Triple Play zum Anfassen

Hersteller zeigen im Labor das Zusammenspiel von Technik

16.10.2006 | Redakteur: Ulrike Ostler

Avaya präsentiert im Triple Play Lab ein Hotel-Szenarium: Voive over WLAN und IP-TV. Quelle: Triple Play Lab 2006
Avaya präsentiert im Triple Play Lab ein Hotel-Szenarium: Voive over WLAN und IP-TV. Quelle: Triple Play Lab 2006

In Dornach bei München steht ein erstes Triple-Play-Labor. Es dient dazu, die Konvergenz von Techniken für Telefonie-, Internet und Fernsehen herzustellen.

„Wir werden Netze bauen, die besser sind“, kündigt Labor-Sprecher Ralf Pütz vollmundig an. „Bei uns wird es keine Schaltkästen geben, die jedem, der Böses will erlauben mitzuhören oder gar auf Kosten anderer zu telefonieren“, steckt er bei der Eröffnung des Labors am 4. Oktober 2006, den geladenen Gästen.

Das Triple Play Lab der sacoin GmbH, ein herstellerunabhängiges Schulungs- und Laborunternehmen, zählt zum Zeitpunkt der Eröffnung 14 Hauptsponsoren. Diese bilden die Triple Play Alliance (TPA) und tragen mit verschiedenen Produkten zu den konvergenten Netzen in unterschiedlichen Ausprägungen bei: Voice over IP, Voice over WLAN, Glasfaser bis zum Arbeitsplatz, Datenübertragung per Stromkabel beispielsweise.

Wer das live erleben möchte, den lädt Heiner Kahmann, Geschäftsführer der Sacoin GmbH, ins Triple Play Lab ein.

Tatsächlich hält Heiko Liebscher, Chief Technologie Officer (CTO) der Wilhelm.tel GmbH, Norderstedt, das Vorzeigen funktionierender Technik für eines der größten Vorteile des Labors. „Endlich kann man einmal sehen, wie die Komponenten zusammenspielen. Ich konnte vorher nicht gucken. Hersteller A hat einfach mit Hersteller B nicht geredet.“

Wilhelm.tel

Die Wilhelm.tel GmbH ist Breitband-Carrier in der 73 000-Einwohner-Stadt Norderstedt. 1999 gegründet, brachte die Firma bereits im Jahr 2000 die ersten Kunden an ihr eigenes Triple-Play-Netz. Die Telekom wollte dort kein Breitbandnetz bauen. Mittlerweile beträgt der Marktanteil von Wilhelm.tel bei der Internet-Versorgung rund 70 Prozent und in der Telefonie 60 Prozent. „Im Stadtgebiet sind von 32 000 Haushalten 30 0000 bei uns“, sagt Liebscher.

Zur Auswahl der Anbieter und ihrer Produkte sagt er: „Viele der Komponenten, die das Lab präsentiert, haben wir auch. Unsere Auswahl ist jedenfalls gelungen und funktioniert.“

Doch dem Initiator des Labors Kahmann reicht das Portfolio des Labors noch bei Weitem nicht. Sein Ziel ist es, die Zahl der Mitglieder in diesem Jahr auf 20 zu erhöhen. Im kommenden Jahr sollen sich 25 bis 30 Hersteller am Labor beteiligen. Mitglieder müssen im ersten Jahr 10 000 Euro zahlen und in den folgenden 8000 Euro.

Neben der Zusammenarbeit, Abstimmung und Präsentation von Lösungen liegt Kahmann der Schulungsbereich am Herzen. Denn er diagnostiziert fehlendes Wissen: „Das Know-how-Defizit bei denen, die die Netze bauen, ist gravierend.“ Oftmals würden die Netze zusammengeschustert, ohne dass etwa grundlegende physikalische Restriktionen bekannt seien.

Das Trainingsangebot richtet sich gleichermaßen an die eigenen Mitarbeiter der am Triple Play Lab beteiligten Firmen als auch etwa an Mitarbeiter ihrer Distributoren. Als Vorteil stellt Kahmann heraus, dass es nicht nur Theorie anbieten könne, sondern auch das Equipment, so dass sich beispielsweise die Suche nach Störungsursachen ganz praktisch erproben lasse.

Beiträge der Gründungsmitglieder

Die Lab-Ausstattung reicht von aktiven und passiven Komponenten über Anwendungsszenarien bis zu Mess- und Monitoring-Technik. Das Gründungsmitglied Avaya Inc. etwa zeigt dort IP-Telefonie in Krankenhaus- und Hotellösungen, zum Beispiel per WLAN. Extreme Networks, ebenfalls von Anfang an dabei, steuert Echtzeit-Ethernet-Switching-Lösungen sowie Netzwerksicherheitstechnik bei.

