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Netzwerk- und System-Management zum Nulltarif Open-Source-Alternativen zu teuren Management-Werkzeugen

| Autor / Redakteur: Annette Stadler / Ulrike Ostler

Teure Lizenzen und hohe Inbetriebnahmekosten ärgern viele Unternehmen bei Netzwerk- und System-Management-Lösungen. Aber jetzt zeichnen sich mit Open-Source-Werkzeugen Alternativen ab, die sich nicht nur für isolierte Einzellösungen eignen.

( Archiv: Vogel Business Media )

Kleine und mittlere Betriebe aber auch Unternehmen aus dem Finanz- und Gesundheitssektor betreiben integriertes System- und Netzwerkmanagement vermehrt mit Open-Source-Werkzeugen. „Aufgrund niedrigerer Kosten, einfacherer Bedienbarkeit und der Unabhängigkeit von einem bestimmten Hersteller entscheiden sich immer mehr Anwender für eine Open-Source-Lösung“, berichtet Maik Außendorf, geschäftsführender Gesellschafter des IT-Beratungsunternehmens Dass IT GmbH in Köln.

Nagios

In Deutschland gilt Nagios im Open-Source-Bereich als führende IT-Management- Anwendung. Sie wird in großen, heterogenen Umgebungen in wissenschaftlichem und kommerziellem Umfeld erfolgreich eingesetzt. So zählt die IT-Umgebung des Forschungs-Zentrums Karlsruhe mit rund 1.400 Komponenten und etwa 10.000 überwachten Diensten ebenso zu den Anwendern wie der Eierlikörhersteller Verpoorten in Bonn.

Prinzipiell ist Nagios ein statusorientiertes Plug-in-basiertes Monitoring Framework, das unter allen üblichen Unix-Varianten und Linux läuft. Auf SNMP-Basis testet es auch Windows-Server und Netzwerkkomponenten. Im einfachsten Fall überprüft es mittels periodischem „Ping“, ob eine Maschine antwortet.

Weitergehende Tests überwachen spezielle Ports oder die Ausgabe von Systemkommandos auf den überwachten Servern. Für einzelne Checks lassen sich zudem Schwellenwerte definieren. Überschreitet zum Beispiel die Festplattenauslastung auf einem Rechner den Wert von 90 Prozent, erzeugt die Lösung eine Warnung. Der Administrator kann sich um die Kapazitäten kümmern, bevor ein echtes Problem auftritt.

Bei Verpoorten überwacht das Tool die Vitalfunktionen aller Server und Router ausfallsicher und in Echtzeit mit redundantem Monitoring. Fällt eine Komponente aus, ermittelt die Lösung auch die betroffenen Prozesse und verschickt eine Mail an die Mitarbeiter in der IT Abteilung.

Sobald die Open-Source-Werkzeug registriert, dass etwa das Fax-Gateway ausgefallen ist, zeigt es auch den zugehörigen Prozess „Bestelleingang“ als gestört an. Neben Linux- und Windows-Servern sind bei Verpoorten IBM iSeries-Server im Einsatz, die Nagios mit entsprechenden Plugins überwacht. Abgesehen von der Überwachung führt es Langzeitstatistiken über die Verfügbarkeit und Performance der beobachteten Dienste durch.

Da das Tool das System ständig prüft, erkennt es Störungen häufig bevor Anwender sie bemerken. Zudem lassen sich durch die Langzeitüberwachung Trends absehen, die den Administrator frühzeitig auf Probleme hinweisen. „So erfährt die IT-Abteilung als erstes davon, wenn sich Komplikationen abzeichnen, denen sie dann entgegen wirken kann“, sagt Außendorf, der die Verpoorten-Installation begleitet hat.

Nagios steht unter der Open Source Lizenz GPL. Neben mitgelieferten Plug-ins lassen sich diese in beliebigen Programmiersprachen selbst entwickeln und über Portale wie nagiosexchange.org beziehen.

Nagios-Schwächen

Zu den Nachteilen von Nagios zählt die fehlende Web-Oberfläche. Wie System-spezialist Außendorf erläutert, dient das vorhandene Web-Interface lediglich der Anzeige von Systemzuständen, aber nicht dem Konfigurieren des Systems. Wenn der Admin weitere Systeme oder Dienste überwachen möchte, so müsse er bei Nagios immer in Text-Konfigurationsdateien Veränderungen von Hand vornehmen.

