IT-Kompetenzen in Deutschlands Unternehmen

Der Stellenwert der Weiterbildung wächst

| Autor / Redakteur: Stefan Gnannt / Andreas Donner

Die geringe Anzahl an IT-Fachkräften in Deutschland verleiht dem Thema Weiterbildung Nachdruck!
Die geringe Anzahl an IT-Fachkräften in Deutschland verleiht dem Thema Weiterbildung Nachdruck! (Bild: Zerbor - Fotolia)

Der digitalen Transformation wird nachgesagt, dass sie die deutsche Wirtschaft fundamental verändern wird. Doch wie steht es um die dafür benötigten Fachkräfte? Wie fit sind sie für Digitalthemen? Und wie sieht die Arbeitsmarktsituation und Weiterbildung für IT-Professionals überhaupt aus? Eine Standortbestimmung.

Die deutsche Wirtschaft sieht großen Bedarf bei der Weiterbildung ihrer Fachkräfte in Sachen digitale Kompetenz. Mehr als vier von zehn Unternehmen (45 Prozent) halten es für notwendig, Mitarbeiter in der Datenanalyse zu schulen. Jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) sieht großen Bedarf bei der Fortbildung zu Datenschutz und Datensicherheit, 16 Prozent bei allgemeinen PC-Anwenderkenntnissen.

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research aus dem September dieses Jahres. Die Ergebnisse korrelieren mit denen der „International Tech and Workforce Study“, die der weltweit agierende IT Branchenverband CompTIA im Mai dieses Jahres veröffentlichte. Demnach sind 97 Prozent der befragten deutschen Manager mit der IT-Kompetenz ihrer Mitarbeiter zumindest teilweise unzufrieden. Mehr als zwei Drittel von ihnen (70 Prozent) beobachten eine wachsende Gefahr aus dem Cyberspace. 44 Prozent halten zudem „menschliches Fehlverhalten“ für einen zunehmend wichtigen Faktor bei IT-Sicherheitsvorfällen.

Um dem entgegenzuwirken, haben deutsche Unternehmen dieses Jahr nicht nur in IT-Technik investiert, sondern verstärkt auch in das Know-how ihrer Mitarbeiter – in deren fachliche Qualifikation ebenso, wie in Neueinstellungen. Letztere sollten, der Erhebung zufolge, dieses Jahr um 31 Prozent (2014 nur 21 Prozent) steigen.

Qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt

Mehr Arbeitskräfte sind dringend geboten, aber nicht einfach zu finden. Denn qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt und entsprechend rar. Schon 2014 hat die Agentur für Arbeit 12.500 Stellenausschreibungen für hochqualifizierten Spezialisten registriert, „die über ein Anforderungsprofil verfügen sollten, das üblicherweise durch eine Weiterbildung oder eine dreijährige Hochschulausbildung erworben wird.“ Arbeitskräftemangel bei IT-Fachkräften war denn auch ein Stichwort in dem Arbeitsmarktbericht der Arbeitsagentur für IT-Fachleute in Deutschland vom Mai 2015, aus dem hier zitiert wird: „Punktuelle Engpässe zeigen sich bei Informatikern und Softwareentwicklern, deren Kenntnisse mit einem mindestens vierjährigen Informatikstudium vergleichbar sind.“ Im Rückblick auf das Jahr 2014 wurden der Arbeitsagentur zufolge „deutlich mehr IT-Kräfte gesucht als in den Jahren 2007 bis 2014“. Ein größerer Teil neue Positionen wandte sich an hochqualifizierte Bewerber, die ein Anforderungsprofil erfüllten, das „üblicherweise durch eine Weiterbildung oder eine dreijährige Hochschulausbildung erworben wird“.

