Wenn Millisekunden zählen: Low-Latency-Netze werden Mainstream

Mit 7 Fragen zum optimalen Low-Latency-Konzept

| Autor / Redakteur: Henry Bohannon / Andreas Donner

Längst haben Low-Latency-Netzwerke die Grenzen der Finanzplatzvernetzung überwunden.
Längst haben Low-Latency-Netzwerke die Grenzen der Finanzplatzvernetzung überwunden. (Bild: kalafoto - Fotolia.com)

Das Standardkommunikationsnetzwerk bietet eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur; Low-Latency-Netzwerke haben das Modell auf den Kopf gestellt: Geschwindigkeit wird dabei wichtiger als Kosten. Und längst ist die Technik einem reinen Einsatz im Banking- und Finance-Umfeld entwachsen.

Einst waren Finanzunternehmen die einzigen Anwender von Low-Latency-Netzwerken. Finanzunternehmen generieren Umsatz aus den spezialgefertigten Low-Latency-Netzwerken. Dies geschieht über die Arbitrage, die zwischen Märkten über den elektronischen Börsenhandel entsteht. Low-Latency-Verknüpfungen wurden speziell entwickelt, um schnellstmögliche Geschwindigkeiten zwischen verschiedenen Standorten, an denen elektronischer Börsenhandel betrieben wird, anzubieten – der Handel zwischen einzelnen Börsen kann somit in Millisekunden durchgeführt werden. Finanzunternehmen profitieren von der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis an unterschiedlichen Börsen. Die Differenz des Kauf- und Verkaufspreis ist extrem klein; werden jedoch größere Mengen gehandelt, können Unternehmen täglich mehrere Millionen Dollar verdienen.

Bisher haben primär Unternehmen aus den Bereichen Banking, Financial Services und Versicherung Low-Latency-Anwendungen genutzt. Mittlerweile sind immer mehr Unternehmen bereit, mehr Geld für mehr Leistung zu zahlen. Diese verbesserte Leistungsfähigkeit zwischen spezifischen Standorten bietet Vorteile, die die hohen Kosten rechtfertigen. Dabei handelt es sich zumeist um Unternehmen, die geschäfts- oder umsatzkritische Anwendungen einsetzen, die auf Netzwerken mit hohen Latenzen nicht optimal laufen würden. Was nun zählt, ist nicht die Frage, ob Anwendungen funktionieren oder nicht, sondern vielmehr, ob eine Investition in die Low-Latency-Leistung direkte Geschäftsvorteile über die verbesserte Anwendungsleistung ermöglichen kann.

Verschiedene Service Provider bieten Low-Latency-Netzwerke mit diversen Auswahlmöglichkeiten an. Da der Markt mittlerweile über die Branche für Financial Services hinausgeht, wird von Service Providern erwartet, diese Märkte mit neuen Möglichkeiten zu erschließen. Auch die Anzahl der Service Provider steigt; somit wird die Wahl des geeigneten Anbieters komplizierter und zeitaufwändiger. Folgende Fragen sollten bei der Auswahl des passenden Anbieters berücksichtigt werden:

1. Globale, regionale oder städtische Low Latency?

Anwender müssen sich auf Anbieter konzentrieren, die ihre Anforderungen erfüllen können. Für städtische Anforderungen sollten sie den lokalen Anbieter für diesen Markt aufsuchen. Für regionale Low-Latency-Konnektivität wird sich auch die Auswahl der Service Provider ändern, da nicht alle städtischen Anbieter ihre Dienste über die Stadtgrenzen hinaus anbieten. Weltweite Anbieter müssen separat betrachtet werden, da sie über Expertise und Investitionen auf einem globalen Level verfügen. Tata Communications ist beispielsweise ein weltweiter Anbieter, ein regionaler Anbieter und – innerhalb von Indien – auch ein städtischer Anbieter. Die erste Phase von Tata Communications weltweitem Low-Latency-Netzwerk vernetzt die sechs wichtigsten Finanzzentren der Welt – Chicago, Tokio, Singapur, Hong Kong und New York.

2. Punkt-zu-Punkt, oder Multipoint?

Bisher haben Unternehmen mit Punkt-zu-Punkt-Verbindungen gearbeitet, um das benötigte Netzwerk aufzubauen und zu verwalten. Dennoch erkennen immer mehr Unternehmen die Kostenvorteile, die durch Multipoint-Ethernet entstehen. Welche Lösung benötigen sie? Die Antwort hängt von den spezifischen Tätigkeiten des Unternehmens ab. Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sind gängig; ignoriert man die Vorteile von Multipoint, kann dies jedoch schnell zu Nachteilen im Wettbewerb führen.