Computer Associates demonstriert mit „eHealth for Voice“, „Spectrum“ und „netviz“ Tools zur Netzüberwachung also Telefonanlagen-Management, die Suche nach Fehlerursachen und IT-Dokumentation.

Comptel ist da mit herstellerübergreifender Billing- und Provisioning-Software, die Kerpen GmbH & Co. KG mit Kupfer- und Glasfaserkabel sowie Anschlusssystemen.

Wie Datenübertragung per Stromkabel funktionieren kann, zeigt die Power Plus Communication GmbH. Bei der Führung durch das Lab wird gleich darauf hingewiesen, dass die Technik vor allem für Spezialanwendungen gedacht ist, etwa für die Übermittlung von an Stromzählern gemessenen Verbrauchsdaten.

Die Schroff GmbH stellt die Schrank- und Chassis-Systeme, Allied Telesis DSL- und Anschlusstechnik, aarenet ISP- und Metro-Telefonie-Lösungen, Patton/Inalp Voice Gateways und Voice CPE-Lösungen (CPE = Customer Premise Equipment, ortsfeste

Basisstationen). Fujitsu Siemens Computer ist mit der Abteilung für den Rechenzentrumsbau, IST, vertreten.

Technik für eine hungrige Branche

Die Adva AG Optical Networking, zeigt optische Übertragungsmöglichkeiten: Coarse Wave Division Multiplex (CWDM) und Dense Wavelength Division Multiplexing (DWDM). CWDM ist ein Wellenlängen-Multiplex-Verfahren, das in Stadt- und Anschlussnetzen verwendet wird. Indem Licht in verschiedenen Wellenlängen übertragen wird, ist eine Glasfaser vielfach zu nutzen. Wie Produkt-Manager Henning Hinderthür erläutert, ist bei CWDM eine Übertragung in 18 Kanälen möglich, bei Wellenlängen zwischen 1270 Nanometer und 1610 Nanometer und einem Kanalabstand von 20 Nanometer.

DWDM hingegen hat eine enorme Leistungsfähigkeit mit mehreren Terabit pro Sekunde. Dank optischer Filter lasse sich heute eine Glasfaser in bis zu 64 verschiedene Wellenlängen aufteilen, was 64 verschiedene Dienste auf einer Faser zulasse, so Hinderthür.

Die Notwendigkeit eine Glasfaserleitung in verschiedene Wellenlängen zu splitten, ergibt sich aus dem wachsenen Bedarf. Hinderthür rechnet pro Subscriber mit etwa 2 Kilobit pro Sekunde für Voice over IP, 50 Kilobit pro Sekunde für jeden Internet-Nutzer, 4 Megabit pro Sekunde für Video-on-Demand-Services und 4 Megabit pro Sekunde für IP-Fernsehen, wenn er die notwendigen Bandbreiten für Digital Subscriber Line Access Multiplexer (DSLAM) berechnet. Ausgehend von diesen Basisdaten könnten 80 Zuschauer digital fernsehen, 500 User Videos schauen, 500 Personen surfen und ebenfalls 500 telefonieren, wenn eine 1 Gigabit-Leitung mit Metro-Kern zur Verfügung stände. Denn die aggregierte Bandbreite betrüge 446 Megabit pro Sekunde (320 + 100 + 25 + 1).

Pläne der Allianz

Lab-Leiter Kahmann bemerkt jedoch noch Lücken in der Lab-Ausstattung. So fehlen ihm noch Angebote beim Content. Zudem wünscht er sich weitere Mitglieder für die Bereiche WiMax, GSM und Plastic-Optical Fibre. Zudem stellt er „Abrundungsbedarf“ bei der Messtechnik fest.

Letztlich wollen die Allianz-Mitglieder mit gemeinschaftlichen Angeboten den Markt erobern. „Wir bieten Lösungen für Prozesse und vertikale Märkte anstelle von Produkten“, sagt er und verweist auf einen ersten Kunden, die Stadtwerke Schwerte.

„Es sieht so aus, als ob wir das gesamte Stadtgebiet mit unserem Triple-Play-Netz erschließen werden“, sagt Ralf Pütz, der zweite TPA-Initiator, Labor-Gründer und Vertriebsmitarbeiter bei Extreme Networks.

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