Was wir von Südafrika & Co. lernen können

Mobile Kommunikation als Wachstumstreiber

| Autor / Redakteur: Werner Rieche / Andreas Donner

Gerade in Sachen Mobilfunknutzung und mobilen Service-Angeboten sind uns Schwellenländer wie Afrika oder Indien weit voraus.
Gerade in Sachen Mobilfunknutzung und mobilen Service-Angeboten sind uns Schwellenländer wie Afrika oder Indien weit voraus. (Bild: gemeinfrei (Pixabay / Lucas23) / CC0)

Die mobile Kommunikation bietet großes Potenzial für Innovationen und wirtschaftliches Wachstum. Wohin die Reise geht, zeigt die Entwicklung in Schwellenländern wie Südafrika & Co. Auch deutsche Unternehmen können daraus einiges lernen.

Das Smartphone gehört heute ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. Immer mehr Transaktionen erledigen wir mobil. Unternehmen, die sich auch in Zukunft erfolgreich am Markt behaupten wollen, müssen mobile Endgeräte und Kommunikation daher verstärkt in ihre Prozesse und Services mit einbeziehen. Dabei kann die westliche Welt gerade von Schwellenländern wie Südafrika und Indien etwas lernen.

Denn sie haben das Festnetz-Zeitalter einfach übersprungen und sind gleich mobil durchgestartet. Innovative Geschäftsmodelle, die auf mobiler Kommunikation aufbauen, finden hier einen idealen Nährboden. So hat sich zum Beispiel in Indonesien ein Unternehmen darauf spezialisiert, Mitfahrgelegenheiten auf Motorrädern und Rollern zu vermitteln – via Smartphone. Dieses Konzept „Uber für Zweiräder“ hat mittlerweile mehr als 11.000 Fahrer. Im Finanzsektor bietet das Frankfurter Start-up Awamo eine Lösung, mit der Nutzer in Afrika vom Handy oder Smartphone aus Mikrokredite beantragen können. Der gesamte Vorgang, vom Kreditangebot bis zur Rückzahlung, wird in digitaler Form abgewickelt.

Afrika hat beim mobilen Zahlungsverkehr die Nase vorn

Insgesamt nehmen afrikanische Staaten im Online-Banking und mobilen Zahlungsverkehr eine führende Rolle ein. Ein Grund dafür ist, dass ein Großteil der gegenwärtig mehr als 500 Millionen Mobilgeräte-Nutzer in Afrika Geldüberweisungen vom Handy oder Smartphone aus tätigen. Denn für viele Kunden ist der Weg bis zur nächsten Bankfiliale schlichtweg zu weit, vor allem in ländlichen Regionen.

Außerdem entwickelt sich die Mobilkommunikation in Schwellenländern zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Bis zum Jahr 2018 wird nach Einschätzung der GSM Association der Beitrag der Mobilfunkbranche zum Bruttoinlandsprodukt der Länder südlich der Sahara auf 7,6 Prozent ansteigen und 2020 ein Volumen von 214 Milliarden US-Dollar erreichen. Zwei Drittel davon entfallen auf Produktivitätssteigerungen, die vor allem durch mobile Internet-Services angetrieben werden.

Erfolgsrezept: Maßgeschneiderte Lösungen bieten

Was ist das Erfolgsrezept hinter den neuen Geschäftsmodellen? Sie sind exakt auf die Bedürfnisse der Anwender abgestimmt. Gerade für entlegene Regionen, in denen die Einwohner nicht einmal ein Bankkonto haben, heißt das außerdem: Die Services müssen so einfach wie möglich sein. Das Konzept einer maßgeschneiderten, komfortablen und unkomplizierten Anwendung lässt sich auch auf die Industrienationen übertragen. Viele junge FinTech-Unternehmen gehen diesen Weg bereits. Sie entwickeln zum Beispiel Lösungen, die ein komplettes Girokonto auf dem Smartphone einrichten oder es erlauben, vom Mobilgerät aus Geld an Personen zu überweisen, die im Adressverzeichnis des Systems vorhanden sind. So setzen die Newcomer die etablierten Banken und Finanzdienstleister kräftig unter Druck.

Entwicklungszeiten für Anwendungen verkürzen

Um Anwendungen zu entwickeln, die dicht am Nutzer und am Markt sind, müssen Unternehmen in der Lage sein, schnell und agil zu handeln. Denn Anforderungen ändern sich schnell und lange Entwicklungszeiten führen dazu, dass ein Produkt schon wieder überholt sein kann, bevor es überhaupt auf den Markt kommt. Auch die Konkurrenz schläft nicht und verschärft den Wettlauf um die Gunst der Kunden. In der App-Entwicklung kann zum Beispiel die Einführung eines zentralen Repositorys einen Zeitgewinn bringen. Dort laufen alle Informationen zusammen, inklusive Templates für bestimmte App-Funktionen und Dokumentationen aller Art. Alle Entwicklungsarbeiten sind für jeden Mitarbeiter transparent. Zeitaufwändige Doppeltentwicklung gibt es somit nicht und Datensilos werden vermieden.

