Totalausfall, Updates und Enterprise-Features

Satelliteninternet im Langzeittest

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

IP-Insider hat Tooway im Dauereinsatz auf den Zahn gefühlt.
IP-Insider hat Tooway im Dauereinsatz auf den Zahn gefühlt.

Über das, was Eutelsats Breitband-Internet per Satellit leistet, hat IP-Insider bereits Anfang des Jahres berichtet. Lesen Sie jetzt, wie zuverlässig Tooway im Dauereinsatz funktioniert.

Nachdem wir bereits über Installation und Praxistauglichkeit des von Eutelsat unter der Marke Tooway vertriebenen Satelliteninternets berichtet haben, wollen wir im dritten Teil unserer Testreihe den langfristigen Einsatz des Systems behandeln.

Neben Benchmarks interessiert uns dabei auch, welche Fortschritte der Hersteller mit den zunächst noch beobachteten Unzulänglichkeiten der Plattform machen konnte.

Zur dauerhaften Performance-Messung entschieden wir uns für eine SamKnows-Whitebox, die aktuell im Rahmen einer Studie der Europäischen Kommission verwendet wird. Für das System sprechen preisgünstige Anschaffung (kostenlos) und einfache Implementierung. Als Nachteil stellten wir während unseres Tests fest, dass die spezielle Whitebox nur unzureichend mit Satellitenverbindungen umgehen kann.

Messmethodik mit Tücken

Konkret zeigte das System beispielsweise illusorische Upstream-Werte um die 60 Gbit/s an, während die Downstreams in einem realistischen Bereich lagen. Wir wendeten uns daher an den SamKnows-Support. Der versuchte sich zunächst erfolglos an Codeanpassungen für unseren Einsatzzweck und gab schließlich auf. Immerhin erfuhren wir, dass eine verwendete Datenkompression zu unzuverlässigen Messwerten führen könnte.

Ähnlich, aber missverständlich, äußerte sich auch Eutelsat. So hieß es einerseits, dass keine Kompression stattfinde. Andererseits verwies der Anbieter auf die AcceleNet Technology, die Kompressionsalgorithmen beinhaltet. Als weiteren Faktor für unzuverlässige Benchmarks nennt Eutelsat die Ping-Abfragen, die von einigen Performance-Tests genutzt aber bei Tooway niedrig priorisiert werden.

Eutelsat empfahl schließlich die für Satellitenverbindungen optimierte Messlösung Speedprobe des eigenen Breitband-Ablegers Skylogic. Wir haben das Tool auf einem identischen Rechner und nahezu zeitgleich sowie mehrmals gegen den mutmaßlich weniger geeigneten Speedtest.net antreten lassen. Ergebnis: Die Speedprobe-Messungen ermittelten stets schnellere Verbindungen als Speedtest.net (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Zwei Benchmarks, zwei Ergebnisse die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten.
Abbildung 1: Zwei Benchmarks, zwei Ergebnisse die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten.

Ein zur Gegenprobe heruntergeladenes Linux-Image bestätigte dabei die Speedprobe-Werte (siehe Abbildung 2). Für unseren Test bedeutet das: Die Messungen unterschiedlicher Tools sind nicht miteinander vergleichbar. Mit Speedtest ermittelte Werte liegen tendenziell unter der tatsächlichen Performance. Die mit Whitebox ermittelten Statistiken ziehen wir als Anhaltspunkt für Performanceschwankungen heran.

Abbildung 2: Als Gegenprobe bestätigt ein Linux-Download die Testergebnisse von Speedprobe.
Abbildung 2: Als Gegenprobe bestätigt ein Linux-Download die Testergebnisse von Speedprobe.

Performanceprobleme und Totalausfall

Bereits kurz nach Abschluss unserer ersten Tests, mussten wir am Nachmittag des 6. Januar einen kompletten Ausfall unseres Internetanschlusses feststellen. Nach gut einer Stunde konnten wir uns wieder verbinden.

Abbildung 3: Packet Loss laut SamKnows: Den ersten Ausschlag haben wir im Nachgang eines Komplettausfalls gemessen.
Abbildung 3: Packet Loss laut SamKnows: Den ersten Ausschlag haben wir im Nachgang eines Komplettausfalls gemessen.

Das Monitoring per SamKnows-Whitebox verzeichnet bis zum 6. Januar steigende DNS-Antwortzeiten und bestätigt zudem steigende Paketverluste (siehe Abbildung 3). Ähnliche Ausschläge finden wir in den Protokollen auch in Februar, März und April – subjektiv bemerkt haben wir hiervon allerdings nichts.

