Application Performance Management

Latenzzeiten in Euro umrechnen

| Autor / Redakteur: Karsten Flott / Andreas Donner

Karsten Flott von AppDynamics erläutert die Notwendigkeit von APM-Lösungen.
Karsten Flott von AppDynamics erläutert die Notwendigkeit von APM-Lösungen. (Bild: © Reflexion - Das Photoatelier)

Leistungsstarke APM-Lösungen helfen, den Zusammenhang zwischen Anwendungsleistung und Geschäftserfolg transparent zu machen. Karsten Flott von AppDynamics erklärt, vor welchen Herausforderungen Unternehmen im digitalen Zeitalter stehen – und wie sie diese intelligent lösen können.

Für Banken, Autobauer oder Modehändler hängt die Zahl der abgeschlossenen Kredite, der bestellten Neuwagen oder der verkauften Hosenanzüge nicht mehr nur vom Preis, der Qualität der Ware und den Fähigkeiten des Verkaufspersonals ab, sondern immer häufiger auch von technischen Faktoren wie Latenz- oder Ausfallzeiten. Denn immer größere Teile der Customer Journey laufen entweder digital ab oder basieren auf Geschäftsprozesse, die durch digitale Systeme gestützt werden. Selbst wenn wir ganz klassisch in der Fußgängerzone einkaufen, bezahlen wir heute an einem Kassensystem, dessen Funktionieren ganz und gar von der zugrundeliegenden IT-Infrastruktur abhängig ist. Der Geschäftserfolg vieler Unternehmen ist mittlerweile so eng mit der IT-Performance verknüpft, dass diese Bereiche nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden können.

Dabei geht es einerseits um die Lösung von Problemen, andererseits aber auch um strategische Initiativen. Denn IT-Fachleute sind im Unternehmen heute nicht mehr nur für die Anschaffung und Wartung von Technik zuständig. Im digitalen Zeitalter müssen sie innovative Ideen entwickeln und die Transformation ihres Unternehmens tatkräftig vorantreiben. Nur so kann dessen Überleben gesichert werden.

Bruchstelle in der internen Kommunikation

In den Katakomben des IT-Betriebs herrscht Unruhe: Das x-te Ticket in kürzester Zeit. Offenbar kommt es im System zu einem Problem, möglicherweise sogar zu mehreren Problemen. Jetzt muss schnellstmöglich die Ursache gefunden und beseitigt werden. Ein paar Stockwerke weiter oben rauchen ebenfalls die Köpfe: Hier schauen die Leute auf Marketing- und Geschäftszahlen, zum Beispiel auf Umsätze oder Conversion Rates. Auch sie sehen Probleme, die Werte sind überraschend gesunken. Über die Ursache können sie jedoch nur spekulieren.

Beide Gruppen schauen auf die gleichen Phänomene, aber mit unterschiedlichen Tools. Die einen nutzen Marketing-Lösungen wie Google Analytics oder Adobe Analytics und Business-Intelligence-Tools wie Looker oder Qlik. Die anderen setzen je nach Evolutionsstufe ihrer IT auf unterschiedliche Monitoring-Tools oder haben im Idealfall eine einheitliche Application-Performance-Management-Lösung im Einsatz. Im digitalen Zeitalter lassen sich diese beiden Bereiche jedoch nicht mehr voneinander trennen. Die Bruchstelle in der Kommunikation muss deshalb verschwinden.

Doppelte Herausforderung für Unternehmen

In vielen Unternehmen herrscht eine doppelte Herausforderung: Die IT-Abteilung sieht die Probleme. Aber es fällt ihr oft schwer, deren Bearbeitung zu priorisieren. Denn sie kann in der Regel nicht zuverlässig abschätzen, inwieweit eine Störung sich auf die Geschäftsabläufe auswirkt. Manchmal betrifft ein ausgefallener Server tausende Kunden und sorgt für Schäden in Millionenhöhe, in anderen Fällen nimmt niemand davon Notiz. Wenn der Business-Impact nicht bekannt ist, müssen IT-Verantwortliche vom Schlimmsten ausgehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Sie ziehen dann zum Beispiel Entwickler aus Sprints, damit sie an der Lösung des Problems arbeiten können, und sorgen so für verzögerte Releases.

Ein weiteres Problem: In manch einem Unternehmen wird bei Problemen die Schuld reflexhaft bei der Technik gesucht. Die IT-Verantwortlichen sehen sich dann in der Pflicht, die eigene Unschuld zu beweisen. Wenn sich etwaige Kausalketten jedoch zuverlässig abbilden oder ausschließen lassen, entzieht das falschen Verdächtigungen die Grundlage. Anstatt das „Blame Game“ zu spielen, können sich somit alle gemeinsam darauf konzentrieren, eine Lösung für das vorliegende Problem zu erarbeiten.

Die zweite Herausforderung besteht in der gewachsenen Komplexität der IT-Infrastruktur. Sie lässt sich nur noch mit der richtigen Technologie meistern. Unternehmen benötigen eine Plattform, auf der alle Informationen aus den unterschiedlichsten internen und externen Quellen zentral zusammenlaufen und über die sich sämtliche Reaktionen auf Ausfälle und andere Anomalien koordinieren lassen, man könnte sagen eine Art „Zentralnervensystem“ für die IT. Es ist nur ein logischer nächster Schritt, über diese Plattform auch Marketing- und Geschäftskennzahlen zu erfassen und somit nicht mehr nur eine Identifikation und Behebung der Probleme zu ermöglichen, sondern auch deren Bewertung im wirtschaftlichen Sinne.