Je qualifizierter die IT-Mitarbeiter, desto begehrter und schwieriger zu bekommen sind sie. Auch deswegen legen Unternehmen zunehmend Wert auf die Weiterbildung der Belegschaft. Der International Tech and Workforce Study zufolge weist hier der Trend eindeutig nach oben: 2014 nahmen 92 Prozent der IT-Mitarbeiter an Trainings teil. 56 Prozent der deutschen Manager gehen davon aus, dass IT-Zertifizierungen in den nächsten zwei Jahren eine größere Rolle spielen werden. 61 Prozent von ihnen halten es für wichtig, dass das in der Weiterbildung erworbene Fachwissen durch einen herstellerneutralen Abschlusstest bestätigt wird.

IT-Kompetenzmangel verringern

Durch die Weiterbildung der eigenen Fachkräfte lässt sich zudem der eingangs erwähnte IT-Kompetenzmangel verringern. Das ist hierzulande aber offenbar nicht so einfach, denn zwischen 2013 und 2015 hat sich der IT-Kompetenzmangel nicht verbessert. Immer noch sehen 2015 exakt 45 Prozent der Befragten die gleiche Schwäche wie 2013. Wünschenswert wäre, dass sich bei der nächsten Erhebung Verbesserungen einstellen. Denn auch wenn 52 Prozent der Befragten die berichteten Mängel bei den IT-Kompetenzen für eher gering halten, sehen 45 Prozent von ihnen darin ein größeres Problem mit einer Reihe negativer Auswirkungen. Die Top-3 dieser „Hitliste“ sind:

  • Geringere Produktivität der Mitarbeiter
  • Größere Gefahren für die IT-Sicherheit bzw. Schwächen in der Abwehr von Malware, Hackerangriffen, Cyberspionage und ähnlichem
  • Schlechterer Kundenservice und Kundeninteraktion

IT-Weiterbildung in Deutschland

Wie gehen Unternehmen die Weiterbildungsmaßnahmen an? Eine Mehrheit von 56 Prozent der Unternehmen nimmt an, dass die Bedeutung von Weiterbildungen, die mit Zertifizierungen bestätigt werden, in den nächsten zwei Jahren zunehmen wird. Was die Schulungsformate betrifft, setzen sie auf Zusatzkurse an Hochschulen (37 Prozent), Weiterbildungen mit einem Trainer in einer klassischen Klassenzimmer-Atmosphäre (35 Prozent) und an dritter Stelle auf E-Learning bzw. Online-Kurse mit bestätigtem Abschluss (33 Prozent). Nur 20 Prozent der Unternehmen in Deutschland verfügen übrigens über keinerlei interne Regelung zum Umgang mit Zertifizierungen. Die große Mehrheit fordert von ihren IT-Mitarbeitern (oder ermutigt sie dazu), sich ihre Kenntnisse zertifizieren zu lassen.

Die für die Workforce-Studie befragten Manager aus den Unternehmen erwarten insbesondere in Weiterbildungen zu Cybersecurity und Informationssicherheit sowie Netzwerkadministration (je 38 Prozent) einen hohen Mehrwert bzw. ROI für ihr Unternehmen. Ähnlich wichtig bewerten sie Qualifizierungsmaßnahmen für die Bereiche Cloud Computing, Server, Storage und Virtualisierung (je 34 Prozent). Entsprechende Schwerpunkte setzen die IT-Abteilungen für die Zertifizierungspläne. Die zwei meistgenannten CompTIA-Zertifizierungen sind Security+ und Network+, die von anderen Anbietern sind MCSE (Microsoft Certified Systems Engineer) und MCSA (Microsoft Certified Systems Administrator).

Stefan Gnannt
Stefan Gnannt (Bild: CompTIA)

Fazit

Alles in allem gewinnt die IT-Weiterbildung in Deutschland weiter an Gewicht. Qualifizierung ist der Schlüssel zu mehr beruflichem Erfolg für den Einzelnen und macht Unternehmen produktiver und sicherer.

Über den Autor

Stefan Gnannt ist bei CompTIA Deutschland verantwortlich für den Ausbau der Schulungsprogramme, hatte vorher u.a. eine ähnliche Position bei Oracle inne und gehört zu den Experten im deutschen IT-Schulungsmarkt.

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