Abbildung 4: Downstream-Durchsatz laut SamKnows: Nach lang anhaltenden Einbrüchen im Februar, hat sich die Performance mittlerweile anscheinend stabilisiert.
Abbildung 4: Downstream-Durchsatz laut SamKnows: Nach lang anhaltenden Einbrüchen im Februar, hat sich die Performance mittlerweile anscheinend stabilisiert.

Feststellen konnten wir hingegen einen deutlichen Leistungseinbruch der Verbindung über weite Teile des Monats Februar (siehe Abbildung 4). Dies bestätigen auch die SamKnows-Protokolle. Die Ladezeit von Webseiten stieg von etwa vier Sekunden auf bis zu zehn Sekunden. DNS-Antworten brauchten durchschnittlich bis zu 890 ms, statt normal deutlich unter 100 ms.

Auch die sonst als stabil um zehn Mbit/s gemessenen Durchsätze brachen laut SamKnows-Whitebox um die Hälfte ein. Die mit Speedtest am 12. Februar ermittelte Downloadgeschwindigkeit von 0,72 Mbit pro Sekunde (siehe Abbildung 5) müssen wir freilich relativieren, wie bereits im Abschnitt Messmethodik angedeutet. Festzuhalten bleibt allerdings, dass auch Speedtest.net lediglich einen Bruchteil der normalerweise gemessenen Geschwindigkeit protokollierte.

Abbildung 5: Die vernichtenden Werte von Speedtest.net müssen relativiert werden.
Abbildung 5: Die vernichtenden Werte von Speedtest.net müssen relativiert werden.

Von Jahresbeginn bis Ende April hatten wir also mit zwei größeren Problemen zu tun: Einem vergleichsweise kurzen Totalausfall am 6. Januar, sowie lang anhaltenden Performanceeinbrüchen im Februar. Über die Gründe hat uns Eutelsat zwar nichts verraten; der Verlauf unserer Messprotokolle legt aber nahe, dass die Probleme mittlerweile behoben sind.

Unregelmäßigkeiten und Updates

Lief unser ViaSat-Satellitenmodem im Dezember noch unter UT_1.2.1.1.3, so hat sich die Firmwareversion mittlerweile auf UT_1.2.1.5.1 erhöht. Trotz vorsichtiger Nummerierung, sind die Auswirkungen im Alltag durchaus zu spüren. Die in unseren vorherigen Tests bemängelten Probleme zwischen Router und Satmodem treten mittlerweile nicht mehr auf.

Auch weitere Schwierigkeiten konnte der Anbieter mittlerweile beheben. So konnten wir mitunter einige Webpages nicht per Satellitennetz ansteuern, während das etwa per Mobilfunk gelang. Eutelsats Begründung: Die Webserver selbst blockierten die IP-Adressen. Mit einem neuen Adressblock konnte der Anbieter das Problem dann auch tatsächlich lösen.

Des Weiteren hatten wir bis Mitte April Mühe, uns beim Webmailer des Anbieters Yahoo anzumelden: Die Seite erkannte zwar unsere Identität. Bevor wir unsere E-Mails anschauen konnten, mussten wir das Passwort allerdings mehrmals eingeben. Mittlerweile ist das nicht mehr nötig.

In sehr vereinzelten Fällen erhalten wir beim Surfen allerdings noch immer den Fehlercode 310 für zu viele Redirects. Ein Reload hat bei diesem kaum reproduzierbaren Verhalten bislang stets Abhilfe geschaffen.

Portfreigabe und Enterprise-Features

Bei unseren Tests war es uns nicht möglich, einen Server aufzusetzen und per Internet verfügbar zu machen. Laut Eutelsat ist das ein gewolltes Verhalten: Die Standardprodukte für Endnutzer enthalten eine Internet-Firewall. Nichtsdestotrotz können Server aufgesetzt werden. Die dafür bei Distributoren zu buchende Option heißt "Open IP".

Unternehmen, die Virtual Private Networks (VPN) nutzen wollen, empfiehlt Eutelsat das Viasat "AcceleNet Enterprize Edition"-Packet. Mit der OneAccess-Plattform lassen sich zudem höhere Leistungen garantieren.

Fazit

Trotz eines Totalausfalls und der beobachteten Leistungseinbrüche im Februar, haben wir die Tooway-Lösung auch im Langzeittest als zuverlässigen Internetzugang erlebt. Nicht zuletzt stetiger Updates und Nachbesserungen wegen, kann der Dienst als alltagstauglich bezeichnet werden.

An den grundlegenden Bedenken gegenüber der Technik ändert das freilich nichts. Unternehmen, die sich mit astronomischen Latenzen arrangieren, können das Paket für VPN oder Server-Zugriffe anpassen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 33485010 / Breitband auf dem Land)