Green VoIP – Mythos und Wirklichkeit, Teil 3

Das Image der IP-Telefonie – zwischen Klimakiller und Umweltretter

04.11.2008 | Autor / Redakteur: Dr. Michael Wallbaum und Dr. Frank Imhoff / Andreas Donner

Mythos oder Wahrheit: ComConsult zeigt was wirklich dran ist am Thema „Green VoIP“; Quelle: Alberto Brandi - Fotolia.com
Mythos oder Wahrheit: ComConsult zeigt was wirklich dran ist am Thema „Green VoIP“; Quelle: Alberto Brandi - Fotolia.com

Sucht man bei Google nach dem Begriff „Green VoIP“ so erhält man derzeit 1.300 Treffer. Zum Vergleich: „Green IT“ liefert beachtliche 5,7 Millionen Treffer. Obwohl diese Unterdisziplin marketingtechnisch also noch in den Kinderschuhen steckt, wird auch der Energieverbrauch von Telefonielösungen zunehmend zum Thema – und nicht selten maßlos überbeansprucht. ComConsult wirft daher in diesem 5-teiligen Beitrag einen sachlichen Blick auf das Image der IP-Telefonie und trennt Mythos von Wirklichkeit.

Zu einem der interessantesten Green-Voice-over-IP-Mythen ist wohl die Ansicht zu zählen, dass es aufgrund eines damit einhergehenden Einsatzes von Power over Ethernet (PoE) zu erheblichen Leitungsverlusten kommt. Noch weiter gehen aber Theorien über eine vorzeitige Alterung von RJ45-Steckern aufgrund einer erheblichen Erwärmung und Lichtbögen beim Ein- und Ausstecken.

Zunächst zu den Lichtbögen bzw. zur Funkenbildung: Dabei handelt es sich definitionsgemäß um eine Gasentladung zwischen zwei Kontakten, die eine ausreichend hohe elektrische Spannungsdifferenz aufweisen, um durch Stoßionisation den Stromfluss auch beim Auseinanderreißen der Kontakte aufrechtzuerhalten. Die Gasentladung bildet dabei zwischen den Kontakten ein elektrisch leitfähiges Plasma.

Die Temperatur das Lichtbogens und des unmittelbar umgebenden Plasmas kann bis zu 15.000 Grad Celsius erreichen. Das macht man sich in Gasentladungslampen oder beim elektrischen Schweißen zunutze. Die thermische und ionisierende Wirkung führt ansonsten aber an den beteiligten Kontakten und in der Umgebung zu erhebliche Beschädigungen. Daher müssen solche Lichtbögen nach Möglichkeit vermieden oder auf ein Minimum begrenzt werden.

In Hochspannungsschaltanlagen wird das z.T. durch aufwändige Löschmaßnahmen wie Öl- oder Luftdrucklöschung oder über eine Schwefelhexafluorid-Füllung (SF6) erreicht. Das Schutzgas SF6 bewirkt dabei eine Kühlung des Lichtbogens und zusätzlich einen hohen Spannungsabfall zur Löschung des hohen Kurzschlussstroms. In der Regel verlöscht dann der Lichtbogen beim Nullspannungsdurchgang der Phase. Bei Gleichstrom ist die Löschung demnach noch schwieriger, da es keinen Nullspannungsdurchgang wie bei Wechselstrom gibt, der den Lichtbogen von selbst löschen kann. Klar ist aber, dass derartige Maßnahmen mit einem einfachen RJ45-Stecker nicht zu machen sind.

Je höher die Stromstärke und/oder die Spannung sind, desto energiereicher wird der dabei entstehende Lichtbogen. Vor allem ist für die Überbrückung eines großen Isolationsweges zwischen den beteiligten Kontakten eine entsprechend hohe Spannung erforderlich. Das lässt zunächst die Vermutung zu, bei der mit PoE verbundenen Nennspannung von 48 V wird erst gar kein Lichtbogen beim Trennen einer RJ-45-Steckverbindung entstehen.

Jedoch benötigen elektrische Schweißgeräte auch nur Spannungen zwischen 15 und 50 Volt und können damit schon ganz ansehnliche Lichtbögen und Temperaturen erzeugen. Allerdings kommen hier Ströme von 1.000 A und mehr zum Einsatz und davon ist PoE mit maximal 400 mA weit entfernt.

Aber selbst bei Relais oder Schaltern mit einer maximalen Kontaktbelastung von 10 A und 48 V ist vor allem bei stark induktiven Lasten (hohe Blind- und Abschaltströme z.B. bei Elektromotoren, Transformatoren etc.) mit einer sehr starken Abnutzung der Kontakte zu rechnen. Bei PoE scheidet aber auch diese Möglichkeit aus: Nicht nur aufgrund des immer noch deutlich geringen Stroms im Milliamperebereich, sondern auch, weil sich ausschließlich um Gleichspannung handelt, also weder mit Blind- noch mit großen Abschaltströmen zu rechnen ist. Zudem müssen Relais ggf. tausende Trennungsvorgänge zuverlässig überstehen, was auch ohne Lichtbögen von einer RJ45-Steckverbindung nicht zu erwarten ist.

Lichtbögen bzw. Funkenbildung beim Ein- oder Ausstecken von RJ-45-Steckverbindungen bleiben also – das zeigt auch die inzwischen langjährige Erfahrung damit – ein vernachlässigbares Problem.

weiter mit: Leitungsverluste

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Das Image der IP-Telefonie – zwischen Klimakiller und Umweltretter
  • Seite 2: Leitungsverluste

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 2017539 / Voice over IP)