Die drei W-Fragen beantworten

Letztlich geht es darum, drei Fragen umfassend zu beantworten: Was passiert? Welche Auswirkungen hat das auf unser Kerngeschäft? Und warum passiert es? Die Fragen sind jeweils auf unterschiedlichen Ebenen zu stellen und zu beantworten. Die Basis bildet das technische Monitoring. Hier geht es um grundlegende Events und Metriken, um Milliarden von Datenpunkten, die durch eine entsprechende Lösung automatisiert gefiltert und ausgewertet werden müssen. Die Drehzahl eines einzelnen Lüfters oder die Anzahl der I/O-Operations auf einer Festplatte ist dabei immer nur im Kontext von Interesse. Denn letztlich geht es um die Frage, wie sich ein Service verhält, auf den ein Nutzer zugreift. Was passiert, wenn er sich einloggen oder ein Produkt in den Warenkorb legen möchte? So bewegt man sich also von der Ebene der Metriken und Events auf die Ebene der Business-Transaktionen.

Wenn eine solche Business-Transaktion nicht funktioniert, dann hat das unmittelbare Auswirkungen auf die dritte Ebene, nämlich die der Business-KPIs. Probleme mit dem Login oder dem Warenkorb führen dazu, dass Metriken wie die Conversion Rate und der Umsatz in den Keller gehen. Und diese Metriken sind entscheidend, weil sie auf die übergreifenden Geschäftsziele einzahlen und letztlich über Erfolg und Misserfolg des Unternehmens maßgeblich bestimmen. Unternehmen müssen nicht nur alle Ebenen im Blick behalten, sondern sie müssen vor allem die beschriebenen Zusammenhänge transparent machen: Um die Geschäftsziele zu erreichen, müssen die Business-KPIs stimmen. Diese sind wiederum davon abhängig, dass die Business-Transaktionen einwandfrei funktionieren. Und die funktionieren nur, wenn im Unterbau die Infrastruktur keine Probleme bereitet.

Die Frage „Was passiert?“ wird also auf der Ebene der Business-Transaktionen beantwortet, zum Beispiel kann es sein, dass der Bezahlvorgang nicht mehr richtig funktioniert. Welche Auswirkungen das auf das Kerngeschäft hat, zeigen die Business-KPIs, etwa eine geringere Zahl an Kaufabschlüssen. Und die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ liegt auf der Infrastruktur-Ebene – liegt es am Ausfall einer Drittanbieter-Anwendung?

Optimierungspotenzial ausschöpfen

Eingangs wurde gesagt, dass es nicht nur darum geht, Probleme proaktiv zu lösen. Denn wer die Zusammenhänge zwischen Anwendungsleistung und Business-Performance transparent macht, der kann auch prospektiv besser planen. Ist etwa der Zusammenhang zwischen Latenzzeit und Conversion Rate etabliert, dann sollte die Frage nicht lauten: Was passiert mit der Conversion Rate, wenn sich die Latenzzeit um x Millisekunden verschlechtert? Sondern: Was passiert mit ihr, wenn sie sich um x Millisekunden verbessert? Letztlich wird es möglich, Business-KPIs auf der Infrastruktur-Ebene zu optimieren.

Drei weitere Vorteile sind für IT-Verantwortliche mit der neuen Transparenz verbunden: Erstens können sie nun gezielt die Bedeutung ihrer Abteilung für den Unternehmenserfolg aufzeigen. Zweitens lassen sich Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur besser rechtfertigen. Und drittens müssen sie nicht mehr mit Begriffen wie „CPU Spikes“ oder „Response Times“ um sich werfen, sondern können eine Sprache sprechen, die ihre Kollegen in der Chefetage besser verstehen. Lösungen, die Silos aufbrechen helfen und den Zusammenhang zwischen Anwendungsleistung und Unternehmenserfolg transparent machen, bergen also vielfältige Potenziale. Im Rahmen von Geschäftsmodellen, die zunehmend von Software abhängig sind, helfen sie IT-Verantwortlichen, nicht mehr nur eine bestmögliche technische, sondern auch eine optimale wirtschaftliche Performance zu erreichen. Man könnte auch sagen: Endlich wird es möglich, Latenzzeit in Euro umzurechnen.

Karsten Flott.
Karsten Flott. (Bild: © Reflexion - Das Photoatelier)

Über den Autor

Karsten Flott ist Sales Engineer Manager CER bei AppDynamics. Flott ist im Bereich des Performance Testing und Application Performance Management tätig. Zuvor war er über 10 Jahre in derselben Position bei Compuware angestellt. In seiner beruflichen Laufbahn bei den beiden Software-Unternehmen beschäftigte sich Flott intensiv mit Soft- und Hardware-Lösungen, die DevOps-, Analytics- und Application-Performance-Management-Prozesse verbessern. Sein Expertenwissen ist viel gefragt.

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