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Sprachbiometrie – moderne Zugriffsauthentifizierung und Effizienztreiber

09.04.2009 | Redakteur: Andreas Donner

Sprachbiometrie hat gerade in Deutschland noch viel Potenzial
Sprachbiometrie hat gerade in Deutschland noch viel Potenzial

Überall dort, wo der Zugang zu bestimmten Daten, Diensten oder Räumlichkeiten nicht der kompletten Allgemeinheit, sondern nur einem bestimmten Personenkreis vorbehalten sein soll, besteht die Notwendigkeit der Authentifizierung. Und hierbei gilt die Frage, ob es sich bei der betreffenden Person um diejenige handelt, für die sie sich ausgibt.

Einen möglichen Ansatz zur Authentifizierung diskutieren Thomas Wind, Managing Partner bei TellSell Consulting und Michael Bommer, General Manager DACH und Italien von Nuance Communications.

Was ist Sprachbiometrie?

Thomas Wind: Biometrie ist ein vielversprechender Ansatz zur Authentifizierung von Personen. Körperliche Eigenschaften sind nicht nur mittelbar personenbezogen, sondern unmittelbar personengebunden, was sie von Wissens- und Besitzelementen (z.B. PIN und Karte) unterscheidet. Unter biometrischen Authentifizierungsverfahren gewinnt die Stimme eine zunehmende Bedeutung.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: ein Mensch ist über seine Stimme eindeutig identifizierbar; sie ist eine Art akustischer Fingerabdruck. Ihre Individualität und damit Eindeutigkeit ergibt sich aus dem physiologischen Aufbau der menschlichen Sprachorgane sowie einer Reihe von spezifischen Merkmalen.

Michael Bommer: Sprachbiometrische Verfahren basieren auf der individuellen Beschaffenheit der menschlichen Stimme: Der komplexe Aufbau der menschlichen Sprechorgane sorgt dafür, dass jede Stimme einzigartig ist, und Menschen daher anhand ihrer Stimme eindeutig unterscheidbar sind. Die Sprechorgane, also Stimmbänder, Mundhöhle, Kehle, Nase, Kiefer und Gaumen mit der individuellen Anordnung und Beschaffenheit der Muskeln des Mund- und Rachenraumes sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Sie ermöglichen es, in Verbindung mit der angelernten Sprechweise, einen Menschen anhand seiner Stimme eindeutig zu identifizieren.

Entscheidend ist, dass bei der Sprachbiometrie nicht einfach ein Vergleich zwischen einem aufgezeichneten Wort oder Satz und dem „live“ ausgesprochenen Wort oder Satz hergestellt wird. Vielmehr geht es um die einzigartigen Charakteristika der Stimme bspw. eines Anrufers, wie sie sich aus dem individuellen Sprechapparat und der individuellen Sprechweise ergeben. Bewertet das System die Übereinstimmung zwischen dem aktuellen Stimmmuster und dem gespeicherten Sprachabdruck als zureichend hoch, wird der Zugriff gestattet. Es handelt sich also um eine robuste Technologie, die die Charakteristika einer Stimme auch bei Erkältung oder anderen Veränderungen der Stimme erkennt, eben weil es sich nicht um einen 1:1-Vergleich von gespeicherter und gesprochener Sprache handelt.

Worin liegen die Vorteile gegenüber anderen Authentifizierungsverfahren?

Thomas Wind: Gängige Authentifizierungsverfahren haben keineswegs ausgedient. Jedoch werden aufgrund ihrer Nachteile und veränderter Rahmenbedingungen in einer digitalisierten Welt Alternativen benötigt. Die Übereinstimmung einer behaupteten mit der tatsächlichen Identität ist neben Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit eines der herausragenden Sicherheitsziele im Informationszeitalter.

Nun zu den Vorteilen: Sprachbiometrie bietet zum einen im Vergleich zu anderen biometrischen Verfahren eine sehr hohe Sicherheit. Sie ist „remote“ einsetzbar (keine physische Präsenz erforderlich) und ist „nicht-invasiv“; der Kunde benötigt nur seine „Stimme” und ein Telefon. Darüber hinaus erfordert eine Integration in bereits vorhandene IT-/TK-Umgebung einen geringen Finanz- und Entwicklungsaufwand.

Deshalb lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Bedürfnisse Convenience, Sicherheit und Kosten-Nutzen-Verhältnis mit Sprachbiometrie-Lösungen optimal adressiert werden – insbesondere dann, wenn das Telefon ein wesentlicher Kontaktkanal ist.

Michael Bommer: Für Unternehmen ist die Sprachbiometrie, im Vergleich zu Fingerabdruck- und Iris-Scans, die attraktivere Option, da sie sich technisch leichter umsetzen lässt und sich besonders für den Telefon- und Kundenservice eignet. Da zahlreiche Unternehmen bereits automatisierte Sprachlösungen in ihren Kundendienstzentren einsetzen, erfordert die Integration der Sprachbiometrie in die bereits vorhandene IT-Umgebung einen geringeren Finanz- und Entwicklungsaufwand.

Aus der Perspektive der Kunden ist Sprachbiometrie sehr einfach zu nutzen, da sie lediglich ihre Stimme und ein Telefon benötigen, um sich zu authentifizieren.

Sprachbiometrie bietet mehrere Vorteile: zum einen die hohe biometrische Sicherheit, die die Stimme aufgrund ihres eindeutigen Profils aufweist. Zum anderen wird auf Bürgerseite außer einem Telefon keine Hardware benötigt, die nötige Infrastruktur ist also immer und überall vorhanden.

weiter mit: Warum hat sich Sprachbiometrie bisher in Deutschland nicht durchgesetzt?

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