Aus dem Alltag eines Netzwerkers – die Fehlersuche im System

Root Cause Analysis, Teil 1: Das Überschreiten von Bandbreiten

02.09.2009 | Autor / Redakteur: Peter Mörsch / Ulrike Ostler

Die Suche nach Fehlerursachen kann wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen sein
Die Suche nach Fehlerursachen kann wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen sein

Nur ein umfassendes Performance- und Fehler-Management in Verbindung mit einer präzisen Fehler-Ursachenforschung (Root Cause Analysis) garantiert eine nahtlose Kommunikation auf allen Kanälen. Anhand von Beispielen aus dem Praxisalltag eines Netzwerkers wird diese These in einer dreiteiligen Serie belegt. Dieser Teil befasst sich mit der Bandbreite.

Das ist die Ausgangslage: Ein Unternehmen mit Lokationen in München, Frankfurt und der Hauptniederlassung in Berlin hat ein großes Netzwerk mit einer Kombination von mehreren hundert Routern und Switches installiert. Wöchentlich müssen regelmäßig geplante Datenbankabgleiche durchgeführt werden, um dezentral vorgehaltene Geschäftsdaten zentral im Berliner Rechenzentrum zu speichern.

Dabei werden große Datenmengen transportiert. Der Datentransfer zwischen Berlin und München wurde im Hinblick auf Zeitpunkt (Freitag 14 Uhr) und benötigte Bandbreite mit den Netzwerkern abgesprochen und geplant.

Trotzdem tauchen neuerdings freitags nachmittags Kommunikationsprobleme auf, weil der Vertrieb des Unternehmens freitags von 14 bis 16 Uhr seine Mitarbeiter per Business-TV schult. Die Schulung, die zudem in einer unnötig hohen Übertragungsqualität läuft, ist zwar mit den Applikations-Administratoren abgesprochen, jedoch nicht mit den Netzwerkern.

Die Folgen:

Der geplante Datenbankabgleich und ein zum gleichen Zeitpunkt für den Netzwerker ungeplantes Business-TV führen zum einen zu einer Bandbreitenüberschreitung. Zum anderen entsteht eine Vielzahl weiterer Fehler – mit der Folge, dass in der Kommunikation eine größere Verzögerung eintritt, die wiederum auch andere Dienste in Mitleidenschaft zieht.

So treten beispielsweise packet drops auf: Bereits gesendete Pakete müssen komplett noch einmal verschickt werden. Dadurch wiederum vervielfacht sich die Bandbreite, die nötig ist, um ein einzelnes Paket zu transportieren.

Der Datenbank-Administrator, der den Datenbankabgleich zwischen Berlin und München mit drei Stunden geplant hat, muss jetzt mit sechs statt drei Stunden rechnen. Auch für die Endanwender verschlechtert sich die Kommunikation. VoIP ist stark eingeschränkt, ebenso wie das Instant Messaging.

Vom freitäglichen Bandbreitenproblem ist aber immer nur die Strecke Berlin-München betroffen. Es ist deswegen schwer herauszufinden, warum dieser Transfer so langsam ist. Weil diese Störungen aber regelmäßig auftreten, überlegt das Unternehmen, eventuell einen neuen Vertrag mit seinem Service Provider abzuschließen. Es weiß, dass am Ende der Woche zu wenig Bandbreite vorhanden ist, kennt aber nicht die Ursache des Problems.

weiter mit: Die umständliche Variante der Fehlersuche- und -beseitigung

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