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Serie: LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud Extreme Networks und die Netzwerk-Cloud

Autor / Redakteur: Dr. Harald Karcher / Elke Witmer-Goßner

Durch organisches Wachstum und Akquisitionen hat sich Extreme Networks auf Platz 3 der weltgrößten Enterprise-Netzwerk-Ausrüster emporgearbeitet. Und dabei auch gleich die Weichen für automatisiertes Cloud-Management gestellt.

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Netzwerkmanagement aus der Cloud reduziert die Komplexität der Netzwerke und ihrer Infrastruktur, sodass Projekte einfach, ressourcenschonend und damit schneller abgeschlossen werden können.
Netzwerkmanagement aus der Cloud reduziert die Komplexität der Netzwerke und ihrer Infrastruktur, sodass Projekte einfach, ressourcenschonend und damit schneller abgeschlossen werden können.
(Bild: © vegefox.com - stock.adobe.com)

Möglichst einfach, sicher und intelligent sollen Kunden ihre Netzwerkinfrastruktur nutzen können. Am besten sollten sie gar nicht merken, dass hinter ihrem Geschäftsmodell auch viel Technik steckt. Warum genau Firmen-Netze über die Cloud gesteuert werden sollten, erklärt Ralf Klockewitz, Senior Network Consultant bei Extreme Networks, im Interview.

Seit wann ist das Cloud-Produkt, mit dem Sie Netzwerk-Geräte aus der Cloud heraus managen können, global bzw. in der DACH-Region verfügbar?

Ralf Klockewitz ist Senior Network Consultant bei Extreme Networks und gehört dem SE-Team in der DACH-Region an.
Ralf Klockewitz ist Senior Network Consultant bei Extreme Networks und gehört dem SE-Team in der DACH-Region an.
(Bild: Extreme Networks)

Ralf Klockewitz: Über unsere Cloud-Management-Plattform ExtremeCloud IQ sind wir in der Lage, eine rund um den Globus verteilte Netzwerkinfrastruktur zu verwalten. So schaffen wir hohe Transparenz und Übersichtlichkeit. Egal, wo sich ein Administrator befindet, ob im Homeoffice oder Büro, vor Ort oder am anderen Ende der Welt: Er hat kompletten Zugriff auf das von ihm betreute Netzwerk. Cloud-Lösungen entwickeln sich ständig weiter – wie ein lebendiger Organismus. Die Akquisition von Aerohive hat zu einem enormen Entwicklungsschub geführt. Die erste Cloud-Plattform von 2009 hat mit dem heutigen ExtremeCloud IQ nur noch wenig gemein. Die Microservicearchitektur unserer Lösung ermöglicht unterbrechungsfreie Updates im laufenden Betrieb. Der ständige Fluss innovativer Funktionen wie auch die Unterstützung neuer Hardwaremodelle ist nicht begrenzt durch etwaige Wartungsfenster. Im letzten Jahr war ExtremeCloud IQ zu 100 Prozent verfügbar.

Welche Geräte kann Ihre Netz-Cloud-Lösung aus der Ferne steuern und verwalten?

ExtremeCloud IQ überwacht und steuert Switches, Access Points und Router. In einem durchgängigen Adaptionsprozess haben wir den Cloudconnector auch in die Switchbetriebssysteme EXOS und VOSS integriert. Die neue Site Engine verbindet die gesamte Extreme Management On-Premises-Lösung mit der Cloud. Jede netzwerkfähige Komponente, welche die einschlägigen Standardprotokolle wie SNMP oder SSH unterstützt, wird nun Teil des cloud-basierten Managements – natürlich auch die Produkte unserer Marktbegleiter.

Wo liegt der größte Nutzen für den End-Kunden?

Die Komplexität von Netzwerken steigt, gleichzeitig beobachten wir einen Fachkräftemangel. Mit cloud-basierten Lösungen wie ExtremeCloud IQ ist ressourcenschonendes und zentrales Netzwerkmanagement möglich bei gleichzeitiger Einhaltung höchster Sicherheitsstandards. ExtremeCloud IQ vereinfacht viele Aspekte des Netzwerkmanagements – von der Inbetriebnahme über den Regelbetrieb bis zur Implementierung nachhaltiger Sicherheitsmaßnahmen. Schnellere Inbetriebnahme, flexible Erweiterung und das, durch Machine Learning unterstützte, unbegrenzte Langzeitmonitoring sind essenziell für einen reibungslosen Netzwerkbetrieb. Ob Grundschule oder globaler Industriebetrieb – jeder Kunde profitiert davon. ExtremeCloud IQ bietet Anwendern eine einheitliche Managementplattform für Wireless Access Points, Switches, Router sowie Security und Network Access Control. Das ermöglicht Onboarding, Konfiguration, Monitoring, Troubleshooting, Reporting und viele andere Funktionen für cloud-basierte Unternehmensnetzwerke. Die Netzwerkinfrastruktur agiert dabei unabhängig von der Cloud. Dies führt zu größerer Agilität sowie erhöhter Effizienz. Das Cloud-Management reduziert die Komplexität der Netzwerke und ihrer Infrastruktur, sodass Projekte einfach und ressourcenschonend, und damit schneller, abgeschlossen werden können. Davon profitiert natürlich auch der tägliche Netzwerkbetrieb.

