Kommentar: Revierkämpfe im WLAN

Können LTE-U und WLAN nebeneinander bestehen?

| Autor / Redakteur: Dirk Gates / Andreas Donner

Die Nutzung des 5-GHz-WLAN-Bandes im Zusammenhang mit LTE (LTE-U) sorgt aktuell für Zündstoff!
Die Nutzung des 5-GHz-WLAN-Bandes im Zusammenhang mit LTE (LTE-U) sorgt aktuell für Zündstoff! ( © AnKudi - Fotolia)

In den vergangenen Monaten gab es in den Fachmedien zu WLAN und Telekommunikation vermehrt Artikel darüber, welche Vorteile der Betrieb von LTE-U (LTE im unlizenzierten Spektrum) im 5-GHz-Band parallel zu WLAN bietet. An und für sich klingen die Argumente einleuchtend, jedoch zeigen die Ergebnisse umfangreicher Tests, dass ein LTE-U-Netz jedes WLAN-Signal an öffentlichen Orten verdrängt.

LTE-U wurde zur Verbesserung der Datengeschwindigkeit von Mobilfunknetzen über kurze Distanzen entwickelt, ohne dass hierfür ein WLAN eingebunden wird. Dazu werden lizenzfreie Spektren – wie das von WLAN verwendete 5-GHz-Band – genutzt, um die 4G-Abdeckung zu verbessern. Zudem erlaubt es Anbietern, ihre Netzwerke zu einem Bruchteil der sonst anfallenden Kosten zu erweitern, da keine zusätzlichen Lizenzen gekauft werden müssen.

Als Nebenwirkung erzeugen diese Netzwerke jedoch genug „Rauschen“, um Unternehmensnetzwerke und öffentliche WLAN-Hotspots in ihrer Nähe zu stören. Diese Interferenzen werden weiter zunehmen, es sei denn, die LTE-Anbieter erklären sich bereit, das 5-GHz-Spektrum gerecht mit anderen Nutzern zu teilen. Aktuell vertreten die Verfechter von LTE-U jedoch die Ansicht, dass es erlaubt sein sollte, als legitimer Wettbewerber auf den gleichen Frequenzbändern wie die WLAN-Technologie zu operieren.

Ein Standpunkt, dem aus folgenden Gründen widersprochen werden muss:

  • Zusätzliche Kosten für den Benutzer: LTE bietet eine 3G- oder 4G-Verbindung als Teil des Datentarifs des Benutzers. Das bedeutet, dass wenn ein Benutzer außerhalb eines öffentlichen Hotspots eine Verbindung herstellt, dies zu Lasten seines Datenvolumens geht. Ist dieses Datenvolumen aufgebraucht, summieren sich die Kosten für LTE-U rasch.
  • WLAN ist besser für Unternehmen geeignet: Warum sollte ein Unternehmen astronomische Summen für die Mobilfunkanbindung bezahlen wollen, wenn es stattdessen ein kostengünstiges Unternehmens-WLAN betreiben kann?
  • Sicheres WLAN ist möglich: Während es in der Vergangenheit einige Sicherheitsprobleme in Bezug auf öffentliche WLANs gab, schneidet LTE-U in dieser Hinsicht nicht unbedingt besser ab. IT-Administratoren können heute individuelle, kryptographische Schlüssel für jeden Benutzer anbieten, was die Einrichtung sicherer privater Netzwerke an beliebigen Standorten erlaubt.
  • Effiziente Nutzung des Spektrums: Vor fünf Jahren konnten Befürworter die höhere Effizienz von LTE bei der Nutzung des Spektrums anführen. Heute liefern die Fähigkeiten des aktuellen Standards 802.11ac – sowie der kommenden Version 802.11ax – deutliche Effizienzvorteile gegenüber LTE.

Ganz zu schweigen davon, dass die Benutzer zunächst einmal ein Gerät kaufen müssten, das LTE-U-kompatibel ist.

Kooperation und Koexistenz?

Die US-Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC) führt bereits eine hitzige Debatte, die wahrscheinlich in ein ausgewachsenes Behördengerangel um individuelle Mobilgeräte münden wird. Auch die Wi-Fi Alliance in Großbritannien möchte Standards festlegen, Tests durchführen und ihre eigenen Genehmigungen erteilen. Während die Auseinandersetzungen und Diskussionen sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, ist die Frage berechtigt, welche Auswirkungen der zusätzliche LTE-Verkehr auf WLANs hat.

Dirk Gates
Dirk Gates (Bild: Xirrus)

Großbritannien hat das Problem der Koexistenz bereits erfolgreich gelöst, indem es das 5-GHz-Spektrum reguliert und ein Listen-before-Talk-Protokoll (Hören vor Sprechen, LBT) anwendet. US-Netzbetreiber jedoch besetzen mit LTE-U bereits Märkte, bevor die FCC die Gelegenheit hat, ähnliche Regelungen einzuführen. Geht dies so weiter, werden Probleme wie höhere Latenzzeiten der Geräte die Verbraucher frustrieren. Anbieter von herkömmlichem WLAN werden sich zudem gezwungen sehen, nach sauberen Spektren Ausschau zu halten. Ähnlich dem europäischen Modell müssen die FCC und branchenführende Anbieter deshalb jetzt Maßnahmen zur Regulierung des 5-GHz-Bandes ergreifen.

Über den Autor

Dirk Gates ist Gründer und Executive Chairman von Xirrus.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43950410 / Standards)