Die Festnetzfresser sind da

T-Mobile rollt mit Edge, HSDPA und WLAN schnelle Netze aus

29.05.2007 | Redakteur: Ulrike Ostler

Die Aufrüstung des Mobilfunks auf Enhanced Data Rates for GSM Evolution, kurz Edge, und High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) ist voll im Gange, erläutert Joachim von Beesten, Vertriebsberater bei T-Mobile. Die Funkverfahren bringen schon bald höhere Bandbreiten und neue Services. Doch WLAN schlägt alles!

Die Erwartungen an die so genannten „neuen Mobilfunkgenerationen“ sind hoch: „Office in Your Office“ lautet die Devise – und meint den ortsunabhängigen Zugriff auf alle Geschäftsapplikationen. Um dies zu ermöglichen, müssen Telekommunikation und Informationstechnik, aber auch Fest- und Funknetze miteinander verschmelzen (siehe: Abb.1).

Ein Schritt dahin ist die Bandbreitenerweiterung der Funknetze. Hier sind vor allem zwei Verfahren zu nennen: Edge und HSDPA.

Edge ist dabei eine Ausbaustufe des packetvermittelnden Dienstes General Packet Radio Service (GPRS) beziehungsweise der Erweiterung des GSM-Standards High Speed Circuit Switched Data (HSCSD).

An jeder Ecke

Im GSM-Funk werden die Übertragungsfrequenzen in Zeitschlitze beziehungsweise Kanäle aufgeteilt. Ein Telefongespräch nutzt nur einen Kanal. GPRS und HSCSD hingegen verwenden mehrere Zeitschlitze, sofern sie nicht für eine Sprachverbindung benötigt werden.

Per zusätzlicher Modulation erhöht sich mit Edge die Datenrate innerhalb der Kanäle, so dass dreimal mehr Bits pro Kanal übertragbar sind. Maximal lassen sich in Empfangsrichtung so 217,6 Kilobit pro Sekunde erreichen. In Senderichtung sind es 108,8 Kilobit pro Sekunde. Damit wäre Edge in Senderichtung sogar schneller als das die jetzige UMTS-Generation mit 64 Kilobit pro Sekunde.

Allerdings müssen auf der Netzseite die Basis- und Transceiver-Stationen die Modulationsart beherrschen und die Sendeverstärker angepasst werden. Doch jetzt greift T-Mobile an, erläutert von Beesten, was auch dringend notwendig sei. Schließlich sei Deutschland eines der letzten europäischen Länder, das Edge-fähig werde.

Alles Magenta

Das es nun doch recht fix gehe, liege daran, dass in einem ersten Schritt zwar Alcatel-Lucent- gegen Ericsson-Technik habe getauscht werden müssen, doch nun müsse T-Mobile in den Alcatel-Anlagen nur noch die Software auswechseln.

Ende 2007 will der Anbieter praktisch flächendeckend eine Downlink-Geschwindigkeit von 220 Kilobit pro Sekunde anbieten können, im Uplink 110 Kilobit pro Sekunde. Die Antwortzeiten dürfen dann etwa bei 500 Millisekunden liegen (siehe: Abb.2). Das ist jedoch zuviel, zum Beispiel für Voice over IP. So plant der Carrier die Ping-Zeiten auf etwa 350 Millisekunden senken. Das läge zwischen GPRS und UMTS.

Da T-Mobile seit rund zwei Jahren nur noch Edge-fähige Engeräte verkaufe, dürften die meisten Anwender schon bald von dem neuen Angebot profitieren können, so von Beesten.

UMTS plus

UMTS erlaubte im T-Mobile-Netz bis Anfang 2006 eine Übertragungsrate bis zu 384 Kilobit pro Sekunde. Seit Mai des vergangenen Jahres wurde das gesamte UMTS-Netz aber HSDPA-fähig, was ein Downlink von 1,8 Megabit pro Sekunde gestattet.

Doch im November 2006 hatte der Carrier auch die Übertragung mit 3,6 Megabit pro Sekunde frei geschaltet. „Das hat jedoch kaum einer bemerkt, weil erst jetzt die notwendige Hardware für die Endkunden zur Verfügung steht“, klärt von Beesten auf (siehe: Abb.3).

Auf Anwenderseite sind HSDPA-Router notwendig, die die Download-Geschwindigkeit von 3,6 Megabit pro Sekunde erreichen. Bisher findet man diese Fähigkeit vor allem bei den Einsteckkarten für Notebooks.

Es fehlten die Router

Unter Laborbedingungen lassen sich zwischen Basisstationen und Mobilfunkgerät Downlink-Datenraten von 14,4 Megabit pro Sekunde erzielen. In Berlin und Bonn will T-Mobile in diesem Jahr eine Empfangsgeschwindigkeit von 7,2 Megabit pro Sekunde ermöglichen.

T-Mobile-Kunden in rund 1.200 Städten, mit mehr als 50.000 Einwohner, haben Zugang zum UMTS/HSDPA-Netz von T-Mobile. Das sind rein rechnerisch rund 60 Prozent der Bevölkerung (siehe Abb. 4).

Mit dem schnellen Funknetz begibt sich der Anbieter in stärkere Konkurrenz zum Festnetzangebot Digital Subscriber Line (DSL). Eine DSL-Unterversorgung findet sich jedoch hauptsächlich in ländlicheren Gebieten.

Ende des Kannibalismus

Laut von Beesten wird es zur Einführung des Angebots „Web´nWalk@Home“ im Juni erstmalig Telekom-intern einen Abgleich zwischen den Adressen, an denen DSL empfangen werden kann, und den Funknetzalternativen geben, um gezielt für das Funkpaket werben zu können.

Doch ist kaum damit zu rechnen, dass sich damit die Situation für Gebiete verbessert, die bisher in puncto Breitband unterversorgt sind. Denn HSDPA setzt auf UMTS-Technik auf. Es reicht zumeist, neue Software in den Basisstationen zu installieren. Neue Sendeanlagen sind unnötig.

Doch den Unternehmen, die künftig auf Mobilfunk setzen, will T-Mobile mit mehr Service entgegenkommen. Sie könnten künftig gezielt Service Level Agreements (SLAs) mit ihrem Provider vereinbaren, so von Beesten.

Fixe WLANs

Bei Vergleich der Wireless-Techniken in Sachen Geschwindigkeit, schießt jedoch nach wie vor Wireless LAN den Vogel ab (siehe Abb. 5). Ein Musik-Download per GPRS braucht im Schnitt 14,13 Minuten. Zum Vergleich: Das Herunterladen via ISDN würde 10,41 Minuten in Anspruch nehmen. Mit HSDPA dauerte derselbe Vorgang gerade einmal 11 Sekunden. Doch mit WLAN käme der Nutzer auf 4 Sekunden.

Hotspots sind Bereiche, in denen WLAN zur Verfügung steht. Laut von Beesten betreibt T-Mobile weltweit mehr als 20.000 eigene Hotspots. Durch Kooperationen mit anderen Gesellschaften verdoppelt sich die Zahl (siehe: Abb.6). In Deutschland zählt der Anbieter rund 8000 solcher öffentlicher Access-Points.

Derzeit sorgt die WLAN-Versorgung im ICE der Deutschen Bahn für Aufmerksamkeit. Seit 2005 schon läuft ein versuch auf der Verbindung zwischen München und Dortmund. Doch in drei Jahren will T-Mobile alle 200 Schnellzüge mit Hotspots ausgestattet sein. Damit jeder Platz in den speziellen Hotspot-Waggons zum Arbeitsplatz mutieren (siehe Abbildung 7 und 8).

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