3. Börse zu Börse oder Stadt zu Stadt to exchange?

Normalerweise sind Low-Latency-Netzwerke so aufgebaut, dass sie direkt die Rechenzentren vernetzen, in denen der elektronische Finanzhandel stattfindet, um höchstmögliche Geschwindigkeiten für Finanztransaktionen zu erreichen. Diese Lösung mag gut zwischen Finanzunternehmen funktionieren, die elektronischen Finanzhandelszentren decken aber möglicherweise nicht die Anforderungen anderer Branchen ab.

4. Was wird überwacht?

Anwender müssen sich bewusst sein, dass die generelle Leistung des kompletten Kreislaufs wichtig ist. Latenzen müssen kontinuierlich überwacht werden; ebenso der Verlust von Datenpaketen und die Verfügbarkeit des Netzwerks. Das Service Level Agreement (SLA) bestätigt, wie zuversichtlich der Anbieter im eigenen Netzwerk ist. Unternehmen mit guten SLAs überwachen die Latenz ihres Netzwerks jede Sekunde. Online-Reporting, das minütlich aktualisiert wird, ermöglicht es Kunden, ihre Verbindungsauslastung, Datenverlust, Verfügbarkeit und Jitter zu visualisieren. Damit wird gewährleistet, dass die Verbindung mit maximaler Leistung funktioniert.

5. Wird Diversität benötigt?

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus? Wie viel Diversität und Verfügbarkeit benötigen Sie? Benötigen Sie nur eine ungeschützte Verbindung mit kleinster Latenz oder brauchen Sie Low Latency mit hoher Verfügbarkeit? In einigen Regionen kann es vorkommen, dass die kleinste Latenz auf einer Strecke vorkommt, die öfter ausfällt. Low-Latency-Netzwerke werden oftmals als ungeschützt verkauft; der Kunde kann mehrere Verbindungen erwerben, die über die beste Latenz verfügen und ihre eigene Schutzschaltung durchführen, um direkte Kontrolle über die Latenzleistung zu behalten. Das Kundengeschäftsmodell wird das Risiko sowie den Aufwand bestimmen, der in den Aufbau eines Netzwerks investiert werden muss, um optimale Resultate zu erzielen.

6. Wird nur Low Latency gebraucht?

Einige Netzwerkanbieter spezialisieren sich lediglich auf Low Latency-Netzwerke; wobei andere womöglich zusätzlich Standardnetzwerke bieten, die nicht spezialgefertigt sind. Wenn Unternehmen nicht an jedem Standort Low Latency benötigen, spart die Zusammenarbeit mit einem Anbieter, der mehrere Netzwerke betreibt, Geld – dies gilt besonders bei Multipoint-Services. Anwender, die mehrere Netzwerke operieren, können einzelne Multipoint-Lösungen über mehrere Netzwerke anbieten und somit die beste Lösung für den besten Preis bereitstellen.

7. Welche weiteren Faktoren sind wichtig?

Low-Latency-Netzwerke unterscheiden sich im Preis und in der Geschwindigkeit. Ist die zusätzliche Geschwindigkeit die Mehrkosten wert? Was ist mit der Sicherheit? Werden die Daten im Netzwerk des Service Providers sicher sein? Die Finanzkraft des Anbieters ist ebenso wichtig; besonders, wenn ein signifikanter Teil des Unternehmens über das bereitgestellte Netzwerk läuft. Niemand kann es sich leisten, eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass der Service Provider Konkurs angemeldet hat und das Netzwerk permament geschlossen ist.

Henry Bohannon
Henry Bohannon (Bild: Tata)

Fazit

Der Low-Latency-Markt geht über den typischen Anwender – die Finanzunternehmen – hinaus. Oberflächlich betrachtet, drehen sich Low-Latency-Netzwerke um eine Sache: Latenz. In der Realität müssen sich neue und alte Anwender von Low Latency eine Reihe von Fragen stellen, um ihre Anforderungen zu identifizieren sowie die Risiken, die sie eingehen können und welche Lösung ihre Anforderungen am besten erfüllt. Netzwerke sind ein vitaler Teil des Unternehmens und oftmals die Umsatzgeneratoren. Ein Unternehmen mit dem besten Netzwerk, dem besten Preis und dem akzeptabelsten Risiko, wird erfolgreich Umsatz und Effizienz maximieren.

Über den Autor

Von Henry Bohannon, Senior Director, Head of Ethernet Product Management bei Tata Communications.

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