Bei der Erweiterung Groundwork beispielsweise ließen sich entsprechende Parameter über eine komfortable, AJAX basierte Web-Oberfläche einstellen. Außerdem mangelt es Nagios an einer adäquaten Datenbankanbindung. Auch diese bietet Groundwork Monitor Open Source.

Groundwork wurde 2004 als Unternehmen in den USA gegründet und besitzt seit März 2006 eine Niederlassung in München. Neben dem kostenfreien Produkt bietet das Unternehmen zwei kostenpflichtige Versionen an, die auf Nagios basieren. „Jedoch sind sie leistungsfähiger, einfacher zu bedienen und zu erweitern als die kostenfreie Open-Source-Software Nagios“, so Außendorf.

Groundwork-Varianten

Die Small-Business-Variante, die bis zu bis zu 50 Systeme verwalten kann, kostet 7.200 Euro jährlich während die Professional-Lösung bei 14.400 Euro liegt. Im Preis sind die Software, Instandhaltung, Support und aktuelle Plug-Ins enthalten. Vorteile dieser Lösungen sind die gegenüber Nagios stärker ausgeprägten Performance-Management und –Analyse-Fähigkeiten sowie Reportingfunktionen. „Zwar kann man mit Nagios bestimmte Schwellwerte festsetzen aber keine permanenten Abfragen betreiben und Syslog-Informationen analysieren“, führt Detlev Altendorf, EMEA Territory Manager von Groundwork, an.

So ist bei Professional-Variante ist der BIRT-Eclipse Report-Generator integriert. Damit lassen sich graphische, flexible Auswertungen erstellen, beispielsweise Diagramme, die die Verfügbarkeit aller Webservices zusammenfassen.

Informationen der entsprechenden Tools werden über Adapter zur „Groundwork Foundation“, dem eigentlichen Kern des Monitors, zusammengeführt. Die Integration geschieht über ein „Common Data Model“, das seinerseits Informationen an die integrierte Open-Source-Datenbank MySQL weiterleitet beziehungsweise von dieser erhält. Die Systembefunde lassen sich über Anwendungsprogrammier-Schnittstellen (APIs) und das Portal-Framework „Guava“ Web-basierend über verschiedene Anwendungen in Echtzeit darstellen.

Kundschaft

Zu den ersten Referenzkunden in Europa zählt Siemens Business Services in Österreich, die ihre gesamten Webservices mit Groundwork überwachen. „Generell sind viele Unternehmen nicht mehr bereit, hohe IT-Budgets für Monitoring zu verwenden“, berichtet Altendorf. Daher gibt es zahlreiche Fälle, in denen Groundwork kommerzielle Produkte ablöst oder ergänzt.

So hatte ein amerikanischer Application Service Provider HP Openview bereits in Betrieb und wollte die Installation zur Überwachung Java basierender Server erweitern. Bei einem Vergleich stellte sich heraus, dass die komplette Überwachung mit Groundwork nur 30 Prozent der Folgekosten von HP Openview ausmachen würde. Daher entschied sich das Unternehmen für einen Systemwechsel.

In Deutschland gibt es laut Altendorf ebenfalls Beispiele, wo Groundwork auch andere bekannte Lösungen wie CA Unicenter ersetzt hat. Daneben existieren Fälle, in denen Groundwork mit weiteren Mangement-Tools beispielsweise der Helpdesk-Software von Remedy oder dem Oracle Enterprise Manager zusammenarbeitet und Informationen übergreifend austauscht. Dabei kann Groundwork als Framework genauso andere Lösungen integrieren wie umgekehrt.

Weitere Werkzeuge

Neben Nagios und Groundwork existieren zahlreiche weitere Open-Source-Tools, die zum Netzwerk- und Systemmanagement dienen. Hauptgrund für ihren Einsatz ist die bessere Kosteneffizienz. Darüber hinaus sind die Werkzeuge häufig übersichtlicher. Dies liegt zum Teil an der geringeren Funktionsvielfalt. Fällt sie weg, stört dies nicht solange ein Anwender nicht genau die fehlende Funktion benötigt.

