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Low Latency Verbindungen für das High Frequency Trading (HFT) Mikrowellenfunk, Glasfaserverbindung oder beides?

Autor / Redakteur: Tarik M’Rabet Moreno / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Über Mikrowellenfunkverbindungen können Daten schneller als je zuvor übertragen werden. Doch dies ist nur ein Teil der Lösung. Tarik M’Rabet Moreno, Spezialist für geringe Latenz bei Colt Technology Services, erklärt, warum eine Kombination aus Glasfaser und Mikrowellenfunk der klügere Ansatz im Wettlauf gegen die Zeit ist.

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Mit einer bis zu 40% schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit ist der Mikrowellenfunk ein wichtiger Übertragungsweg im High Frequency Trading.
Mit einer bis zu 40% schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit ist der Mikrowellenfunk ein wichtiger Übertragungsweg im High Frequency Trading.
(Bild: Colt TSG)

Mit einer bis zu 40 % schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit scheint sich der Mikrowellenfunkstandard zu einem wichtigen Tool im Kampf um Wettbewerbsvorteile – etwa im Hochfrequenzhandel – zu etablieren. Allerdings wird er keinen tiefgreifenden Wandel in der Branche auslösen. Denn der Mikrowellenfunk hat seine Grenzen. Die optimale Lösung besteht daher in der Kombination aus Glasfaser- und Mikrowellenfunkverbindungen mit geringer Latenz.

Bevor wir uns jedoch näher mit den Einschränkungen befassen, gilt es zunächst zu betonen, dass Mikrowellenfunkstandards nachweislich mit schnelleren Übertragungszeiten verbunden sind. In den USA wurden in diesem Jahr mehrere Systeme mit Mikrowellenfunkverbindung in Betrieb genommen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Verbindung zwischen den Finanzzentren Chicago und New York.

Handelsunternehmen, die diese Technologie verwenden, gewannen bereits an Einfluss und belegen, dass es einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil mit sich bringt, der Erste am Markt mit Mikrowellenfunkverbindung zu sein. Sobald andere Marktteilnehmer mit ihren auf Mikrowellenfunk basierenden Services aufschlossen, hatte dies spürbare Auswirkungen auf die Auslastungsquoten von Handelsplattformen. IT-Abteilungen stehen daher nun vor der Frage, wie Mikrowellenfunk in Kombination mit bestehenden Verbindungen mit extrem geringer Latenz genutzt werden kann.

Vorteil Sichtverbindung

Der größte Vorteil von Mikrowellenfunk besteht in der Point-to-Point-Verbindung zweier Standorte, der gerne auch als „Sichtverbindung“ bezeichnet wird. Einfach gesagt, die Datenübertragung erfolgt auf dem kürzesten Weg zwischen zwei Punkten und ist dadurch schneller. Glasfaserverbindungen liegen dagegen unter der Erde und müssen um Hindernisse herumgeführt werden. Hinzu kommt, dass elektromagnetische Wellen in der Luft schneller sind als in Glaserfasern, wodurch sich die Datenübertragung um wertvolle Mikrosekunden verkürzen lässt.

Ende der Fahnenstange

So weit, so gut. Es gibt jedoch physikalische Grenzen, derer sich Händler bewusst sein sollten. Da Mikrowellen Point-to-Point übertragen werden, kann das Signal an Hindernissen unterbrochen bzw. bei der Überquerung großer Wasserflächen verzerrt werden. Gebirgs- oder Hügellandschaften, von denen es in Europa zahlreiche gibt, stellen von vornherein ein Ausschlusskriterium dar.

Darüber hinaus verfügt Europa über eine begrenzte Anzahl an Funktürmen, die zudem nur eine begrenzte Anzahl an Richtfunkantennen beherbergen können. Ist ein Turm vollständig „belegt“, können keine zusätzlichen Kapazitäten mehr bereitgestellt werden. Dies führt zwangsläufig zu einem Kampf unter den Anbietern, da diese sich ihren Zugang zu den Funktürmen sichern wollen. Das Angebot von auf Mikrowellenfunk basierenden Services sollte daher auf die ersten Anbieter am Markt beschränkt werden.

Bandbreitenverfügbarkeit

Während sich die Kapazität bei Glaserfaserverbindungen problemlos erweitern lässt, sind dem Mikrowellenfunk aufgrund der Bandbreitenverfügbarkeit Grenzen gesetzt. Die Menge an Marktdaten, die beispielsweise von den Börsen herausgegeben wird, überschreitet die verfügbare Bandbreite beim Mikrowellenfunk, wodurch Handelsplattformen gezwungen sind, nach der effizientesten Möglichkeit für die Kombination von Mikrowellenfunk und Glasfaserübertragung zu suchen. Einige Unternehmen entscheiden sich beispielsweise dafür, Marktdaten für ihre rentabelsten Finanzinstrumente über Mikrowellenfunk zu senden, und die restlichen Daten über Glasfaserverbindungen zu übertragen.

Die Nachfrage bleibt hoch

Trotz aller Einschränkungen ist die Nachfrage nach dieser Technologie ungebrochen. Das Interesse an der ersten Mikrowellenfunkverbindung von Colt zwischen Basildon (Großbritannien) und Frankfurt beruht beispielsweise darauf, dass selbst die minimalste Preisbewegung den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust bedeuten kann. Aus diesem Grund prüft Colt bereits weitere Verbindungsstrecken innerhalb Europas. In Großbritannien werden hierzu derzeit bereits detaillierte Machbarkeitsstudien durchgeführt.

Tarik M’Rabet Moreno, Spezialist für Low-Latency-Netzwworking bei Colt Technology Services
Tarik M’Rabet Moreno, Spezialist für Low-Latency-Netzwworking bei Colt Technology Services
(Bild: Colt TSG)

Obwohl der Mikrowellenfunkstandard dem neuesten Stand der Technik entspricht, wird es Handelshäusern damit jedoch nicht möglich sein, neue Geschäftsbereiche zu erschließen. Sie profitieren dennoch von entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Wichtig ist hierbei insbesondere, wie und wo die Technologie optimal eingesetzt werden kann. Es gilt, bestehende Glasfaserverbindungen mit extrem geringer Latenz effizient einzubinden, um so von Preisvorteilen zu profitieren.

Über den Autor

Tarik M’Rabet Moreno ist Spezialist für Netzwerkverbindungen mit geringer Latenz bei Colt Technology Services. Colt etablierte kürzlich als erster Anbieter von Managed Services in Europa eine Mikrowellenfunkverbindung mit extrem geringer Latenz zwischen Basildon (Großbritannien) und den Finanzmärkten in Frankfurt als Ergänzung zu bestehenden Glasfaserverbindungen.

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