Green VoIP – Mythos und Wirklichkeit, Teil 5

Das Image der IP-Telefonie – zwischen Klimakiller und Umweltretter

06.11.2008 | Autor / Redakteur: Dr. Michael Wallbaum und Dr. Frank Imhoff / Andreas Donner

Mythos oder Wahrheit: ComConsult zeigt was wirklich dran ist am Thema „Green VoIP“; Quelle: Alberto Brandi - Fotolia.com
Mythos oder Wahrheit: ComConsult zeigt was wirklich dran ist am Thema „Green VoIP“; Quelle: Alberto Brandi - Fotolia.com

Sucht man bei Google nach dem Begriff „Green VoIP“ so erhält man derzeit 1.300 Treffer. Zum Vergleich: „Green IT“ liefert beachtliche 5,7 Millionen Treffer. Obwohl diese Unterdisziplin marketingtechnisch also noch in den Kinderschuhen steckt, wird auch der Energieverbrauch von Telefonielösungen zunehmend zum Thema – und nicht selten maßlos überbeansprucht. ComConsult wirft daher in diesem 5-teiligen Beitrag einen sachlichen Blick auf das Image der IP-Telefonie und trennt Mythos von Wirklichkeit.

Hersteller, deren Endgeräte hinsichtlich ihrer Energieeffizienz noch verbesserungswürdig sind, behaupten gerne, ein Standby-Modus sei bei IP-Telefonen schwer machbar. Schließlich muss ein Telefon jederzeit betriebsbereit sein. Ein minutenlanges Booten bei eingehenden Gesprächen oder z.B. beim Absetzen von Notrufen wäre den Nutzern kaum zu vermitteln. Die Frage ist jedoch was unter Standby verstanden werden soll – offensichtlich nicht ein vollständiges Herunterfahren des Telefons mit einem „Wake-on-LAN“.

Die Europäische Kommission hat in jedem Fall sehr konkrete Vorstellungen hinsichtlich des anzustrebenden Verbrauchs von elektronischen Geräten (u.a. auch von IP-Telefonen) – sowohl im aktiven Zustand als auch im Standby. Die Kommission hat mit Hilfe von Herstellern und Experten einen Verhaltenskodex erarbeitet, der Ziele für die Energieeffizienz von externen Netzteilen und Netzwerkkomponenten festlegt. Auch wenn der Schwerpunkt auf dem Bereich der Heim- und SOHO-Produkte liegt, so ist doch zu erwarten, dass die Anforderungen auch Auswirkungen auf Enterprise-Produkte haben werden. Tabelle 4 ist ein Auszug aus dem Verhaltenskodex für Netzwerkkomponenten; die Werte gelten für Messungen vor dem Netzteil, d.h. auf der 230-V-Seite. Die angegebenen Werte für VoIP-Telefone sind in jedem Fall übertragbar, da auch typische Merkmale von High-End-Produkten, wie Farbdisplays, abgedeckt werden. Es ist unklar, ob der Aufschlag von 2 Watt für eingebaute Switches mit bis zu vier Ports auch für die Miniswitches in IP-Telefonen Anwendung finden soll.

Die in Tabelle 4 angegebenen Werte werden von einigen Herstellern bzw. Produkten, wenn überhaupt, nur knapp erreicht. Insbesondere Gigabit-Ethernet-Geräte müssen bezüglich ihrer Energieeffizienz optimiert werden, um den Anforderungen gerecht zu werden. Interessant ist zudem, dass die Unterzeichner des Verhaltenskodex sich verpflichten ab Anfang 2009 einen sog. „low power state“, d.h. eine Art Standby-Modus, zu unterstützen. Auch diese Anforderung wird momentan nur von den wenigsten Geräten unterstützt.

Obwohl das ComConsult Test-Center über die wichtigsten Telefone aller namhaften Hersteller verfügt, sehen wir im Rahmen dieses Artikels davon ab, die Geräte bezüglich ihres Verbrauchs gegenüberzustellen. Zum einen können Messwerte bereits mit dem nächsten Hardware- oder Software-Release eines Gerätetyps bzw. Netzteils obsolet werden. Zum anderen können die Verbrauchswerte stark von der Konfiguration eines Geräts abhängen. Bei einem Siemens OpenStage 60 (siehe Abbildung 6) macht z.B. allein die Differenz in der minimalen und maximalen Stärke der Beleuchtung der Bedienelemente nahezu ein Watt aus.

Stichprobenartige Messungen im Test-Center haben ergeben, dass die Angaben der Hersteller prinzipiell korrekt sind. Bei einem Vergleich muss jedoch zwingend darauf geachtet werden, dass die Umstände der Messungen, also wo und wie gemessen wurde, sowie die Konfigurationen vergleichbar sind. In der Regel werden die Werte für den PoE-Betrieb (gemessen zwischen Gerät und Switch) angegeben, da dies die „schönsten“ Zahlen liefert. Diese Werte sind jedoch in keinem Fall mit Messungen vor dem Netzteil zu vergleichen, denn sie unterschlagen, dass deren Wirkungsgrad z.T. deutlich unter 100% liegt.

weiter mit: Das Einsparpotenzial von Standby-Modi

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