Wo liegt der größte Nutzen für den Händler oder System-Integrator?

ExtremeCloud IQ vereinfacht Planung, Projektierung und den Regelbetrieb. Ein vereinheitlichtes Lizensierungsmodell über unsere Produktfamilien hinweg hilft Händlern dabei, den Überblick in der Projektphase zu behalten und dynamisch auf neue Anforderungen zu reagieren. Neue Komponenten werden vor der Implementierung per App gescannt, erscheinen sofort im Management und werden automatisiert provisioniert. Zusätzliche Interaktionen von Seiten des Administrators sind nicht erforderlich. Aber auch der einfache Remote Support verringert die Notwendigkeit für Technikereinsätze vor Ort in vielen Fällen. Gerade in Zeiten wie diesen ist das ein echter Vorteil. Für Managed Service Provider ergibt sich durch die unbegrenzte Skalierbarkeit der Lösung eine starke Vereinfachung, welche ein schnelles Wachstum ermöglicht. Die Universal Hardware arbeitet wahlweise mit unterschiedlichen Extreme-Networks-Betriebssystemen. Das eröffnet nicht nur völlig neue Entwicklungsmöglichkeiten, sondern reduziert auch die Komplexität der Logistik bei Händlern und Distributoren.

Automatisch wird die Topologie von Netzwerkkomponenten dargestellt. Healthscores geben auch dem Nichtfachmann Auskunft über den Qualitätszustand der Infrastruktur.
Automatisch wird die Topologie von Netzwerkkomponenten dargestellt. Healthscores geben auch dem Nichtfachmann Auskunft über den Qualitätszustand der Infrastruktur.
(Bild: Extreme Networks)

Über welche Kanäle vertreiben Sie Ihre Cloud-Lösung?

Wir vertreiben unsere Lösungen und Produkte ausschließlich über den Channel. Dieser geht von uns als Hersteller, über verschiedene Distributoren, zu unseren Partnern und abschließend zum Kunden. [Hier lassen sich die Partner finden, Anm. d. Red.]. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen und das Partnernetz reicht vom kleinen bzw. mittelständischen IT-Integrator bis zu international operierenden Unternehmen. Diese breite Aufstellung hat sich als flexibel und vorteilhaft erwiesen. So können wir sowohl große Kunden als auch kleine und mittelständische Unternehmen betreuen. Damit ist jeder Vertriebspartner wichtig. Wir pflegen einen partnerschaftlichen Umgang auf Augenhöhe.

Welches Preismodell erwartet den Endkunden? Und was hat der Händler bzw. Partner davon?

Das Lizenzmodell ist einfach. Einsatzszenarien mit grundlegenden Managementfunktionen lassen sich ohne kostenpflichtige Lizenzierung betreiben. Das reicht beispielsweise für den Betrieb einer kleinen Schule oder eines Seniorenheimes aus. Mit dem Erwerb einer „Pilot“-Lizenz steht das volle Leistungsspektrum von ExtremeCloud IQ bereit – inklusive der Essentials: WIPS, Locationing, IoT und erweiterte Gästefunktionen. Die Lizenzen des flexiblen Subscriptionmodells sind für APs, Switches und Router identisch und übertragbar. In allen Projektphasen, von Planung bis Erneuerung, ist das Modell bedarfsorientiert. Es fallen nur für genau die Komponenten Kosten an, die auch wirklich eingesetzt werden. Gestaffelte Lizenzpakete gehören somit der Vergangenheit an und die Lizenzkosten verteilen sich auf die Gesamtlaufzeit.

Zustand und Verhalten eines WLAN-Clients lassen sich präzise und bei Bedarf über einen beliebig langen Zeitraum analysieren.
Zustand und Verhalten eines WLAN-Clients lassen sich präzise und bei Bedarf über einen beliebig langen Zeitraum analysieren.
(Bild: Extreme Networks)

Wo genau stehen die Cloud-Server geografisch?

Wir betreiben weltweit regionale Datencenter. In Europa operieren wir in Dublin, Frankfurt, Stockholm und Zürich. Ein weiteres Rechenzentrum ist für die Niederlande geplant. Hier werden alle Daten der betriebenen Geräte verarbeitet und gespeichert. Die Daten unserer deutschen Kunden werden in Frankfurt gehostet. Somit entspricht ExtremeCloud IQ den Sicherheitsstandards, unter anderem auch der DSGVO. Zudem sind die Betriebsdaten anonymisiert gespeichert. Die Nutzdaten bleiben dort, wo sie hingehören: Beim Kunden. Innerhalb Europas werden unsere Rechenzentren auf Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google gehostet. Dadurch können wir verschiedenste Anforderungen und Präferenzen erfüllen. Einige Organisationen etablieren sehr strenge interne Sicherheitsregeln. Diese können ExtremeCloud IQ auch in ihrem eigenen Rechenzentrum betreiben. Niemand wird in die öffentliche Cloud gezwungen.

