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Legacy-Hardware trifft moderne Open Source-Videokonferenz Cisco Room Kits an OpenTalk anbinden

Von Daniél Kerkmann 3 min Lesedauer

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Cisco Room Kits und Videotelefone fristen oft ein Schattendasein. Dabei lassen sich diese Geräte über SIP in moderne Open Source-Videokonferenzlösungen integrieren – ohne Cloud-Zwang und mit vollem Video- und Audio-Support.

Cisco Room Kits und Videotelefone lassen sich per SIP in OpenTalk einbinden. Das verlängert die Hardware-Nutzung – ohne Cloud-Zwang und mit voller Kontrolle.(Bild:  Jacob Lund Photography - OpenTalk)
Cisco Room Kits und Videotelefone lassen sich per SIP in OpenTalk einbinden. Das verlängert die Hardware-Nutzung – ohne Cloud-Zwang und mit voller Kontrolle.
(Bild: Jacob Lund Photography - OpenTalk)

In zahlreichen Unternehmen und Behörden stehen noch hochwertige Cisco Room Kits und Videotelefone wie das Webex DX80 – ehemals prestigeträchtige Hardware-Komponenten, die heute oft ungenutzt bleiben. Diese Geräte verfügen jedoch über deutlich mehr Funktionalität als klassische SIP-Telefone und beherrschen Videotelefonie über standardisierte Protokolle.

Die Integration dieser Hardware in Open Source-Videokonferenzlösungen eröffnet IT-Entscheidern eine strategisch bedeutsame Option: Die Verlängerung der Nutzungsdauer vorhandener Investitionen bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von proprietären Cloud-Services amerikanischer Anbieter. Dies schafft nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern ermöglicht auch die vollständige Kontrolle über die eigene Kommunikationsinfrastruktur ohne Vendor Lock-in.

Brücke zwischen SIP und WebRTC

Technisch liegt die Herausforderung in der Überbrückung zwischen der SIP-Welt der Cisco-Geräte und modernen WebRTC-basierten Architekturen. Durch spezialisierte Gateway-Services und bewährte SIP-Infrastruktur lässt sich diese Brücke erfolgreich realisieren.

Architektur: Asterisk, Obelisk und LiveKit

Die Lösung basiert auf drei Komponenten:

  • Asterisk übernimmt als SIP-Registrar die Registrierung und Verwaltung der Cisco-Geräte – inklusive Durchwahlen und zentraler Provisionierung. Diese bewährte Architektur ermöglicht die zentrale Verwaltung und Provisionierung der Endgeräte über TFTP-basierte Konfigurationsdateien im Format SEP[MAC].cnf.xml.
  • Obelisk dient als Übersetzer zwischen SIP und WebRTC. Er interpretiert eingehende SDP-Angebote (Session Description Protocol), analysiert verfügbare Codecs und etabliert bidirektionale Medienstreams. Dabei erfolgt eine Echtzeit-Transkodierung zwischen den verschiedenen Audio- und Video-Codecs.
  • LiveKit übernimmt als WebRTC-Server die eigentliche Medienverarbeitung.

SIP-Verbindungsaufbau im Detail

Der Verbindungsaufbau beginnt mit einer SIP-INVITE-Nachricht des Cisco-Geräts, die ein SDP-Offer, also ein technisches Angebot zur Medienübertragung, enthält. Da die Geräte keine expliziten Angaben zu unterstützten Auflösungen oder Frameraten übermitteln, erfolgt durch OpenTalk eine Berechnung des optimalen Verhältnisses zwischen Auflösung und Bildwiederholrate basierend auf der Bitrate.

Obelisk prüft die Kompatibilität der angebotenen Parameter mit OpenTalk und antwortet mit einem entsprechenden SDP-Answer in der 200-OK-Nachricht. Nach Akzeptanz der Verbindung startet die Echtzeit-Medienübertragung mit automatischer Codec-Konvertierung in beide Richtungen.

