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VoIP-Probleme und wie man sie los wird

Diese Faktoren verantworten schlechte Qualität von Voice over IP

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Endgeräte

Schließlich haben auch die eingesetzten Endgeräte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Qualität einer Sprachverbindung. Während dedizierte IP-Telefone in den meisten Fällen für eine optimale Sprachübertragung entwickelt wurden, kann beim Einsatz von Softphones bereits die Qualität von Mikrofon und Lautsprecher einen großen Einfluss auf die Sprachqualität haben.

Auch die Soundkarte spielt eine wichtige Rolle. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese den Full-Duplex-Betrieb unterstützt. Auch der PC oder Laptop, auf dem das Softphone läuft, kann zu Verzögerungen beitragen. Hier addieren sich Latenzzeiten, die Jitter-Puffer, Sound-System sowie weitere Prozesse verursachen, die auf dem Rechner Prozessorzeit konsumieren. Verschlingt ein Hintergrundprozess wie ein Virenscanner oder eine Desktop-Suchmaschine kurzzeitig zuviel Rechenzeit, wirkt sich dies direkt auf das gerade geführte Telefonat aus.

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Voice over WLAN (VoWLAN)

Sind IP-Telefone nicht per Kabel sondern drahtlos mit dem lokalen Netzwerk verbunden, wird dies auch kurz als VoWLAN bezeichnet. Grundsätzlich gelten alle oben genannten Qualitätsparameter auch in diesem Fall. Denn hinter dem Access Point laufen die Gespräche weiterhin über das drahtgebundene Firmennetz. Bei drahtlosen Telefonaten per WLAN kommen aber noch ein paar Besonderheiten dazu, die die Qualität eines Gesprächs zusätzlich beeinflussen.

Zuerst ist bereits bei dem Design eines WLANs zu berücksichtigen, wie viele Benutzer gleichzeitig pro Access Point telefonieren sollen. Je nach WLAN-Technologie, Entfernung der Benutzer zum Access Point und Menge des weiteren Verkehrs müssen die Access Points dann entsprechend dicht ausgelegt werden. Doch die größte Herausforderung bei VoWLAN ist die Latenz.

Denn die (notwendige) Verschlüsselung auf der Funkstrecke kann die Latenz deutlich erhöhen. Die unsichere WEP-Verschlüsselung ist dabei deutlich gnädiger als die sichere WPA und WPA2-Verschlüsselung. Ein guter Kompromiss ist WPA/WPA2 mit einem Preshared Key, was zwar immer noch Latenz für den Schlüsselaustausch hinzufügt, aber sich bei weitem nicht so schlimm auswirkt wie eine Radius-Anfrage.

Bewegen sich Benutzer während eines Gesprächs zwischen verschiedenen Access Points, können die mit dem Handover verbundenen Tätigkeiten des Clients wie Scans nach weiteren Zugangspunkten in der Nähe, erneute Authentifizierung und gegebenenfalls die Übernahme einer neuen IP-Adresse die Latenz noch zusätzlich erhöhen. Ein dediziertes VoWLAN-Telefon wird dabei in den meisten Fällen geringere Latenzzeiten aufweisen als ein Softclient, da dort das darunterliegende Betriebssystem nicht für den Telefonie-Einsatz optimiert ist und selbst entscheidet, wann es wohin umschaltet.

Dedizierte drahtlose Endgeräte können beispielsweise kontinuierlich im Hintergrund nach weiteren Access Points suchen und sich sogar schon einmal dort authentifizieren, bevor sie die Verbindung an eine neue Funkzelle übergeben. Dies setzt natürlich ein korrektes WLAN-Design mit überlappenden Funkzellen voraus. Schließlich sind auch auf der WLAN-Strecke QoS-Mechanismen wie beispielsweise SpectraLink Voice Priority (SVP), Wi-Fi Multimedia (WMM) oder 802.11e zu nutzen.

Über den Autor:

Marco Speckert ist seit 1999 in der Netzwerkbranche tätig und arbeitet seit 2006 als Network Consultant bei Extreme Networks.

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