Damit Kunden Apps auch mit verschiedenen Endgeräten komfortabel nutzen können, müssen Unternehmen ihre Hintergrundprozesse entsprechend anpassen. Spezielle Software-Lösungen vereinfachen die Entwicklung für unterschiedliche Plattformen und unterstützen dabei, mobile Anwendungen an IT-Systeme und Prozesse im Back-End anzubinden. Das gilt selbst für Prozesse, die immer noch auf Großrechnern laufen. Speziell im Bankenbereich sind solche Mainframes wegen der hohen Zuverlässigkeit und Rechenleistung häufig noch ein wichtiger Bestandteil der IT-Infrastruktur.

Mobile Kommunikation als Wirtschaftsmotor: Laut der GSM Association werden Mobilfunk-Serviceprovider und damit verbundene Branchen ab 2018 voraussichtlich 7,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der afrikanischen Staaten südlich der Sahara beitragen.
Mobile Kommunikation als Wirtschaftsmotor: Laut der GSM Association werden Mobilfunk-Serviceprovider und damit verbundene Branchen ab 2018 voraussichtlich 7,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der afrikanischen Staaten südlich der Sahara beitragen. (Bild: GSMA Intelligence)

Die IT-Landschaft effizient steuern

Für die Bereitstellung von konvergenten Services müssen unterschiedliche Unternehmensbereiche nahtlos zusammenarbeiten. Hilfreich ist dabei eine Enterprise Architecture Management Plattform. Sie unterstützt Unternehmen dabei, ihre Business- und IT-Landschaft zu steuern und optimal aufeinander abzustimmen. Eine solche Plattform dient zur Beschreibung der Geschäfts-, Anwendungs-, Informations- und Technologieschichten komplexer IT-Systeme, um Standards für Änderungen zu definieren. Sie erstellt ein Echtzeit-Bild der bestehenden IT-Landschaft, das alle Anwendungen und Technologien mit ihren Wechselbeziehungen, Informationsflüssen, beteiligten Fachbereichen und den unterstützenden Prozessen abbildet, und schafft damit die Grundlage für die Geschäfts- und IT-Transformation. Die IT wird reaktionsschneller und flexibler, neue Aufgaben und Geschäftsanforderungen können schneller erfüllt werden.

Für ausreichende Sicherheit sorgen

Nicht nur bei Apps für den Finanzbereich spielt die Sicherheit eine entscheidende Rolle. Dafür empfehlen sich regelmäßige Sicherheits-Zertifizierungen für IT-Systeme, Rechenzentren, Geschäftsprozesse und die eingesetzte Software. Für Betreiber von Rechenzentren ist beispielsweise die ISO-27001-Norm wichtig. Für Anbieter von Online-Finanzservices ist wiederum der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) 3.0 das Maß der Dinge. Außerdem ist es wichtig, Transaktionen auf Sicherheitsprobleme und potenzielle Risiken hin zu untersuchen. Dabei bieten Lösungen zur Echtzeit-Analyse eine wertvolle Unterstützung. Sie korrelieren und aggregieren Datenströme aus unterschiedlichen Quellen, erkennen Muster in diesen Datenströmen und unterstützen IT-Fachleute dabei, jederzeit die richtigen Maßnahmen zu treffen. So ermöglichen sie es Finanzdienstleistern und Online-Handelshäusern zum Beispiel, Betrugsversuche, unkorrekte Bezahlvorgänge oder das Erschleichen von Krediten zu unterbinden.

Damit solche Analysen in Echtzeit durchgeführt werden können, ist auch ein entsprechender „Hardware-Unterbau“ erforderlich, der für hohe Datentransaktions-Volumina ausgelegt ist. Dafür sind In-Memory-Lösungen unverzichtbar. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Datendurchsatz um den Faktor 10 oder mehr erhöhen. Das ist nicht nur hilfreich, wenn es um Sicherheitsanalysen von mobilen Transaktionen geht. Solche Lösungen lassen sich auch dazu einsetzen, um die Zugriffszeiten auf Online-Services von Mobilsystemen drastisch zu verkürzen und so die Usability deutlich zu verbessern.

Werner Rieche, Geschäftsführer der Software AG Deutschland GmbH.
Werner Rieche, Geschäftsführer der Software AG Deutschland GmbH. (Bild: Software AG)

Fazit: Chancen rechtzeitig nutzen

Schwellenländer wie Südafrika oder Indonesien zeigen, wie die mobile Kommunikation innovative Geschäftsmodelle und wirtschaftliches Wachstum ankurbelt. Auch Unternehmen in Industrienationen sollten diese Chancen nutzen. Das Erfolgsrezept lautet: Einfache und komfortable Services liefern, die passgenau auf die Zielgruppe zugschnitten sind. Dafür müssen Unternehmen in der Lage sein, schnell und agil zu handeln – und dürfen auch die IT-Sicherheit nicht aus den Augen verlieren. Eine wichtige Rolle dabei spielen geeignete Software-Lösungen und Infrastrukturen.

Über den Autor

Werner Rieche ist seit Juli 2015 Geschäftsführer der SAG Deutschland GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Software AG. Er ist für die gesamten Vertriebs- und Marketingaktivitäten des Software AG-Konzerns in Deutschland zuständig.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44436604 / Märkte & Services)