGN geht?

Kohlenberger: Wir verfolgen schon seit langer Zeit die Entwicklungen des derzeit stattfindenden Technologie- und Designwandels von klassischen Sprachnetzen hin zu IMS- (3GPP) und NGN-basierten (ITU-T) Netzstrukturen. Insbesondere im Carrier- und Service Provider Umfeld ist dabei die Frage nach Stabilität, Konformität und der notwendigen Zukunftssicherheit von Bedeutung.

Außerdem ist es wichtig, wie IMS und NGN den eigenen Average Return per User (ARPU) beeinflussen können, sowie wer und was die Entwicklung in die richtige Richtung treiben kann. Denn einerseits besteht eine immer größere Nachfrage nach Bandbreite und ein stetiger Druck, Netze weiter auszubauen. Andererseits müssen die Infrastrukturbetreiber der Netze ihre Produktionskosten reduzieren, aber gleichzeitig neue Services anbieten, um im Produktmix, wie beispielsweise Triple Play, bei geringer bis großer Kundenzahl gewinnbringend arbeiten zu können.

Rechnen Sie mit einer fortschreitenden Konsolidierung am Markt?

Kohlenberger: Es gibt die unterschiedlichsten Konsolidierungsbereiche: Netzebene, Dienstebene und auch die Anbieterebene. Unternehmen müssen sich entscheiden, ob sie entweder nur Zugangs- und Transportunternehmen sein möchten oder ein breiteres Produktportfolio als Komplettanbieter unterstützen wollen. Ein modernes NGN oder IMS ermöglicht die flexible Einbindung neuer Endkundendienste auf einer homogenen Netzinfrastruktur – mehr als wir es in der Vergangenheit gesehen haben. Wir erkennen also eine Netzkonsolidierung im Bereich der Kommunikation der Netzkomponenten untereinander über das IP-Protokoll. Weiterhin darauf aufsetzend das Session-basierende Protokoll „SIP“ und das „Diameterprotokoll“. Die Protokollstacks finden sich sowohl in Endkunden-Devices, Netzelementen als auch in Applikationsservern.

In Dienstebereich ermöglicht ein IMS offene, standardbasierende Schnittstellen und bietet eine Plattform für die schnelle und flexible Einbindung neuer IP-basierter Applikationen. „Sprache“ und „Daten“ als Standarddienste sind dabei in der Regel integraler Bestandteil. Der eigentliche Vorteil ist die Offenheit und die schnelle Einbindung neuer Dienste über das IP-Protokoll. Hier erkennen wir also eine Konsolidierung im Bereich der Schnittstellenprotokolle und der Kommunikation der Systeme und Dienste untereinander.

Interessant ist, dass Endkundenapplikationen nur bedingt Grenzen gesetzt werden sollen. IMS bietet lediglich eine Adaptionsplattform wie beispielsweise für die Bereitstellung von „Apps“. Die Attraktivität eines Netzes wird heute bestimmt durch seine funktionierenden Applikationen und die vom Endkunden wahrgenommene Qualität. Das beginnt beim Enddevice, wie zum Beispiel das Mobile Device oder Festnetz IAD, bis hin zur Rechnungserstellung für die genutzten Dienste. Entscheidend für den Provider ist immer der zugrundeliegende Business Case, der in Bezug auf die Produkte der Infrastrukturbetreiber und Diensterbringer sehr unterschiedlich aussehen kann.

Große Netze sind sehr inhomogen und es bleibt weiterhin genügend Platz für Konsolidierungen im Netz-und Applikationsbereich. Im Anbieterbereich wird es zukünftig sicher eine stärkere Trennung von Zugangsnetzbetreibern und Dienstanbietern geben.

Wichtig sind weiterhin die Anzahl der eigenen Kunden, der ARPU und das flexible Umgehen mit physikalischen und logischen Endkundenanschaltungen auf moderner Technik mit innovativen Diensten. Aus meiner Sicht kann es langfristig in großen Netzen nur den IMS-Weg geben, auch wenn die Kosten in einem Parallelbetrieb – alte Technik, neue Technik – erst einmal steigen. Gerade die klassischen Telekommunikationsunternehmen müssen sich jetzt dem „Internetmarkt“ noch mehr öffnen – das kann ja auch eine große Chance sein.

Welche Folgen hat das für den Endkunden?

Kohlenberger: Die Endkunden profitieren vom Technik- und Technologiewettbewerb im Telekommunikationsmarkt auf verschiedene Weise. Die Endkundenpreise sind sicher in den letzten Jahren gefallen und wir suchen nach Wegen, die Produktionskosten zu senken.

Festnetz und Mobilfunk wachsen weiter zusammen; Sprache, Daten, Fernsehen, Video on Demand und interaktive Kommunikationsformen lassen sich mittlerweile über nur eine einzige IP-basierte Infrastruktur abbilden. Das war früher sicher viel inhomogener. Der Endkunde profitiert zum Beispiel davon, alles aus einer Hand zu bekommen und dass ein Interworking zwischen den Diensten möglich wird. Natürlich steigt die Anschlussbandbreite und weiterhin stellen wir immer kürzere Laufzeiten in den Netzen fest, wodurch viele Endanwendungen für den Nutzer auch mehr Spaß bringen – beispielsweise Spiele mit Echtzeitanforderungen oder Filme auf YouTube schauen.

weiter mit: Was klassische Provider ihren Endkunden anbieten sollten

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