Wie sicher ist ein Cloud-gemanagtes Netzwerk denn überhaupt?

Cloud-Service-Provider sind nach den einschlägigen Regelwerken von ISO 9001, ISO 27001 etc. zertifiziert. Extreme Networks geht einen Schritt weiter und unterzieht seine Software wie auch die Betriebsprozesse den gleichen Zertifizierungen, insbesondere sämtlichen ISO-Zertifizierungen für die Cloud. Das schafft einen hohen Sicherheitsstandard, der am Markt nicht selbstverständlich ist.

Heatmaps und Grundrisse erleichtern Planung und Regelbetrieb von WLAN-Netzwerken.
Heatmaps und Grundrisse erleichtern Planung und Regelbetrieb von WLAN-Netzwerken.
(Bild: Extreme Networks)

Aber was geschieht, wenn die Verbindung der Netzwerkinfrastruktur zur Cloud verloren geht?

Das Netzwerk an sich arbeitet weiter. Die strikte Trennung von Controlplane und Managementplane sorgt dafür, dass LAN und WLAN nach wie vor handlungsfähig bleiben. Der Einsatz hochwertiger Komponenten mit Eigenintelligenz vor Ort stellt das sicher. Erfahrungsgemäß ermöglicht erst ein effizientes, flächendeckendes Management Mechanismen wie Mikrosegmentierung und Zugangskontrolle im Netz. Beides sind erprobte Maßnahmen, um die Infrastruktur vor Störfaktoren wie menschlichen Fehlern oder auch bewussten Angriffen zu schützen. Trotzdem ist der Ausbau der landesweiten Netzwerkinfrastruktur zur Sicherstellung der Kommunikation essenziell. Die Etablierung einer europäischen Cloud-Struktur, wie etwa GAIA-X, ist ein logischer Schritt zu einer vernünftig gestalteten Autonomie. Cloud-Lösungen sind die nächste Stufe der IT-Evolution. Aber nur, wenn wir wie bisher die Risiken immer wieder neu bewerten und entsprechende Maßnahmen treffen.

Wie soll es weitergehen? Was erwarten Sie für die Zukunft?

Wenn ein Management nicht nur den Ausfall einer Komponente erkennt, sondern auch gleich den Austausch logistisch organisiert, ist das eine echte Unterstützung für den Administrator. Komplexe Wireless Netzwerke erfordern für die Behebung eines Fehlers eine Menge Zeit und Erfahrung. Wenn die Cloud Fehlersituationen in vielen Unternehmen bündelt, korreliert und vereinfacht, verkürzt dies – durch Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen unterstützt – das Troubleshooting immens. Und Machine Learning ist in der Cloud einfach am besten aufgehoben. Wi-Fi 6 bringt eine Reihe spannender neuer Funktionen zur Optimierung des Netzwerkbetriebes mit sich. In Zukunft benötigen wir intelligente Werkzeuge, die das Zusammenspiel dieser neuen Infrastruktur mit einer steigenden Varianz von Endgeräten choreographieren. Das beginnt beim RF-Feintuning und ist bei Quality of Service noch lange nicht zu Ende.

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Haben Sie schon Cloud-Projekte bei End-Kunden in DACH oder auch in Europa?

Zahlreiche Organisationen und Unternehmen setzen verstärkt auf das Netzwerkmanagement aus der Cloud. Auch hier in Europa und der DACH-Region werden immer mehr Infrastrukturen modernisiert und mit Cloud-Networking ausgestattet. Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Netzwerk-Refresh ist Cordaan, einer der größten Gesundheitsdienstleister der Niederlande. Die cloud-basierten Lösungen von Extreme Networks ermöglichen hier den sicheren Einsatz von vernetzten medizinischen Geräten und müheloses Netzwerkmanagement an 120 Standorten. So können gestiegene Konnektivitätsanforderungen von Nutzern und verbundenen Geräten erfüllt und gleichzeitig die Betriebseffizienz und vor allem die Netzwerksicherheit erhöht werden.

Cloud-basiertes Netzwerkmanagement „in Serie“

In unserer Artikelreihe zu LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud betrachten wir die Cloud-Konzepte der Netzwerkhersteller und lassen Vertreter der wichtigsten Anbieter zu Wort kommen.

Artikel-Serie Netzwerk- und Infrastruktur-Management aus der Cloud: LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud von Cisco bis Zyxel

(ID:47397763)

Über den Autor

Dr. Harald Karcher

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Journalist