Integration in bestehende CUCM-Infrastrukturen

Für Organisationen mit vorhandenen Cisco Unified Communications Manager (CUCM) Installationen bietet sich eine direkte Integration an. CUCM ermöglicht die zentrale Verwaltung großer Cisco-Geräteflotten und unterstützt sowohl SIP als auch das proprietäre SCCP-Protokoll.

Die CUCM-Integration erfordert jedoch detaillierte Kenntnisse der Cisco-spezifischen Konfiguration. Verschiedene Gerätemodelle verhalten sich trotz identischer Firmware unterschiedlich – manche unterstützen nur einseitiges Videostreaming, andere benötigen angepasste Bitrate-Berechnungen. Besonders bei gebrauchten Geräten mit firmenspezifischen Firmware-Versionen können Blockaden auftreten, wenn diese versuchen, nicht erreichbare externe Server zu kontaktieren.

Medienverarbeitung mit LiveKit und Rust

Parallel zur SIP-Integration erfolgte eine Modernisierung der gesamten Medienverarbeitung in OpenTalk. Der Wechsel von Janus zu LiveKit als WebRTC-Server brachte deutliche Verbesserungen in Sachen Stabilität und Skalierbarkeit. LiveKit bietet native Kubernetes-Unterstützung und robuste Multi-Stream-Verarbeitung für größere Konferenzen.

Die komplette Neuentwicklung der Medienlogik in Rust unter Verwendung nativer SIMD-Instruktionen (Single Instruction, Multiple Data) ersetzte die bisherige GStreamer-basierte C-Implementierung. Diese Architektur verzichtet auf dynamische Konfigurationen zur Laufzeit und reduziert damit potenzielle Fehlerquellen erheblich. Das Rust-SDK von LiveKit ermöglicht eine nahtlose Integration in den bestehenden Technologie-Stack.

Vendor Lock-in vermeiden durch offene Standards

Ein wesentlicher Vorteil der OpenTalk-Integration liegt in der Vermeidung proprietärer Abhängigkeiten. Während herkömmliche Cisco-Implementierungen oft an spezifische Software-Stacks oder Cloud-Services gebunden sind, ermöglicht die SIP-basierte Anbindung an die Open Source-Videokonferenzlösung OpenTalk maximale Flexibilität bei der Wahl zukünftiger Kommunikationslösungen.

Die standardisierten Protokolle und offenen Schnittstellen gewährleisten, dass Organisationen nicht in eine bestimmte Technologie-Architektur eingeschlossen werden. IT-Entscheider behalten die Kontrolle über ihre Systemlandschaft und können bei Bedarf einzelne Komponenten austauschen oder erweitern, ohne die gesamte Infrastruktur neu aufbauen zu müssen.

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Nachhaltigkeit als IT-Strategie

Die Revitalisierung bestehender Cisco-Hardware durch Open Source-Integration verkörpert gelebte Nachhaltigkeit in der IT-Infrastruktur-Planung. Anstatt funktionstüchtige, hochwertige Geräte zu ersetzen, ermöglicht die technische Modernisierung eine signifikante Verlängerung der Nutzungsdauer. Dies reduziert nicht nur Elektronikschrott, sondern maximiert auch die Rendite vorhandener Hardware-Investitionen.

Gleichzeitig gewinnen Organisationen durch die offene Architektur vollständige Datensouveränität zurück. Alle Kommunikationsdaten verbleiben in der eigenen Infrastruktur, ohne Abhängigkeiten zu externen Cloud-Anbietern oder deren Datenschutzrichtlinien. Diese Kontrolle über kritische Kommunikationskanäle wird besonders mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage für Behörden und sicherheitsbewusste Unternehmen zu einem entscheidenden strategischen Vorteil.

Daniél Kerkmann.(Bild:  OpenTalk)
Daniél Kerkmann.
(Bild: OpenTalk)

Über den Autor

Daniél Kerkmann arbeitet seit Juli 2024 bei OpenTalk der Open Source-Videokonferenzlösung der Heinlein Gruppe, und ist seit November auch Expert Lead im Team Media Integration. Daniél bezeichnet sich selbst als Hardcore Nerd, liebt Computer und Technik und hackt gern alles, was ihm in die Finger kommt (Kaffeemaschine, Toniebox usw.).

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