Zugleich sind Lücken in den Programmen auch leichter zu beheben, da der Bediener nicht auf die Entwicklung durch den Hersteller warten muss, sondern andere aus der Community helfen können oder eigene Programmierungen möglich sind. Daher sprechen Anwender häufig von einem besseren Service als bei Herstellern kommerzieller Produkte.

Aufmerksamkeit geweckt

Diese sind sich der neuen Konkurrenz zwar bewusst, die sie in den Projekten bereits antreffen. Gerhard Haberstroh, Netzwerk- und System-Mangement-Experte bei Hewlett-Packard, sieht darin aber keine große Bedrohung für das HP Openview-Geschäft: „Open-Source-Werkzeuge legen ihren Fokus nur auf Netzwerk- oder Systemmangement. Eine Konsolidierung über Server- und Speicher-Mangement ist beispielsweise nicht möglich.“ Ferner fehlten eine starke Integrationstiefe und die Serviceorientierung, die bei den Kunden eine immer größere Bedeutung einnehme.

Bei der rasanten Entwicklung, die sich momentan im Open-Source-Management-Umfeld abspielt, ist fraglich, ob die Lücke weiterhin bestehen bleibt. Hinter den Open-Source-Projekten stehen auch immer mehr Firmen, die sich mit der kostenlosen und kostenpflichtigen Weiterentwicklung beschäftigen. Selbst wenn Anwender die kommerziellen Varianten einsetzen, ist die Kostenschere zu den etablierten Anbietern immer noch weit offen. Hinsichtlich der Integrationskosten und der gesamten Total Cost of Ownership können IBM, CA und Co ebenfalls nicht mit günstigen Angeboten locken.

Weitere quelloffene Management-Werkzeuge

  • Cacti: Als Nachfolger von Multi Router Traffic Grapher MRTG ist Cacti ein Tool zum Beobachten des Netzwerkverkehrs und der Netzwerkverbindungen, die es grafisch darstellt. Es generiert übersichtliche html-Seiten zur Darstellung der Ergebnisse und ist zur Live-Darstellung und insbesondere für Langzeitstatistiken geeignet. Seine Daten erhält Cacti aus einer Datenbank oder direkt aus der Rückgabe eines Skripts oder Kommandos.
  • OpenNMS: OpenNMS ist eine Java/XML-basierte Monitoring-Plattform mit einer detaillierten Benutzeroberfläche und Stärken bei SNMP-Funktionen. Zusätzlich bietet sie IT-Asset-Mangement-Eigenschaften.
  • Zenoss: Als relativ neues Mangement- und Monitoring-Tool, das in der Version 1.0 verfügbar ist, kann Zenoss mit Netwerkkomponenten, Server, und Applikationen umgehen. Seine Entwicklung koordiniert das gleichnamige Unternehmen, das in diesem Jahr mit Venture Capital ausgestattet wurde.
  • Ziptie: Unter einer Open-Source-Lizenz hat der Softwarehersteller AlterPoint Teile seiner Netzwerk-Verwaltungssoftware veröffentlicht. Ziptie verwaltet, sichert und vergleicht die Einstellungen von Netzwerk-Geräten und arbeitet als Inventarverwaltung.

Konsortium für System-Management mit Open Source

Im Mai diesen Jahres haben Anbieter von Open-Source-Software für System- und Netzwerk-Management das Open Management Consortium (OMC) ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Nagios, NetDirector, Open QRM, das Webmin-Projekt, Open SIMS und das Zenoss-Projekt. Zusammen wollen sie den Bekanntheitsgrad von Open-Source-Management-Tools steigern, an Konventionen und Standards für die Integration und Interoperabilität arbeiten sowie, die Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung fördern.

Darüber hinaus möchte die Vereinigung die Kooperation mit kommerziellen Anbietern antreiben. Inwieweit tatsächlich technische Entwicklungen gemeinsam vorangetrieben werden, bleibt abzuwarten. In erster Linie scheint es der Vereinigung um Open-Source-Marketing zu gehen.

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